Vom Lech- zum Trinkwasser

THW-Helfer führen Trinkwasser-Übung auf dem Schongauer Volksfestplatz durch

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Hat das Lechwasser die verschiedenen Filter durchlaufen, wird es in großen Behältern gesammelt. Bevor es als Trinkwasser verwendet werden kann, muss die Probe noch ins Labor.

Schongau – Rund 160 THW-Helfer haben sich vergangenes Wochenende auf dem Schongauer Volksfestplatz zur Trinkwasserübung „Aqua Sana 2019“ eingefunden. Die Fachgruppen für Trinkwasserversorgung kommen zum Einsatz, wenn die Versorgung – wie beispielsweise beim Hochwasser in Simbach 2016 – unterbrochen ist. Solche Einsätze werden auch in Deutschland immer häufiger.

Als wahre Materialschlacht bezeichnet Michael Deininger vom THW-Ortsverband Starnberg eine solche Übung. Eine Trinkwasseraufbereitungsanlage wird in 68 Kisten transportiert. Das bedeutet: zehn Tonnen Material. Am Freitag sind vier solcher Anlagen auf dem Schongauer Volksfestplatz aufgebaut. Dazu kommen noch drei mobile Labore für die Wasseranalysen. Zum Teil hatten die Gerätschaften plus Helfer eine weitere Anreise hinter sich, denn sie kamen aus den Landes- und Länderverbänden Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz/Hessen/Saarland in der Lechstadt zusammen.

Bewusst hat man das verlängerte Wochenende für die Übung gewählt, erklärt Lina Wussow von der Regionalstelle Bad-Tölz. Denn immerhin dauern Auf- und Abbau der Anlagen schon einen ganzen Tag. Die Aufgabenstellung lautet: Wasser aus dem Lech in Trinkwasser umwandeln. Geplant sind am vergangenen Freitag außerdem noch ein paar Einspielungen, verrät Wussow. So müssen die Helfer beispielsweise ein Gerüstsystem bauen, um die Übergabe des Trinkwassers von einem Unimog an die Bevölkerung gewährleisten zu können. Auch der fiktive Besuch des Gesundheitsamtes steht noch als Belastungsprobe aus.

Mit zwei Tauchpumpen befüllt der Schongauer Ortsverband die vier großen schwarzen Becken mit Lechwasser. Damit die Straße weiterhin befahrbar bleibt, haben die Helfer ein Gerüst aufgebaut, über das der Schlauch geführt wird. Jede Aufbereitungsanlage hat ein extra Becken.

Die Vorbehandlung des Rohwassers erfolgt mit Eisen­dreichlorid, wie Michael Deininger und Andrew Ladouceur, stellvertretender Ortsbeauftragter aus Starnberg, erklären. So werden Feststoffe gebunden, die sich dann am Boden des Beckens absetzen. In der Folge entnimmt man oberflächennah Wasser und führt es weiter in ein Desinfektionsmodul. Im Ernstfall würde noch ein Durchgang durch einen Aktivkohlefilter erfolgen. Für die Übung spart man sich diesen Arbeitsschritt – der damit verbundene Aufwand der Entsorgung wäre zu groß. Bevor das Wasser aber irgendjemand probieren darf, werden noch ausführliche Tests im angrenzenden mobilen Labor durchgeführt.

15.000 Liter pro Stunde

Mit einer solchen Anlage können rund 15.000 Liter Trinkwasser pro Stunde produziert werden. Im Ernstfall ist es möglich so 20.000 Personen am Tag – man geht von einem Tagesbedarf von 15 Litern aus, um zu überleben – zu versorgen. Beim Hochwasser in Simbach 2016 habe man so 5,5 Millionen Liter in zwei Wochen aufbereiten können, sagen die Starnberger Experten.

„Wir haben mittlerweile jährlich Inlandseinsätze“, verweist Ladouceur darauf, dass nicht nur im Ausland das Trinkwasser knapp werden kann. Gründe sind meist große Trockenheit, Hochwasser oder auch Verunreinigungen durch defekte Rohre.

Insgesamt gibt es in ganz Deutschland nur 13 solcher Fachgruppen, fünf davon haben sich an der Großübung in Schongau beteiligt. Bayernweit ist die Fachgruppe Trinkwasser in Starnberg die einzige. Jährlich kommt man deshalb zur „Aqua Sana“-Übung zusammen, um sich informativ auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen, erklärt Lina Wussow. 

asn

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