Asylbewerber in der Langau

Gegen die tägliche Routine

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Daniel Wilms hatte die Idee, Asylbewerber nach Steingaden zu holen. Gemeinsam mit Pascal Leimbach (stehend) betreut er gerade Abou, Ali, Joseph und Samson. Denen macht der recht milde bayerische Winter trotz allem zu schaffen. Dennoch sind die vier mit Eifer und Freude bei der Sache und gehen ihren Gastgebern gern zur Hand.

Steingaden – „Langau - Einfach Mensch sein“, das ist das Motto der Bildungs- und Erholungsstätte Langau bei Steingaden. Und das erhält aktuell eine besondere Bedeutung. Denn seit gut einem halben Jahr beherbergt die Langau immer wieder Asylbewerber aus Weilheim. Die sollen hier in Kontakt kommen.

Ali ist schon Routinier, zum sechsten Mal bereits ist er jetzt in der evangelischen Bildungsstätte nahe der Wieskirche. Wenn es sein Zeitplan in Weilheim möglich macht, meldet sich der junge Mann, um in die Langau zu kommen. Ali ist aus Pakistan nach Deutschland geflohen und wartet jetzt auf die Anerkennung seines Flüchtlingsstatus. Drei Tage, das ist das Maximum, so lange dürfen sich die Asylbewerber von ihrer Unterkunft entfernen. 

Das war auch eine der Schwierigkeiten, die die Mitarbeiter von Peter Barbian, dem Leiter der Langau überwinden mussten, um die ersten Asylbewerber hierher zu holen. „Essen und Schlafen, Essen und Schlafen“: Das beschreibt ziemlich genau den Tagesablauf eines Asylbewerbers in seiner Unterkunft. Denn Arbeiten gehen dürfen sie noch nicht und das wenige an Taschengeld, das sie erhalten, reicht nicht für große Sprünge. Dazu Fernsehen, um die deutsche Sprache zu lernen und Nachrichten aus der Heimat zu sehen. Diese Routine aufzu-brechen, das versucht man hier in der Langau. 

Über den evangelischen Pfarrer in Weilheim, Jost Herrmann, kam man in Kontakt mit den Asylbewerbern, konnte über ihn auch die Rahmendetails abklären. Ehrenamtlich zu arbeiten wie in der Langau, wo sie den Hausmeister unterstützen, erlaubt das Gesetz. Und durch ihre Präsenz im Haus, beim Essen oder Arbeiten, kommen sie automatisch in Kontakt mit den Bewohnern, die sich für die Flüchtlinge interessieren und sich auch mit ihnen unterhalten. Und sogar darüber nachdenken, wie man ihnen weiterhelfen könnte. 

Wie jene Gruppe aus der Herzogsägmühle, die zu einem Seminar in die Langau gekommen ist, und jetzt überlegt, ob und wie man die Asylbewerber aus Weilheim ebenfalls für einige Tage nach Peiting und aus ihrem täglichen Trott holen könnte. Für die vier, die gerade vor dem Tippi zusammensitzen mit ihrem Betreuer Pascal Leim-bach, wäre das eine große Chance. 

Die vier Flüchtlinge sehen ihre Lage durchaus positiv. Es sei eine großartige Gelegenheit, in dieses Land kommen zu dürfen, sagt Abou. In ihren Ländern würden sie jeden Tag aufs neue der Willkür ausgesetzt, dort gebe es keine Menschenrechte. Dafür würde sie hier vor Ort, auch in Weilheim, umso freundlicher aufgenommen und hätten mittlerweile viele Bekannte. 

Für Peter Barbian zählt dabei noch ein anderer Aspekt. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Daniel Wilms erkunden die doch exotischen Gäste die Umgebung, haben die Wies und die umliegenden Klöster, aber auch Gemeinden besucht. Diese Präsenz ist dem Langau-Leiter wichtig. Damit es nicht wie jüngst in Bernbeuren erst einer eigenen Sitzung bedarf, damit die Menschen den Mut fassen, auf die Flüchtlinge zuzugehen. In Bernbeuren will man ein Netzwerk aufbauen, um die Hilfe zu koordinieren. In Stein-gaden sind die Flüchtlinge mitten drin. Jetzt braucht es nur weitere Firmen, Organisationen oder Einrichtungen, die dem Beispiel folgen.

Oliver Sommer

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