"Auerberg Klassik Tage"

Comeback einer Legende

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St. Georg auf dem Gipfel, Knattern und Dröhnen auf der Straße: Das 1987 letztmals abgehaltene Auerbergrennen genießt in der Szene immer noch einen ausgezeichneten Ruf.

Bernbeuren – Es dröhnt und knattert wieder am Schwäbischen Rigi: 30 Jahre nachdem das ehrwürdige Auerbergrennen seinen verregneten Abschied nahm, kehrt ein großes Motorsport-Event nach Bernbeuren zurück. Die „1. Auerberg Klassik Tage 2017“ stehen in den Startlöchern, initiiert von einem extra dafür aus der Taufe gehobenem Verein lokal ansässiger PS-Traditionalisten. Vom 15. bis 17. September steigt das Großereignis, der Kreisbote unterhielt sich mit Macher Hermann Köpf.

„Ich bin in Bernbeuren aufgewachsen, habe schon als Kind an der Strecke gestanden“, blickt der Leiter des ambitionierten Projekts zurück. Im Jahr 1967 war die erste Auflage des Auerbergrennens über die Bühne gegangen, weiß Köpf, in den folgenden Jahren erarbeitete sich der Wettbewerb einen „großen Namen“.

Doch auch der half 1987 nichts mehr: Ein völlig verregnetes Wochenende führte zu widrigsten Bedingungen, die Bernbeurer Bauern mussten etliche Teilnehmer und ihre fahrbaren Untersätze aus dem Matsch ihrer eigenen Felder ziehen. „Es war alles ziemlich demoliert“, erinnert sich Köpf. Noch dazu sei Motorsport als solcher zur damaligen Zeit, vor dem Hintergrund des Super-GAUs in Tschernobyl und seiner Folgen für die Umwelt, nicht mehr gut gelitten gewesen. Die Renngemeinschaft, in der Clubs aus Kaufbeuren, Marktoberdorf und Schongau federführend das Ruder hielten, zog sich zurück.

Motorräder und Seitenwagen kämpfen auch diesmal wieder um die vorderen Plätze. Eine Auto-Konkurrenz ist nicht vorgesehen.

Doch trotz des wenig würdigen Abschieds der Veranstaltung: Immer wieder versuchten sich externe Interessenten in den Folgejahren an einer Wiederbelebung des Spektakels. „Die waren aber von außerhalb und hatten mit Akzeptanzproblemen im Ort zu kämpfen“, erklärt Köpf. Ohne den Rückhalt der Bevölkerung seien alle Anläufe schon vorab zum Scheitern verurteilt gewesen. „Auch wir sind auf viele Helfer angewiesen“, weiß der Motorrad-Enthusiast, der wie seine Mitstreiter aus der Auerberg-Gemeinde stammt.

Seit Jahren seien die von Kindesbeinen an Bekannten mit der Idee einer Neuauflage schwanger gegangen, im letzten Jahr machten sie mit der Gründung eines eigenen Vereins die ersten Nägel mit Köpfen. Köpf erarbeitete ein Konzept, über das der Verein die politischen Entscheidungsträger im Oktober in Kenntnis setzte. Vor rund fünf Wochen dann der nächste große Schritt, der Weg an die Öffentlichkeit: Homepage und Facebook-Präsenz gingen online und stießen auf begeistertes Echo.

Die Marke von 150 Teilnehmern bei der Konkurrenz, ausschließlich mit Motorrädern und Seitenwagen bis Baujahr 1979, gilt als erklärtes Ziel. Jüngst wurde schon die 50er-Schwelle geknackt, unter anderem dank Anmeldungen aus der Schweiz, Österreich und Norddeutschland. „Das Renommee ist immer noch erstklassig“, folgert Köpf.

Für den Ort

Noch erleichterter seien die Macher aber darüber, dass auch die Resonanz der ansässigen Bernbeurer Vereine positiv ausfällt. „Der Zusammenhalt ist groß“, freut sich der Projektleiter, der unterstreicht: „Es ist eine Veranstaltung aus dem Ort für den Ort“. Mit der Bereitschaft der Helfer stehe und falle das gesamte Projekt.

Denn neben Platzeinweisern, Streckenposten und vielem mehr, zähle auch beim Rahmenprogramm jede anpackende Hand: Auf dem Marktplatz findet ein Oldtimer-Treffen statt; Köpf wünscht sich, dass Aussteller die Möglichkeit nutzten, sich zu präsentieren und Vereine in Eigenregie den Verkauf von Verpflegung stemmten. Neben einem Seifenkistenrennen steigt auch ein Best-Dressed-Wettbewerb. Denn nicht nur die Verkäufer und Streckenposten werden ihr Outfit an die Zeit vor 1979 anpassen, auch die Gäste sollen mit ihrer Garderobe zum nostalgischen Flair beitragen. „Wir wollen auf eine Zeitreise gehen“, hofft Köpf auf ein möglichst authentisches Erlebnisgefühl.

Gleichmäßigkeit statt Tempo-Rausch

Doch an einem Punkt unterscheiden sich Vergangenheit und Zukunft ganz deutlich voneinander. Denn die Auerberg Klassik Tage sind keine Rennveranstaltung. Nicht der Pilot, der am Ende der 3,2 Kilometer langen Strecke zuerst an einer karierten Zielflagge vorbeiknattert, steht am Ende ganz oben auf dem Podest. Sondern der, der zwischen seinen Fahrzeiten des ersten und zweiten Wertungslaufs die geringste Differenz erzielt. Den Wettkampf entscheidet eine sogenannte Gleichmäßigkeitswertung. Das sei allein aus Gründen der Sicherheit und des Versicherungsschutzes nicht anders machbar. 2017 ist eben nicht ganz 1987.

Rasso Schorer

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