SPD-Fraktion weiter geschrumpft

Unabhängige Peitinger streben Generationswechsel im Peitinger Gemeinderat an

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Neben den ehemaligen SPD-Gemeinderäten Alex Zila (vorne rechts), Alfred Jocher (hinten, 3. v. rechts) und Christian Lory (vorne, 3. v. rechts), der auch für das Bürgermeisteramt kandidiert, finden sich Martin Kästl, Basti Kosler, Judith Schlögel, Mert Akkoyun, Manuel Rößle, Jürgen Schallhammer, Fabian Adler (hinten, 1. bis 7. v. links), Sophia Schallhammer, Andreas Fuchs (hinten, 2. und 1. v. rechts), Sabrina Behnisch, Maike Rößle, Stefan Fedisch (vorne, 1. bis 3. v. links) und Yvonne Grothmann (2. v. rechts) auf der Liste der Unabhängigen Peitinger.

Peiting – „Ein Generationswechsel im Marktgemeinderat steht an“ für die junge Liste Unabhängige Peitinger. Sie stellte am vergangenen Samstag 19 Gemeinderatskandidaten und Christian Lory als Bürgermeisterkandidat im Gasthof Keppeler vor. Mit dabei sind auch die ehemaligen SPD-Gemeinderäte Alfred Jocher und Alex Zila. Dass letzterer schon jetzt von der Fraktion der Genossen zu den Unabhängigen gewechselt ist, lässt deren aktuelle Gemeinderatszahl auf nur noch sieben schrumpfen.

Bei der Versammlung war klar, dass die Unabhängigen sich von der übrigen Parteienlandschaft unterscheiden: Die Kandidaten sind zum Großteil junge Eltern, zwischen den Tischen tummelten sich Kinder. Als Themen steckte man sich Transparenz, Ehrlichkeit, Förderung von Gewerbe und ein Peiting, das auch für die Kinder lebens- und liebenswert ist.

"Auf Augenhöhe"

Eingangs hatte Wahlleiter Norbert Hauber darüber abstimmen lassen, dass Platz 1 auf der Liste, der dem Bürgermeisterkandidaten Christian Lory gehört, dreifach, die Plätze 2 bis 4 doppelt besetzt werden. „Wir sind mit unseren 19 Kandidaten sehr, sehr glücklich“, betonte Lory, dessen Tochter Magdalena die Namen aus einem Zylinder zog. Mit der Liste will er nicht nur beim Bürgermeisterposten, sondern auch im Gemeinderat einen Generationswechsel schaffen. „Wir werden Politik auf Augenhöhe machen“. Auf die Wahlen im März könne man gelassen zugehen, „weil die Peitinger immer vernünftig gewählt haben“.

Verteilung per Los

Genauso gelassen ging man die Verteilung der Listenplätze an. Das Los sollte entscheiden, da bei der Gemeinderatswahl doch die Persönlichkeitswahl im Vordergrund stehe. Als Beauftragte für die Wahlvorschläge wurden Sophia Schallhammer und stellvertretend Christian Lory bestimmt. Ziel ist es, die von den 25 anwesenden Wahlberechtigten einstimmig beschlossene Liste bis Dienstag, 17. Dezember, abzugeben. Zusätzlich müssen 180 wahlberechtigte Peitinger, die nicht selbst kandidieren und auch nicht für eine andere Gruppierung unterschrieben haben, die dann im Rathaus ausliegende Unterstützer-Liste unterschreiben. 

Die Liste der Unabhängigen

Platz 1, 2 und 3: Christian Lory (32 Jahre, Kaminkehrermeister),
Platz 4 und 5: Manuel Rößle (32, Produktionsmeister für Brau- und Getränketechnik),
Platz 6 und 7: Sabrina Behnisch (28, Mediengestalterin),
Platz 8 und 9: Alex Zila (47, Sozialpädagoge),
Platz 10: Alfred Jocher (69, Rentner),
11: Maike Rößle (33, Lehrerin),
12: So­phia Schallhammer (30, Finanzbeamtin),
13: Christina Frankl (35, Gesundheits- und Krankenpflegerin),
14: Stefan Fedisch (33, Speditionskaufmann),
15: Jürgen Schallhammer (30, Finanzbeamter),
16: Judith Schlögel (39, Heilerziehungshelferin),
17: Mert Akkoyun (23, Azubi Beamter),
18: Gregor Mohr (45, Automechaniker),
19: Basti Kosler (21, Erzieher),
20: Andi Fuchs (36, Musiklehrer)
21: Martin Kästl (33, Sozialpädagoge),
22: Judith Hieber (30, Gesundheits- und Krankenpflegerin),
23: Fabian Adler (20, Azubi Kinderpfleger und Erzieher),
24: Yvonne Grothmann (43, Erzieherin),
Ersatzmann: Patrick Grothmann (47, Informatiker)

Ältester auf der Unabhhängigen-Liste ist Alfred Jocher, der seit 1994 im Gemeinderat sitzt. Ursprünglich für die SPD, seit 2015 als Unabhängiger. Ein Grund dafür war für ihn der Umgang mit der Strabs in Peiting. „Auch ich habe 20 Jahre lang in gutem Glauben, dass das nicht zu ändern ist, die Bürger abkassiert.“ Die Wende kam mit den Protesten in Schongau, die zeigten, dass Gemeinden sich durchaus von der Strabs distanzieren können. „Für mich weht ein Wind der Veränderung“, so der 69-Jährige.

Alex Zila wechselt von SPD zu Unabhägnigen

Dass die SPD nicht mehr seine Partei ist, war Alex Zila bereits im Juni klar. Nun ließ er sich für die Unabhängigen Peitinger aufstellen. Mit zehn Gemeinderäten war die SPD im Mai 2014 in den Peitinger Marktgemeinderat eingezogen, unter ihnen zum ersten Mal Alex Zila. In der Periode davor waren die Sozialdemokraten sogar mit elf von 24 Sitzen vertreten. Dass es fünfeineinhalb Jahre später – Ende 2019 – drei weniger sind, bedeutet einen schweren Aderlass in denkbar ungünstiger Zeit, zumal es nur noch drei Monate hin ist bis zu den nächsten Wahlen im März 2020.

Nach Jocher verließ Lory im Jahr 2018 die Sozialdemokraten, bei denen er zuletzt sogar Fraktionssprecher war, und gab zudem das Parteibuch zurück. Er nahm den Genossen übel, dass sie ihn nicht als Bürgermeisterkandidaten aufstellten, sondern sich für Annette Luckner entschieden.

Auch Alex Zila hat nicht nur den Austritt aus der Fraktion erklärt, sondern Anfang der Woche nach knapp sechs Jahren Mitgliedschaft auch den Austritt aus der Partei vollzogen, wie er auf Nachfrage des Kreisboten bestätigt. Er habe eigentlich schon im Sommer angekündigt, im März 2020 nicht mehr für die SPD zum Gemeinderat zu kandidieren. Er habe ein Duales Studium beginnen wollen, was sich aber inzwischen zerschlagen habe, erklärt der Sozialpä­dagoge, der beim Jugendamt des Landkreises Weilheim-Schongau arbeitet und dort im Allgemeinen Sozialen Dienst tätig ist.

Er könne „mit den Zielen der SPD nicht mehr mitgehen“, bekundet Zila. Massiv habe er sich darüber geärgert, weil das Freihandelsabkommen mit Kanada unterzeichnet wurde. Er sei damals wie heute ein Gegner der Großen Koalition im Bund. Freilich lässt Zila gegenüber dem Kreisboten auch einen zweiten Grund anklingen: In der Fraktion habe er nicht genug Unterstützung bekommen bei gemeindlichen Themen.

Das Thema Neues Jugendzentrum hätte man mit Nachdruck schneller angehen können, so Zila. Außerdem sei er zusammen mit Christian Lory, der damals noch in der Fraktion war, beim Vorschlag zum „großen Kreisverkehr“ in Peitings Ortsmitte ziemlich allein gelassen worden, fügt der Gemeinderat hinzu, der mit seinen 47 Jahren zuletzt der Jüngste in der SPD-Fraktion war.

Weil sich die Absicht eines Dualen Studium zerschlagen habe, sei er nun doch bereit, ein weiteres Mal für den Gemeinderat zu kandidieren, fährt Zila fort. Er tut dies aber auf der Liste der unabhängigen Peitinger, die sich neu formiert hat und ab Mitte Dezember noch 180 Unterstützer-Unterschriften benötigt, damit sie für die Kommunalwahl zugelassen wird.

Der Fraktion der Unabhängigen,zu der sich heuer im Gemeinderat Christian Lory und Alfred Jocher zusammengetan haben, schließt sich bereits auf der nächsten Sitzung am Dienstag, 17. Dezember, Alex Zila an. Sie besteht somit aus drei ehemaligen SPD-Gemeinderäten.

Herbert Salzmann, der SPD-Fraktionssprecher, saß in der letzten Gemeinderatssitzung im roten Pulli im Sitzungssaal. Zwischendurch vermittelte er einen konsternierten Eindruck. Was er zum Wechsel sagt? „Ich bin von Herrn Alex Zila sehr enttäuscht. Ich erwarte von jemandem, der ein öffentliches Ehrenamt einnimmt, dass er mit seinen Kolleginnen und Kollegen offen, ehrlich und transparent umgeht. Das habe ich hier vermisst. Ansonsten wünsche ich ihm, dass er in seiner neuen politischen Heimat gut ankommt“, beantwortet Salzmann eine Anfrage des Kreisboten.

Nur noch sieben

Bürgermeister Michael Asam kam das Lied von den „Zehn kleinen Negerlein“ in den Sinn, wo in jeder Strophe eines verloren geht. Er bedauere den Schritt Zilas. Der langjährige Rathauschef hat nur zu gut im Hinterkopf, dass seine gewaltige Stimmenzahl, die er im März 2014 als Anführer der SPD-Liste erzielt hat, erst die Grundlage für den Einzug mancher SPD-Räte ins Gremium bildete, unter anderem für Alex Zila.

Knapp fasst sich die SPD-Bürgermeisterkandidatin Annette Luckner in einer Reaktion. „Gut, dass Alex Zila, den ich als angenehmen Menschen kennengelernt habe, weiter für Peiting arbeiten möchte.“ Falls sie im März 2020 zur Bürgermeisterin gewählt werde, „werde ich sowieso mit allen zum Wohle aller gut zusammenarbeiten – ganz gleich, wer dann im Gemeinderat sitzt.“

uf/jj

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