Pfarrer Rainer Maria Schießler zu Gast

"Scheinwerfer" auf Böbing

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Hadert mit der Kirche, bleibt ihr aber treu: Pfarrer Rainer Maria Schießler sprach zu den Böbingern.

Böbing – Eine erkleckliche Anzahl an Besuchern hat sich am Mittwoch vergangener Woche in der Schulturnhalle Böbing zur siebten Ausschüttung der Bürgerstiftung eingefunden. Neben der Scheck-Überreichung an den hiesigen Sport-Club und an die Kirchengemeinde interessierten sie sich vor allem für einen ganz besonders: Bürgermeister Peter Erhard hatte den streitbaren und unkonventionellen Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München als Gast gewinnen können.

Bis Ende September war die Anmeldefrist gelaufen, beide eingereichte Anträge wurden dann auch genehmigt: Den einen Scheck über 600 Euro übergab Bürgermeister Erhard den strahlenden Buben der Fußball-Abteilung des Sportclubs. Für diese kann nun ein Transportwagen mit Umsturzschutz für die Kleinfeldtore angeschafft werden.

Die Kirchengemeinde bekommt zwar nicht den von Erhard mit einem Augenzwinkern empfohlenen Staubsauger für den nächsten Kirchenputz, sondern der Zuschuss in Höhe von ebenfalls 600 Euro wird für ein aus Bronze gegossenes Vortragskreuz verwendet. Die mit der Ausführung beauftragte lokale Künstlerin Andrea Kreipe stellte das Design dem Publikum vor.

Dann begrüßte Erhard den mit Spannung erwarteten Ehrengast Rainer Maria Schießler, der auch gleich sein neues Buch „Jessas, Maria und Josef!“ mitbrachte und für Interessierte am Ende signierte. Schießler, der sein Pastoraljahr seinerzeit im nahen Bad Kohlgrub absolvierte, traf mit seinem Vortrag unter dem Motto „Weida geht’s“ bei den Anwesenden ein ums andere Mal den richtigen Nerv.

Von bayerischer Lebensart und dem absoluten Unvermögen des gemeinen Preußen, diese zu verstehen, über das Zölibat und die Rolle der Frau in der Kirche bis hin zu Missbrauchsvorwürfen sprach der Münchner Pfarrer einen Reigen an kirchlichen aber auch gesellschaftlichen Themen an, die die Menschen zur Zeit bewegen.

Beginn und Abschluss bildeten Gedichte seines Namensgebers Rainer Maria Rilke. Den Bogen vom Dichter zum lieben Gott, dem er in einem Supermarkt in Rosenheim begegnet sei, schafft wohl auch nur Schießler: Dort nämlich, so erzählte er launig, habe er den Schauspieler Günther Maria Halmer getroffen und unverblümt gefragt, ob ihm sein „Maria“ im Namen nicht auch manchmal auf den Geist gehe, worauf dieser ihm erwiderte, dass diese Maria ihn immer wieder an seine katholischen Wurzeln erinnere. So begegne Gott einem eben nicht unbedingt in der Kirche oder in Bibelkreisen („dort am allerwenigsten“), sondern auch mal im Supermarkt.

Denjenigen, die allzu viel Respekt vor der klerikalen Obrigkeit haben, empfahl er, sich die „Rotgewandeten mal nackert vorzustellen“. Mit vielen Dingen, die in der Kirche geschehen, hadere er sehr. Die Missbrauchsvorwürfe beispielsweise würden nicht konsequent genug aufgearbeitet. Ein Kirchenaustritt komme für ihn persönlich allerdings niemals in Frage, denn: „Ich will meine Kirche nicht ‚denen‘ überlassen“.

Mensch in Verantwortung

Und auch eine andere immer wieder gestellte Frage griff er auf: Warum lässt Gott es zu, dass es Kriege gibt und Kinder sterben…? „Ja was soll er denn machen, der liebe Gott“ rief er in den Saal, „es ist doch an uns Menschen, etwas zu ändern, das liegt doch in unserer eigenen Verantwortung“.

Essentiell für Schießler ist der Fokus auf das „Diesseitige“, darum müssten sich die Menschen kümmern, dann würden sich viele Probleme lösen lassen. Und: „Liturgie muss Spaß machen. Die Leute müssten sich in der Kirche gut aufgehoben fühlen“. Das Schöne sei ja, dass die Leute, die jetzt in die Kirche kämen, das machten, weil sie es wollten – und längst nicht mehr, weil sie es müssten. Darauf gelte es aufzubauen.

So humorvoll und unterhaltsam die komplett frei vorgetragene Rede auch war, ging es Schießler immer wieder darum, „seine Kirche“ und die Bedeutung der Gemeinschaft in den Mittelpunkt zu rücken. Dies sei auch ein Grund, warum er sich an diesem Abend auf den Weg nach Böbing gemacht hatte: Ihm habe die Idee der Bürgerstiftung, „von Bürgern für Bürger“ sofort gefallen. Das wolle er sehr gerne unterstützen.

Millibitsch‘n als Lohn

Die Vorabankündigung, dass die Spendensammlung am Abend für einen wohltätigen Zweck von Rainer Maria Schießler verwendet würde, warf dieser kurzerhand über den Haufen: Die Erzdiözese München habe ein Vermögen von mehreren Milliarden Euro, „da brauchen wir euer Geld nicht auch noch“, brummte Schießler. „Verwendet es lieber für eure Bürgerstiftung“. Einen Bitte hatte er allerdings: Eine Millibitsch’n, also eine der Milchkannen, in denen die Ehrenamtlichen die Spenden sammeln, würde er gerne mit nach München nehmen. Dieser Wunsch wurde ihm gerne erfüllt.

Und einen Tipp hatte Schießler noch für Bürgermeister Erhard: Er solle seine Veranstaltung in Zukunft doch „Scheinwerfer“ nennen, denn die Scheine werden dahin geworfen, wo sie gebraucht werden. Und auch die Böbinger und Gäste betätigten sich am Ende als Scheinwerfer – und zwar in die Millibitsch’n.

Anwesend waren auch viele Unterstützer der Stiftung, beispielsweise Fritz Lutzenberger, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Schongau, Alexander Schmitz, Noch-Vorstand bei der Sparkasse Oberland, Stiftungsbeauftragte Christine Schuster, Filialleiter Maximilian Bertl (beide Sparkasse Oberland), Ludwig Bergbauer, Vorstand Raiffeisenbank Steingaden sowie Gemeinde­pfarrer Josef Fegg.

spe

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