Bunt über Jahrhunderte

Die Geschichte des Schongauer Faschings

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So kennt man den Schongauer Fasching heute. Erstmals in der Stadtgeschichte erwähnt wurde das Treiben 1554, der Umzug 1897 stellte dann einige Superlativen auf. In den frühen 1950ern sorgten Faschingswagen für nachbarschaftliche Reibereien zwischen Schongau und Peiting.

Schongau – Parallel zur aktuellen Narren-Saison und bis zum 29. März zeigt das Stadtmuseum eine Ausstellung zur Geschichte des Schongauer Faschings. Die von Franz Grundner und Harald Scharrer von der Arbeitsgemeinschaft Stadtmuseum in Szene gesetzte Veranstaltung wurde bei der Eröffnung von Helmut Hunger, dem Faschingsprinz im Jahr 1971, in einjähriger Arbeit nicht nur mit kuratiert. Er führte die rund 60 Eröffnungsgäste auch selbst durch die Ausstellung.

Die Ausstellung beleuchtet das lokale Treiben und zeigt die Facetten des Schongauer Faschingsgeschehens und seiner Ursprünge. In der bunten Schau wird mit Bildern und Ausstellungsstücken aus der eigenen Sammlung, aber auch mit privaten Leihgaben das Vergnügen vor der Fastenzeit dargestellt.

Erste Erwähnung 1554

In der Stadtgeschichte wird der Fasching bereits 1554 erstmals erwähnt. Nur lustig ging es aber nicht immer zu. Im Jahr 1658 beispielsweise wurde auf kurfürstlichen Befehl die „Mascarade und die öffentlichen Fastennachtspiele“ verboten. Eine Anzeige im Schongauer Wochenblatt aus dem Jahr 1837 lässt aber den Schluss zu, dass seit mehr als 180 Jahren mit dem Schongauer Fasching die nach damaliger Benennung jährlichen Maskenumzüge verbunden sind.

Der einstmals größte Umzug dieser Art fand am 2. März 1897 statt. Aus dem ganzen heutigen Landkreis und darüber hinaus waren Schaulustige nach Schongau gekommen. Der aufwendig gestaltete Zug bewegte sich vom Lechtor durch alle Hauptstraßen und endete beim Stadttheater, dem heutigen Stadtmuseum. Im Theater fanden anschließend humoristische Vorstellungen statt.

Zwar begnügte man sich in den folgenden Jahren mit kleineren Umzügen, der Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 aber führte zum mehrjährigen Erliegen aller Feierlichkeiten. Erst 1920 lebte der Fasching langsam wieder auf und erlebte später in der Zeit des Nationalsozialismus als „Jubelfest der Volksgemeinschaft“ sogar einen Aufschwung.

Nachbarschafts-Clinch

Nach Kriegsende gab es bereits im Jahr 1947 wieder erste Faschingsaktivitäten in der Stadt. In dieser Zeit waren die Peitinger aber weitaus aktiver. Im Jahr 1950 präsentierte sich der Ort mit großen Faschingsbällen in der TSV-Halle und einem prächtigen Faschingszug, dessen Abschlusswagen mit dem Motiv „Schanghai (Schongau) schläft“ für reichlich Zündstoff auf der anderen Seite des Lechs sorgte. Schongau war darauf im schlafenden Zustand und vollkommen mit Brettern vernagelt dargestellt.

Den ein oder anderen Besucher dürfte beim Anblick der alten Prinzenpaarkostüme ein wenig Sehnsucht nach früheren Zeiten überkommen haben.

Bereits im Jahr darauf beim ersten Nachkriegsumzug in Schongau wollte man sich rächen. Auf gleich drei Motivwagen wurden peinliche Peitinger Ereignisse dargestellt. Das blieb den Nachbarn allerdings nicht verborgen. Etwa 40 Peitinger, unter ihnen auch Gemeindepolizisten in Zivil, entführten die Wagen in ihren Ort und hinterließen einigen Sachschaden. Die Schongauer wiederum wussten sich in dieser Situation zu helfen... Wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte sich die Sonderausstellung einmal selbst anschauen.

Denn nicht nur die Zeit bis Mitte des letzten Jahrhunderts, sondern auch die im Fokus der Veranstaltung stehenden Jahre 1962 – damals wurde die Schongauer Faschingsgesellschaft gegründet – bis 1982 erzählen viele unterhaltsame Geschichten.

Zum Beispiel war es erforderlich, dass die Prinzenpaare damals ledig sein mussten. Gerade in den ersten Jahren nach 1962 hatte dies zur Folge, dass annähernd aus jedem zweiten Prinzen- auch ein Ehepaar wurde. Helmut Hunger muss es wissen, wurde doch aus dem Prinzenpaar des Jahres 1971 Rosemarie Keller und ihm das Ehepaar Helmut und Rosemarie Hunger.

Auch Bürgermeister Falk Sluyterman war bei der Ausstellungseröffnung dabei. Er habe sich schon in jungen Jahren in seiner damaligen Heimatstadt Freiburg im Breisgau der fünften Jahreszeit sehr verbunden gefühlt. Dort wurde wie im gesamten südwestdeutschen Raum die alemannische Fasnacht gefeiert. Seitdem er in Schongau ist, hat er noch keinen Faschingsball der Kolpingfamilie versäumt und erst kurz vor seinem Besuch im Stadtmuseum die Karten für den diesjährigen Ball geordert, bevor diese vergriffen sind.

Übrigens muss man nicht unbedingt wie der Bürgermeister ausgewiesener Faschingsfan sein, um dieser Ausstellung viel Interessantes und vielleicht auch Lehrreiches abzugewinnen. Helmut Hunger kann sich durchaus mit dem Gedanken anfreunden, im Jahr 2022 weitere 20 Jahre Schongauer Faschingsgeschichte in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Stadtmuseum auszustellen.

mel

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