„Einfach menschlich“

Ausstellung zum Thema Sucht im Berufsschulzentrum Schongau

Einfach menschlich Sucht Ausstellung Schongau
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Weit verzweigt: Das Feld an Süchten ist groß, die Gelegenheiten ihnen nachzugeben können jedem begegnen.
  • VonRasso Schorer
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Schongau – Dass Sucht viele Facetten hat, zeigt die Ausstellung „EINFACH MENSCHLICH“ in der Mensa des Berufsschulzentrums (BSZ). Bin ich womöglich süchtig? Welche meiner Lebensumstände sorgen dafür, dass ich einer Sucht nahe bin? Gibt es in meinem Umfeld jemanden, der betroffen ist? Und wie sieht richtige, wie falsche Hilfe aus? Anstöße zu diesem inneren Dialog bieten sich vom 2. bis 20. Mai.

Es gehe darum, süchtiges Verhalten und den persönlichen Kontext zu erkennen, erklärte Freia von Hennigs bei der Eröffnung. Sie ist die Initiatorin und Betreuerin der Ausstellung, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommen will.

Denn sei süchtiges Verhalten etwas zutiefst menschliches. Die Tendenz, erst einmal auszuweichen, statt der Lösung auf den Grund zu gehen, wohne in jedem von uns. Eine Sucht sei solch ein Ausweichen, nämlich eine Antwort auf eine scheinbar nicht anders zu bewältigende Situation, auf die kleinen und großen Krisen. „Das Leben schließt diese Gefahr ein.“

Gestiegen sei das Risiko durch Corona – die Pandemie löste weitere Krisen aus. Die Nummer gegen Kummer, telefonische Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, habe während dieser Zeit 50 Prozent mehr Anrufe verzeichnet, schilderte von Hennigs. Die kindliche und jugendliche Reaktion bei Krisen sei seltener die Wut als viel häufiger der Rückzug.

Die Ausstellung komme bei den Menschen an, ist die Initiatorin überzeugt. „Sie ist spürbar wirksam“, verwies sie auf entsprechende Rückmeldungen. Stefan Schackmann, Direktor der unterstützenden AOK Garmisch-Partenkirchen, bestätigte das. Dreiviertel der Schüler der Berufsschule Garmisch-Partenkirchen gaben ihm zufolge an, sich durch den Besuch der Ausstellung mit sich und dem Thema beschäftigt zu haben. Alle dortigen Lehrer erklärten, das Verhalten ihrer Schüler besser einordnen zu können.

Dass das so ist, liege daran, dass die Ausstellung ein „Puzzle aus Erfahrungen ist“, schilderte von Hennigs. „Sie war mal eine Utopie von Menschen, die selbst von Süchten betroffen waren.“ Die Fachwelt sei sich sicher gewesen: „Das haltet Ihr eh nicht durch.“ Niemand habe an dieses Team geglaubt. „Wir haben trotzdem weitergemacht.“

Welch große Bedeutung die Ausstellung für das BSZ habe, verdeutlichte dessen Schulleiter Andreas Streinz: Suchtprävention sei eine wichtige Augabe, es gehe um das Vermitteln von Autonomie und Selbstkompetenz. Weil er hoffe, dass „bei unseren Schülern etwas davon hängen bleibt“.

Es gebe fast niemanden, der nicht selbst oder als sich Sorgender betroffen ist, zeigte sich Landrätin Andrea Jochner-Weiß überzeugt. „Es ist ein Projekt, das nicht aufhört, wenn es vorbei ist“, erklärte Schackmann. Eine Sucht sei ein erlerntes Verhalten, so von Hennigs, die ermunterte: „Man kann es auch wieder ablegen.“

Die Ausstellung ist Dienstag, 17. Mai, ab 17 Uhr auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich.

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