Sabrina Fichtl Beste bei IHK-Abschlussprüfung

Die IT-Karriere fest im Blick

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Sabrina Fichtl an ihrem Arbeitsplatz in der IT-Abteilung von Hoerbiger in Schongau. Hinter ihr steht ihr Ausbilder Gerhard Neubauer.

Schongau – Sie gilt immer noch als Männerdomäne. Wer als Frau in der Informationstechnologie-Branche arbeitet, fällt auf. Erst recht, wenn frau ihre Ausbildung als Beste in ganz Oberbayern abschließt. Dieses Kunststück ist der Bernbeurenerin Sabrina Fichtl gelungen. Darauf ausruhen will sich die Informatikkauffrau, die bei Hoerbiger in Schongau in die Lehre gegangen ist, aber nicht. Der nächste Schritt auf der Karriereleiter ist schon geplant.

Jüngst durfte Sabrina Fichtl das erleben, von dem viele Fußball-Fans träumen. In der Münchner Allianz-Arena lief sie wie die Profis auf dem Rasen ein. Allerdings trug die 22-Jährige kein Trikot und auch keine Fußballtreter, sondern ein schwarzes Kleid und dazu passendes Schuhwerk. Auf den Rängen applaudierten ihr keine bietrinkenden Fans, sondern ihr stolzer Ausbilder Gerhard Neubauer und ein weiterer Kollege. Der Einlauf war Teil des Rahmenprogramms, das die IHK für ihre Ehrung der 113 besten Auszubildenden in Oberbayern vorbereitet hatte. 

Dass sie nach drei Jahren Ausbildung zur Informatikkauffrau dort stehen würde, damit habe sie natürlich nicht gerechnet, sagt Fichtl bescheiden. Sie sitzt in einem Besprechungsraum der Hoerbiger Unternehmens-IT in Schongau. Ihr Arbeitsplatz ist nur wenige Meter entfernt. Ein typisches Großraumbüro, Arbeitsplatz an Arbeitsplatz, bestückt mit Monitoren und Telefonen. 22 Mitarbeiter beschäftigt die IT-Abteilung von Hoerbiger in Schongau. Nur drei davon sind Frauen.

„Die IT ist immer noch eine Männerdomäne“, sagt Gerhard Neubauer. Er verantwortet in der Abteilung seit vielen Jahren die Ausbildung. Eine wie Fichtl ist Neubauer in der Zeit jedoch noch nicht untergekommen. Gesamtnote 1,4, die beste mündliche Prüfung der vergangenen fünf Jahre, die Beste von 38 Prüflingen in ihrem Metier in ganz Oberbayern. „Sie ist die erste bei uns, die so etwas geschafft hat“, stellt der Ausbilder fest, der seine Bewunderung für diese Leistung nicht verhehlen mag. 

Bei der Ehrung der besten Auszubildenden in der Allianz-Arena erhielt Sabrina Fichtl ihre Urkunde von IHK-Präsident Eberhard Sasse und Reinhard Häckl, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Gremiums Landsberg-Weilheim-Schongau, überreicht.

Dabei wäre Fichtls Talent fast unentdeckt geblieben. Nach der Realschule in Schongau, die sie mit dem ebenfalls sehr guten Notenschnitt von 1,3 abschloss, entschied sich die Bernbeurenerin für eine Ausbildung zur Bürokauffrau, ein klassischer Frauenberuf. Doch als sie bei ihrem Arbeitgeber die Betreuung der Internetseite und der Datenbank übernahm, merkte Fichtl, dass ihr diese technische Aufgabe deutlich mehr zusagte. Sie beendete zwar ihre Lehre, bewarb sie sich danach aber bei Hoerbiger um einen Ausbildungsplatz als Informatikkauffrau – und wurde prompt genommen. 

Das war vor drei Jahren. Seitdem hat die 22-Jährige viele Einblicke in den international tätigen Konzern erhalten. Das Durchlaufen fachfremder Abteilungen gehört zur Ausbildung. Auch in der IT sammelte Fichtl in verschiedenen Bereichen Erfahrung. Das reichte vom User Support, also der Unterstützung der Anwender, über die Netzwerk- und Server-Infrastruktur sowie SAP bis hin zu IT Innovationen – eine Abteilung, die sich mit den Trends auf dem IT-Markt beschäftigt. 

Besonders angetan hat es der 22-Jährigen die Projektarbeit. Das zeigt sich schon an ihrem Azubi-Projekt, das heute noch eine wichtige Rolle im Unternehmen spielt. Fichtl war aufgefallen, dass Mitarbeiter jeweils einen eigenen Firmenwagen nutzten, um Termine an einem anderen Standort wahrzunehmen, obwohl sie zusammen hätten fahren können. Der Grund: Keiner wusste von den Reiseplänen des anderen. Also setzte sich Fichtl hin und programmierte eine Fahrgemeinschaftsplattform – Greentours war geboren. 

In vielen kleineren Projekten hat die Bernbeurenerin bislang die Leitung übernommen. Ihre starke Eigeninitiative und Zielstrebigkeit sei ungewöhnlich für eine Auszubildende, sagt ihr Ausbilder. „Sie weiß, was sie will.“ Das weiß die 22-Jährige tatsächlich. „Ich will weiterkommen, möglichst bald an den ganz großen Projekten mitwirken“, sagt sie forsch. 

Bei Hoerbiger hat man Fichtls Potential längst erkannt. Neben einem Vertrag bekam die Informatikkauffrau auch gleich die Zusage für die erste Schulung in München. Thema natürlich – Projektmanagement.

Christoph Peters

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