Peitinger Gemeinderat diskutiert Antrag der Grünen

Bäume in Bahnhofstraße fallen 

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Die Bahnhofsallee mit dem Bundeswehrareal (rechts). Die dortigen Bäume sollen wohl stehen bleiben, auch vor dem Bahnhof selbst. Diese Bäume habe man sogar im Bebauungsplan aufgenommen, so Jochen Rohrmoser. Auf der linken Straßenseite werden einige der Bäume fallen, vor allem im weiteren Verlauf der Straße.

Peiting – Nach einer guten Stunde durchaus emotionaler Diskussion stand das Urteil fest: Die Bäume in der Bahnhofsstraße werden für den geplanten Ausbau der Hauptverkehrsachse fallen. Die beiden grünen Gemeinderäte Thomas Brennauer und Thomas Elste scheiterten mit ihrem Antrag einer verän- derten Planung zum Schutz des Grüns und konnten lediglich einen weiteren Gemeinderat von ihrem Anliegen überzeugen. In den kommenden Jahren soll die Straße bis auf 6,5 Meter Breite ausgebaut werden, dazu kommt noch ein entsprechend breiter Geh- und Radweg.

Das Thema Bahnhofsstraße scheint die Bürger zu interessieren, jedenfalls, wenn man nach der Zahl der Zuhörer bei der jüngsten Gemeinderatssitzung geht. Kaum ein Platz war im Publikumsbereich mehr zu ergattern, als die Sitzung begann. Dafür leerte sich der Saal entsprechend schnell, als das Thema nach einer Stunde abgehandelt war und auch klar wurde, dass es keine Diskussion über den Ausbau und die Planungen dazu geben würde. 

Lediglich über den Antrag der Grünen, die Bäume nicht abzuholzen, wolle man reden, hatte Bürgermeister Asam im Vorfeld den Zuhörern schon angekündigt, ehe er Elste als Petenten das Wort gab, um es ihm im nächsten Atemzug wieder zu nehmen und den Ratskollegen auf das Schärfste zu rügen. Hatte dieser doch zugegeben, mit der Regierung von Oberbayern gesprochen zu haben, um Einblick in gewisse Sachverhalte zu bekommen.

Sichtlich verärgert verurteilte Asam dieses Vorgehen mit den Worten: „Wir fühlen uns als Verwaltung überprüft.“ Um nachzulegen, dass man so was nicht mache. Man habe „ausführlich hier am Tisch“ über die Planungen, die nun in Zweifel gezogen wurden, diskutiert, so Asam. „So kann man nicht miteinander arbeiten“, wetterte der Rathauschef erzürnt, wobei der Eindruck entstand, Asam habe zuvor schon Kenntnis von Elstes Vorgehen gehabt. 

Elste fuhr fort, man habe lediglich nach Alternativen zum Umschneiden der Bäume gesucht, die in den 1960er Jahren gepflanzt worden waren.

Diese müssen weichen, weil diese „Hauptverkehrsachse“, wie Asam sie nannte, dem Verkehrsaufkommen entsprechend ausgebaut werden soll. Rund 6 500 Fahrzeuge würden diese Straße täglich nutzen, so Herwig Skalitza. 

Die genannten 6,50 Meter Breite seien nötig, so Marktbaumeister Jochen Rohrmoser, um einen problemlosen Begegnungsverkehr von Linienbussen, Lieferfahrzeugen und den immer breiter werdenden landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen zu gewährleisten. Man folge nur den Richtlinien, rechtfertigte Rohrmoser – und darin seien die Fahrzeuge aktuell mit bis zu drei Metern Breite veranschlagt. Man müsse die Bäume nicht nur wegen des geplanten Gehweges fällen, so Rohrmoser. Im Hinblick auf die Regierung von Oberbayern, erklärte er weiter, würden die eingeplanten Fördermittel schlicht gestrichen und nicht ausgezahlt, wenn man die Planungen nun ändere.

Bürgermeister Asam ergänzte, dass es ein Unding sei, einen Gehweg umzuleiten, nur um Bäume zu erhalten. „Bei aller Liebe“, begann Asam, „wir reden hier über eine der Hauptverkehrsachsen Peitings“. Es gehe hier um die Weiterentwicklung des Ortes. „Das ist weit weg von jeder Realität“, schimpfte Asam. Elste hatte nämlich vorgeschlagen, den Gehweg nicht parallel zur Straße zu führen. 

In der Folge demonstrierten die anwesenden Räte eine gewisse Einigkeit, indem fast alle die schon genannten Argumente mehrfach wiederholten.

Allein Alfred Jocher erkannte positive Ansätze im Antrag seiner Gemeinderatskollegen. Außerdem merkte er an, dass beide erst seit einem Jahr dem Gemeinderat angehörten und deshalb eben auch Fehler machen könnten. Weiterhin hinterfragte er, ob man die Durchgängigkeit auf gleicher Breite überhaupt benötigte. Dabei erinnerte an das Vorgehen von vor etwa 30 Jahren, als man die Bäume in der Lorystraße einfach gefällt hatte, um sie für Agfa verbreitern zu können. Die Lorystraße sei nun eine Rennstrecke und der Gehweg werde kaum genutzt, so Jocher. Damit beantwortete er seine Frage mit einem klaren „Nein“ und fügte an, dass man die Verkehrsberuhigung als eine Chance sehen könnte.

Man müsse hier vielmehr abwägen, konterte Fraktionskollege Herbert Salzmann: die Bäume fällen oder die Verkehrssicherheit der Fußgänger und Verkehrsteilnehmer. Und sollten die Fördermittel wegfallen, könnten den Anliegern die Kosten des Ausbaus in voller Höhe in Rechnung gestellt werden. 

Mit nur drei Stimmen für den Antrag der Grünen wurde er von den Gemeinderäten abgelehnt.

Von Oliver Sommer

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