Mit Bagger und Presslufthammer

Mit einem Bagger kämpfen sich die Mitarbeiter des Schongauer Bestattungsunternehmens Echter durch die gefrorene Erde auf dem Waldfriedhof Schongau. Foto: Peters

Es war eine der längsten Kälteperioden der vergangenen Jahre. Wochenlang hatte der Winter Deutschland fest im Griff. Das Thermometer zeigte dauerhaft zweistellige Minusgrade. Erst in dieser Woche kletterten die Temperaturen seit langem wieder über den Gefrierpunkt. Die sibirische Kälte machte nicht nur den Autofahrern zu schaffen, deren Fahrzeuge reihenweise liegenblieben. Auch auf den Friedhöfen kämpft man mit dem Dauerfrost, der den Boden in Beton verwandelt hat. Ein Grab ausheben dauert da schnell mehrere Stunden.

Ernst Morasch und seine beiden Kollegen sind ein eingespieltes Team. Ihre Aufgabe ist täglich gleich. Für das Schongauer Bestattungsunternehmen Echter heben sie neue Gräber auf den Friedhöfen in der Region aus, öffnen bestehende und schließen sie wieder, wenn die Särge nach der Beerdigung ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Bis zu 2,10 Meter tief gräbt das Team dabei, und wer schon einmal im Garten ein Loch gebuddelt hat, weiß, wie beschwerlich ein solches Unterfangen mit der Schaufel ist. Längst hat daher auch am Friedhof moderne Technik Einzug gehalten, ein kleiner Bagger übernimmt die Erdbewegungen. Nur dort, wo dieser nicht hinkommt, müssen Morasch und seine Kollegen noch selbst Hand anlegen. Doch es gibt Situationen, da reicht selbst die Kraft des Baggers nicht mehr aus. Nämlich dann, wenn der Boden wie jetzt durch Frost hart ist wie Beton. Bis zu 40 Zentimeter tief sei die Erde in diesem Winter durchgefroren, erklärt Manfred Echter, Juniorchef des Bestattungsunternehmens. Was bei reiner Graberde noch kein großes Problem darstelle, da diese relativ locker sei, könne gerade im Bereich der Kieswege zu einem unüberwindbaren Hindernis werden. „Der Bagger kommt da nicht mehr durch“, erläutert Echter. Dann wird es laut auf dem Friedhof. Denn dann müssen Morasch und sein Team zu stärkeren Mitteln greifen. Mit einem Presslufthammer wird die oberste Erdschicht gelöst, erst danach kann der Bagger den Rest erledigen. Wie lang die Arbeit an einem Grab dauert, lasse sich nicht genau sagen, erklärt Echter. „Jedes Grab ist unterschiedlich beschaffen. Mal reicht eine Stunde, ein anderes Mal können acht Stunden vergehen, bis wir tief genug sind.“ Dass der Boden in diesem Winter ungewöhnlich tief gefroren ist, liegt laut Echter jedoch nicht nur an den niedrigen Temperaturen. „Wir haben lange keine Schneedecke gehabt, die den Boden isoliert. Dadurch friert der Boden richtig durch.“ Dass es mittlerweile geschneit hat, ist für ihn allerdings alles andere als eine gute Nachricht. Zum einen müssen seine Mitarbeiter den Schnee vor Beginn der Arbeit wegräumen, zum anderen isoliert er den Boden vor den steigenden Temperaturen und verhindert so das Auftauen. „All das kostet Zeit.“ Und Arbeit hat das Bestattungsunternehmen auch so schon genug. Allein auf dem Stadt- und dem Waldfriedhof Schongau fanden im Januar und Februar acht Erd- und sieben Urnenbestattungen statt. „Im Schnitt haben wir 120 Bestattungen pro Jahr“, sagt Reinhold Jaser von der Stadtverwaltung. Morasch sieht die widrigen Witterungsbedingungen indes gelassen. „Ich habe zwölf Jahre bei der Müllabfuhr gearbeitet, da sind die Temperaturen jetzt schon fast Hochsommer“, scherzt der 47-Jährige.

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