Bahnhofstraßenausbau

Teer-Entsorgung kostet 107.000 Euro extra

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An der Bahnhofstraße wird fleißig gearbeitet: Handwerker einer Schongauer Tiefbaufirma sind ebenso vor Ort wie Kollegen aus dem Ostallgäu, die eine Gasleitung einziehen.

Peiting – Mehrkosten von 107.000 Euro entstehen, weil beim zweiten Bauabschnitt an der Bahnhofstraße entgegen einer Beprobung vor der Ausschreibung nahezu das gesamten Material mit Teerhaltigem Material belastet ist und damit teuer entsorgt werden muss. Dabei ist der Straßenabschnitt grad mal 200 Meter lang; er reicht von der Rückseite beim Bäcker Sesar nach Osten bis zum Autohaus Rieser.

Bei der Beprobung des Asphaltaufbruches wurde festgestellt, dass das gesamte Material an der Bahnhofstraße einen PAK-Gehalt von höher als 1000 Milligramm je Kilo aufweist. Zuvor war im Leistungsverzeichnis lediglich eine Menge von 50 Tonnen an teerhaltigem Aufbruch vorgesehen. Weil jedoch der gesamte Aufbruch zirka 1000 Tonnen entsprechend belastet ist, ergibt sich eine Mehrung bei dieser Position um 950 Tonnen.

Zum Stichwort PAK: Teer enthält in ganz unterschiedlichen Mengen Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phenole, die krebserregend sind. In Deutschland ist die Verwendung im Straßenbau seit Mitte der achtziger Jahre verboten. Festgeschrieben ist dieser Sachverhalt in einer technischen Bestimmung für Gefahrstoffe.

Äußerlich unterscheiden sich die beiden Stoffe geringfügig durch Geruch und Aussehen. Bitumen ist fast geruchslos und schwarz gefärbt. Teer dagegen riecht leicht süßlich und besitzt eine leichte Braunfärbung. Werden Straßenbeläge ausgebaut,  müssen sie wie jetzt im aktuellen Fall in Peiting untersucht werden. Sie müssen entweder entsorgt oder mit einem geeigneten Verfahren in der Baumaßnahme recycelt werden.

Peitings Tiefbaureferent Gerhard Habersetzer sagte, früher sei teerhaltiges Material häufig eingebaut worden – zum Beispiel bei Bundesstraßen. Bei einer Verwendung müsse ausgeschlossen sein, dass Wasser mit dem Material in Verbindung kommt und Stoffe ausgeschwemmt werden.

Mehrkosten nicht auf die Anlieger umlegen

Stefan Kort, der Geschäftsleiter im Peitinger Rathaus, weist im Gespräch mit dem Kreisboten darauf hin, dass diese Entsorgungskosten des belasteten Materials nicht auf die Anlieger im Rahmen des Straßenausbaubeitrages umgelegt werden. Sie würden vielmehr aus allgemeinen Haushaltsmitteln bestritten.

Kämmerer Christian Hollrieder erklärte dazu im Gemeinderat, der Mehraufwand werde ebenfalls über den Geschäftsbesorgungsvertrag abgedeckt, den die Gemeinde mit einem Finanzdienstleister geschlossen hat, um die millionenschweren Investitionen an der Bahnhofstraße samt früherem Bundeswehrareal zu stemmen.

Johannes Jais

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