Bauausschuss gibt Einbahnstraßen in der Schongauer Altstadt frei

Legal in die verkehrte Richtung

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Wer mit dem Fahrrad in der Altstadt fährt, hat künftig mehr Frehieten. Blau markiert sind all jene Einbahnstraßen, die Radfahrer bald in beide Richtungen nutzen dürfen.

Schongau – Seit 2000 können Einbahnstraßen für Fahrradfahrer freigegeben werden. Viele Städte haben von dieser Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht. Jetzt zieht Schongau nach. Auf Antrag zweier Privatpersonen hat der Bauausschuss das Radeln entgegen der Einbahnstraße in der Altstadt großteils erlaubt – entgegen dem Rat von Verwaltung und Polizei.

Altstädte haben eines gemeinsam. Sie sind verwinkelt, ihre Straßen und Gassen oft schmal und eng. Auch Schongau bildet da keine Ausnahme. Um Autofahrern ein Durchkommen zu ermöglichen, sind fast alle Straßen nur in eine Richtung zu befahren. Das bringt mit sich, dass nicht jedes Ziel in der Altstadt auf direktem Weg zu erreichen ist, außer man ist zu Fuß unterwegs. Denn auch Radfahrer müssen sich an die geltende Straßenverkehrsordnung halten und die gleichen Umwege wie die Autofahrer in Kauf nehmen. 

Das kleine Schild, dass es Radfahrern erlauben würde, Einbahnstraßen auch in der anderen Richtung zu befahren, suchte man bislang vergeblich. Für Heide-Maria Krauthauf und Brigitte Lutzenberger ein Ärgernis, weshalb sich die beiden passionierten Radfahrerinnen an die Stadt wandten und für eine Freigabe der Einbahnstraßen plädierten. Mit Erfolg: In seiner jüngsten Sitzung folgte der Bauausschuss der Bitte. 

Bis zur Entscheidung war es allerdings ein mühsamer Weg. Das lag vor allem daran, dass die Verwaltung sich vehement dagegen aussprach, an der bisherigen Regelung etwas zu ändern. Der zuständige städtische Mitarbeiter Martin Kessler berief sich zum einen auf eine Ortsbesichtigung mit der Polizei, bei der Sicherheitsbedenken geäußert worden seien. Zum anderen würden die nötigen Schilder den ohnehin schon üppigen Schilderwald in der Altstadt noch erweitern. 

Ohnehin erkannte Kessler den Nutzen einer Freigabe der Einbahnstraßen nicht. Man könne doch schließlich alle Ziele in der Altstadt ohne große Umwege erreichen. 

Das sahen die Stadträte allerdings ganz anders. Ilona Böse (SPD) etwa begrüßte den Antrag. Stephan Hild (UWV) hielt ihn für „nachvollziehbar“, zumal er „nur das legalisiere, was ohnehin schon gemacht werde. „Das ist seit Jahren Praxis.“ Ähnlich sahen es auch Michael Eberle (CSU) und Bürgermeister Falk Sluyterman, der zudem darauf verwies, dass dies in anderen Städten auch funktioniere.

Für Siegfried Müller (ALS) war der Antrag Wasser auf den Mühlen. „Ich habe das schon 1990 gefordert“, betonte er und forderte: „Wir müssen den umweltfreundlichen Verkehr stärker fördern.“ Wenn er die Bedenken von Verwaltung und Polizei höre, klagte Müller, dann sehe man aber mal wieder, dass „Fußgänger und Radfahrer in Schongau keine Lobby haben.“ 

Unterstützung erhielt er von seiner ALS-Kollegin Bettina Buresch. „Ich glaube nicht, dass es zu grauenhaften Unfällen dadurch kommt. Die Änderung würde vielmehr zu mehr Rücksichtnahme führen.“ Allerdings: An einigen Stellen teilte manch Stadtrat die Sicherheitsbedenken Kesslers. So gab Paul Huber (CSU) zu, selbst oft vom Frauentor bis zur Löwenstraße zu fahren. Bis dahin halte er die Strecke durchaus für fahrbar. 

Bei den folgenden Schrägparkplätzen in der Christophstraße habe er aber ein mulmiges Gefühl. Ähnlich stelle sich die Situation in der Bauerngasse dar, zumal dort laut Kessler täglich bis zu 120 Busse durchfahren. Zu schmal in den Augen der Gremiumsmitglieder für entgegenkommende Radfahrer ist auch die Friedhofstraße. Alle drei Strecken bleiben auch in Zukunft Tabu für Radfahrer entgegen der Einbahnstraße genau wie auch die Lechtorstraße zwischen Marienplatz und Christophstraße (gefährliche Kurve). 

Freigegeben wurden der Teil der Christophstraße vom Frauentor bis zur Löwenstraße, die ebenfalls in Zukunft von Radfahrern in beide Richtungen genutzt werden kann – die wohl meist genutzte Verbindung, wie die Stadträte feststellten. Ebenfalls für eine Öffnung entschied sich das Gremium bei Liedl-, Wasser-, Karmeliter-, Ballenhaus-, Kanzlei-, Rentamt-, Dominikus-Zimmermann-, Kirchen- und Amtsgerichtstraße. 

Bevor die entsprechenden Schilder aufgehängt werden, wird besonders in den engeren Straßen noch einmal nachgemessen. Mindestens drei Meter Breite schreibt die Straßenverkehrsordnung laut Kessler für eine Freigabe vor. „Das werden wir deshalb überprüfen.“

Christoph Peters

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