"Peiting blüht auf"

Peitinger Bienenretter gesucht

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Die Peitinger Bauernschaft um Andreas Barnsteiner, Reinhard Kees, Silvia Schlögel, Josef Sellmaier, Stefanie Wörnzhofer (v. links) und Dominikus Häuserer (rechts) sowie Bauhof-Chef Tim Osterhaus (2. v. rechts) geben sich gespannt darauf, wie tatkräftig sich die Bürgerschaft für aktiven Artenerhalt vor der eigenen Haustür einsetzen wird.

Peiting – Das Volksbegehren Artenvielfalt war erfolgreich. Eine Rekordzahl an Bayern trug sich in die Listen ein (mehr dazu auf der Titelseite des Schongauer Samstag-Kreisboten und hier). Allein in Peiting setzten 1.930 Bürger ihre entsprechende Unterschrift. Dazu, nicht nur zum Kugelschreiber zu greifen, sondern gleich selbst zu pflanzen, jäten und pflegen, rufen die BBV-Ortsverbände (Bayerischer Bauernverband) Peiting und Birkland auf.

„Peiting blüht auf“ lautet das Motto der Aktion. Bereits im Jahr 2011 hatte das Aktionsbündnis Aktive Ortsmitte gemeinsam mit Bauhof und Grundstücksbesitzern dazu beitragen wollen, die Ortseingänge zum Blühen – und damit auch Summen und Brummen – zu bringen. Ähnlich, aber mit etwas anderer Idee, geht nun die BBV-Ortsvorstandschaft das Thema an.

„Der Fokus auf die Artenvielfalt ist gerade groß“, weiß Gemeinderat Andreas Barnsteiner. „Ich werde oft aufs Volksbegehren angesprochen und die Unterschriftenzahlen belegen, dass das Interesse an unserer Aktion ja groß sein müsste“, schätzt Bäuerin Silvia Schlögel ein. Und: „Genau jetzt kann man die Leute in die Pflicht nehmen.“ Denn eben das ist das Ziel von „Peiting blüht auf“.

Ein Infoabend am 11. März um 20 Uhr in der Schloßberghalle bildet den Auftakt eines langlebig angelegten Projekts. Floristin, Gärtnerin und Imkerin Nicole Hechenrieder erklärt dort, welche Pflanzen überhaupt geeignet sind, um Insekten eine Freude zu machen. „Die Geranien auf dem Balkon sind es nämlich nicht“, weiß Schlögel.

„Wir stuhlen in der Schloßberg­halle voll auf“, geht sie davon aus, dass eine Vielzahl derer, die im Rathaus ihre Unterschrift geleistet haben, der Einladung folgen. Im eigenen Garten etwas zu tun, sei die Devise.

Aktionstag 4. Mai

Selbst mit anpacken sollen die Peitinger dann auch am 4. Mai – und darüber hinaus. „Vereine, Privatleute, die ganze Bevölkerung ist eingeladen“, schildert die zweite Ortsbäuerin Stefanie Wörnzhofer. „Mit lustig Samen-Verstreuen ist es aber nicht getan“, sagt Schlögel. Denn der BBV sucht Bürger, die zuerst dabei mithelfen, Blühflächen anzulegen – und diese dann über einen längeren Zeitraum hinweg auch zu pflegen.

Die Idee ist folgende: Bauern und Gemeinde stellen Grund zur Verfügung, der für Blühstreifen infrage kommt. Die Bevölkerung bringt ihre Arbeitskraft ein. Die Gemeinde nimmt ferner zweckgebundene Spenden entgegen, legt Listen aus, in denen sich Freiwillige eintragen können; am Bauhof werden Samenpäckchen für den heimischen Garten verkauft. Auch die hiesigen Banken haben ihre Unterstützung zugesichert. Schlögel, Wörnzhofer und die erste Ortsbäuerin Martina Prielmeier koordinieren die Aktion.

„Jetzt ist die Euphorie fürs Thema da“, schätzt Schlögel die Situation ein. Dass das nicht immer so war, daran erinnert sich Wörnzhofer. Als es darum ging, rund um Strommasten Blühflächen anzulegen, „hat das die Leute nicht interessiert“.

"Machen es nicht alleine"

Doch Interesse wird diesmal vonnöten sein. „Am Aktionstag, dem 4. Mai, helfen wir Bauern schon mit“, erklärt Schlögel. „Allein machen wir es aber nicht.“ Teamwork zwischen interessiertem Bürger und Landwirt sei gefragt. Dabei lasse es sich auch gut ins Gespräch kommen und gegenseitiges Verständnis schaffen, lautet die Hoffnung. War der BBV doch einer der lautesten Widersacher des Volksbegehrens.

Über mehr Umsicht seitens Teilen der Bevölkerung würde sich Bauhof-Chef Tim Osterhaus freuen. Die Bürger unterschrieben zur Bienen-Rettung, „sobald auf der Liegewiese im Schwimmbad etwas blüht und Bienen fliegen, wird das dann aber als Gefahr wahrgenommen“. In der Gärten sei die pflegeleichte Stein- und Asphaltlandschaft der Favorit, während der Mähroboter den Rasen akkurat kurz hält. Und: „Es kommt schon mal vor, dass wir zum Beispiel Sonnenblumen in Blühstreifen einsetzen, die dann ausgebuddelt und mitgenommen werden.“

Derlei Dreistigkeiten sollen künftig auch durch aufgestellte Infotafeln reduziert werden. „Manche Leute denken sich da auch einfach nichts dabei“, glaubt Osterhaus, während Schlögel erzählt, dass ihre Blühstreifen immer wieder von ungebetenen Besuchern aufgesucht werden, die damit die Vase auf dem heimischen Tisch bestücken.

Dialog und Miteinander

„Wenn ich Kinder zu Hofführungen da habe, muss ich manchmal bei Adam und Eva anfangen“, erkennt auch Barnsteiner, dass sich der Otto-Normal-Verbraucher zusehends von der Landwirtschaft entferne. Da helfe nur der Dialog – wie es zuletzt auch schon der Landfrauentag in den Vordergrund rückte.

„Genau deswegen will ‚Peiting blüht auf‘ eben nicht, dass Bürger für eine Flächen-Patenschaft bezahlen und wir Bauern die Arbeit übernehmen“, sagt Schlögel. „Die Blühflächen erfordern viel Pflege, vor allem im ersten Jahr.“ Die Peitinger seien vielmehr eingeladen, ihrem Bekenntnis – dem Namen auf der Volksbegehren-Unterschriftenliste im Rathaus – auch Taten folgen zu lassen.

ras

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