Bäuerliche Landwirtschaft – Garant für gesunde Lebensmittel und zufriedene Verbraucher?

Bauern sollten mehr zusammenhalten

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Politische Gäste auf dem Hof der Familie Lüdemann. 2. v. li.: Gabriela Seitz-Hoffmann, daneben Landesvorsitzender Dieter Janecek mit Wolfram und Maria Lüdemann und weiteren Besuchern.

Wildsteig – „Die Franzosen geben ihr Geld für Essen aus, wir Deutschen für die Küchen.“ Mit diesen Worten leitete der Landesvorsitzende der Grünen, Dieter Janecek, ein Treffen der besonderen Art ein. Denn hochrangige Grünen-Politiker, darunter die Stimmkreiskandidatin für die kommende Bundestagswahl, Gabriela Seitz-Hoffmann, und der für die Landtagswahl antretende Alfred Honisch, hatten sich in den südlichsten Fleck des Landkreises Weilheim-Schongau begeben, um mit Landwirten und Verbrauchern zu diskutieren. 

Knapp 30 Personen trafen sich am Freitagabend im Gasthof Hirsch im kleinen Weiler Peustelsau, der dem Gebiet von Wildsteig angegliedert ist. Das Thema, über das im Verlaufe des Abends teilweise sehr heftig und emotional diskutiert wurde, lautete: „Bäuerliche Landwirtschaft – Garant für gesunde Lebensmittel und zufriedene Verbraucher?“ Ein, wie sich rasch zeigte, sehr konfliktgeladenes Thema. Denn in der Landwirtschaft – auch nicht in der so genannten „biologischen“ – ist seit langem nicht mehr alles „in Butter“. Der abendlichen Diskussion vorausgegangen war am Nachmittag ein Besuch auf dem Demeter-Bauernhof von Maria Lüdemann. Die Lüdemanns haben der konventionellen Landwirtschaft schon lange den Rücken gekehrt und wirtschaften nach strengen biologischen Vorgaben. Großen Wert legt man auf dem ebenfalls im Gemeindegebiet Wildsteig befindlichen Hof darauf, dass rund 90 Prozent aller benötigten Produktions- und Futtermittel selbst hergestellt werden. Somit ist sicher, dass die Lüdemanns wissen, was sie ihren Tieren letztendlich verfüttern. Ausdrücklich sprach sich Maria Lüdemann gegen das in der Landwirtschaft einhergehende Prinzip „Wachsen oder Weichen“ aus. „Statt besserer Qualität wird immer mehr produziert. Ich appelliere an die Bauern, nicht immer noch weiter zu wachsen, sondern auf höhere Qualität zu bauen. Das ist sonst ein Rattenschwanz“, sagte die Öko-Bäuerin.

Zum Runden Tisch war auch Michael Sendl, der Eigentümer des Weilheimer Biomarktes „Biomichl“, geladen. Sendl betreibt selbst „nebenbei“ einen 70-Hektar-Betrieb in Peißenberg und weiß, wie es um die Landwirtschaft steht. „Vorzeigebetriebe für den ökologischen Landbau sind nicht immer vorbildlich. Ich kenne Heumilchbetriebe, die füttern ihre Kühe mit Graskops, die durch das Verbrennen von Schweröl getrocknet und hergestellt wurden“, gab Michael Sendl zu bedenken. Vor 33 Jahren begann Sendl seine Produkte selbst zu vermarkten. Rasch wuchs dieser Zweig an. Heute verkauft er Bio-Produkte auf rund 500 Quadratmetern Verkaufsfläche. 

Im Verlaufe des Abends entwickelte sich eine teils fruchtbare, teils kontroverse und sehr emotional geführte Diskussion, die unter anderem zeigte, wie vielschichtig und umstritten das Thema Landwirtschaft ist. Denn neben der konventionellen Landwirtschaft, die nicht nach den strengen ökologischen Maßstäben wirtschaftet, haben auch die Bauern untereinander verschiedene Auffassungen, wie ein Betrieb zu führen ist. „Die Bauern dividieren sich derzeit. Sie sollten mehr zusammenhalten!“ postulierte eine anwesende Landwirtin. Gleichzeitig wandte sie ein, dass nicht einmal der Biomilchpreis kostendeckend ist. 

Überhaupt wurde die starke Stellung der Verbrauchermärkte kritisiert. Der Misere Abhilfe schaffen könnte der Verbraucher selbst, der vermehrt auf hochwertige regionale Produkte setzt. Doch die Anwesenden waren sich einig, dass in Sachen Verbraucher noch viel Aufklärungsarbeit notwendig ist. Die Grünenpolitiker jedenfalls, die sich an diesem Abend einer teils zornigen Basis und kritischen Landwirten gestellt hatten, hörten deutlich, woran es derzeit mangelt und kündigten an, dies nach Hause mitzunehmen.  

Von Anton Jungwirth

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