Auerbergkirche bis Oktober gesperrt

Baufälliges Wahrzeichen

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Eingezäuntes Wahrzeichen: Die Auerbergkirche bleibt bis Oktober gesperrt.

Bernbeuren – Wer spontan die Hochzeitsglocken läuten lassen will, muss bei der Suche nach dem Schauplatz derzeit eine der beliebtesten Kulissen des Landkreises aus der Auswahl streichen: St. Georg, die Filialkirche auf dem Auerberg und eines der Wahrzeichen der Region, ist bis Oktober gesperrt. Grund sind umfangreiche Renovierungsarbeiten. Denn mittlerweile offenbart die Statik des jahrhundertealten Gotteshauses einige Schwachstellen. Auf die Pfarrgemeinde kommen beträchtliche Ausgaben zu.

Rund zwei Jahre ist es her, dass ein Kemptener Statikbüro die Auerbergkirche einer genauen Standsicherheitsprüfung unterzog. Die Fachleute schauten sich ein ganzes Jahr lang um, dann stand ihre lange Mängelliste fest, die ein weiteres Gutachten im vergangenen Dezember bestätigte. Die wichtigsten Erkenntnisse: Der Turm braucht neue Träger, die äußeren Balkenauflager der Empore sind schwer beschädigt, der Randbereich der Holzkassettendecke leidet unter Feuchtigkeit, das Dachgebälk über dem Chor ist bereits leicht abgesackt und das Holz des Dachstuhl fault.

Großer Handlungsbedarf

„Vor allem dadurch bestand unbedingt Handlungsbedarf“, erklärt Kirchenpfleger Wendelin Schleich. Ein Drittel des Daches sei für die notwendigen Arbeiten abzudecken gewesen. „Die alten Platten gibt es aber nicht mehr“, weshalb der Entschluss fiel, St. Georg gleich komplett neu einzudecken. „Und wenn das Gerüst schon einmal steht, kann man außen gleich streichen“, so Streich.

Seit Anfang Mai ist die Kirche für Besucher gesperrt, als erste Maßnahme stand die Trockenlegung an. „Das Fundament ist feucht“, gibt der Kirchenpfleger an. Neu aufgetragener Sperrputz und eine abdichtende Ton- und Lehmpackung sollen nach dem Ausbaggern vor weiteren Schäden schützen.

Danach folgte jüngst das Aufstellen des Gerüsts. Eigentlich war der Start hierfür schon für die Zeit unmittelbar nach dem Georgiritt Ende April geplant, doch das widrige Wetter verhinderte einen reibungslosen Auftakt der Arbeiten. Geht es nach Schleich, sollen weitere Verzögerungen vermieden werden. „Wir wollen nächstes Jahr nicht nochmal anfangen müssen“, hofft der Kirchenpfleger. „Allein schon aus Rücksicht auf den Gastro-Betrieb und die vielen Hochzeiten.“ Ab Oktober solle St. Georg wieder in altem Glanz auf dem Auerberg thronen – und das nach Möglichkeit nicht nur nach außen hin.

Erst außen, dann nach Möglichkeit innen

„Innen wäre ein Anstrich wünschenswert“, findet Schleich, der sich auch Ausbesserungen an der Ausstattung wünscht. Voraussetzung dafür: Im Zuge der Außenrenovierungen dürften sich keine weiteren Kostenfresser auftun. Hier ist der Kirchenpfleger zuversichtlich, die Aufträge an Zimmerer, Baumeister, Maler und Gerästbauer, die einen beträchtlichen Batzen verschlängen, seien bereits erteilt.

Mit 590 000 Euro, die für die Außenrenovierung insgesamt aufzubringen sind, rechnen Pfarrer Joachim Schnitzer und die Kirchenverwaltung Bernbeu­ren. Allein 260 000 Euro für Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten. Über die Hälfte des Geldes stammt von der Diözese Augsburg, sie beteiligt sich mit 354 000 Euro. 35 000 Euro schießt die Gemeinde Bernbeuren zu, Rettenbach ist mit 1 500, Stötten mit 2 000 Euro vertreten. Mit weiteren 5 000 Euro bringt sich die private Augsburger Viermetz-Stiftung ein.

Enorme Aufgabe

„Bleiben noch 192 500 Euro übrig“, rechnet Schleich vor. Er verfolgt gespannt, wie erfolgreich die noch offenen Zuschuss­anträge in den nächsten Wochen durch die Gremien wandern. Denn ein paar Eisen sind noch im Feuer: „Die haben ein Volumen von 70 000 Euro“, so der Kirchenpfleger. „Wenn davon die Hälfte bewilligt wird, passt‘s.“ Abhängig ist das vom Wohlwollen des Bezirks Oberbayern, der Bayerischen Landesstiftung, des Landesamts für Denkmalpflege und des Landkreises.

Das restliche Geld wird die Katholische Kirchenstiftung Bernbeuren aus Eigenmitteln bestreiten müssen. „Eine enorme Herausforderung“, so Pfarrer Schnitzer, der auf zahlreiche Spenden hofft. „Damit die Auerbergkirche bis zum Ende des Jahres wieder für alle zugänglich wird, bitten wir um großzügige Unterstützung.“

Rasso Schorer

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