Wo ein Wärmenetz Sinn macht

Baugebiete in Peiting und das Thema Energie

Zwei Mehrfamilienhäuser, die an der Münchener Straße in Peiting errichtet werden
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Zwei Mehrfamilienhäuser, die an der Münchener Straße errichtet werden. In einem Neubaugebiet macht ein Nahwärmenetz nur dann Sinn, wenn zusätzlich zu einzelnen Häusern auch Wohnanlagen oder Gebäude wie Schulen oder Kindergärten versorgt werden können.

Peiting – Ob es sinnvoll ist, ein Neubaugebiet mit einem zentralen Wärmenetz zu versehen: Das war eine von vielen Fragen, zu denen Andreas Scharli von der Energiewende Oberland (EWO) aus Penzberg im Peitinger Marktgemeinderat Stellung nahm. Eine eindeutige Antwort darauf gibt‘s nicht. Es komme immer auf den Einzelfall an, so der Energiemanager der EWO.

Die Energiewende Oberland wurde 2005 aus der Taufe gehoben, ihr gehören die vier Landkreise Weilheim-Schongau (seit 2012 dabei), Garmisch-Partenkirchen (seit 2017) sowie Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach (seit der Gründung) an. Auch sind die meisten Gemeinden im Oberland mit im Boot. Die EWO bietet damit fachlichen Rat in einem Gebiet, wo 440.000 Menschen zu Hause sind.

In Peiting war es der Wunsch mehrerer Gemeinderäte, sich intensiv mit der Energieversorgung auseinanderzusetzen. Hintergrund ist, dass mehrere Baugebiete erschlossen werden. Die neueste Fläche, die dafür ausgewiesen werden soll, ist ein Streifen zwischen Zugspitzstraße und Bergwerkstraße südlich der bestehenden Bebauung.

Ob ein Nahwärmenetz für ein Neubaugebiet Sinn mache, hänge immer von den Gegebenheiten vor Ort ab, erklärte Andreas Scharli in der Runde der Marktgemeinderäte. Wirtschaftlich sei es dann angeraten, wenn größere Abnehmer in der Nähe seien. Das könnten Gebäude wie Tagesstätten oder Schulen, aber auch Mehrfamilienhäuser sein. Zu bedenken sei bei dem Thema, dass Einfamilienhäuser heutzutage hohe Standards erfüllen und im Vergleich zu früher nur wenig Energie verbrauchen.

Eine andere Variante seien Kaltwärmenetze, wo Energie zentral über Erdsonden gefördert und dann zu den Häusern verteilt wird. Diese Versorgung möchte z.B. die Gemeinde Fuchstal im Nachbarlandkreis Landsberg bei einem Neubaugebiet mit 14 Häusern in der Ortschaft Seestall umsetzen.

Ein Hinweis des Energiemanagers der EWO war, bei aller Konzentration auf das Thema Wärmenetz keinesfalls die anderen Facetten der Energieerzeugung und des Energieverbrauchs außer Acht zu lassen. Als Stichwörter nannte er Windkraft, Wasserkraft und andere Module.

Abwärme nutzen

Thomas Elste (Grüne) sprach an, dass im Gewerbegebiet im Südosten in Betrieben große Mengen an Abwärme anfallen würden. Diese könnten doch in einem nahen Wohngebiet sinnvoll genutzt werden.

Dazu sagte Scharli, das sei allemal eine gründliche Analyse wert. Generell sei freilich wichtig, dass ein Sieben-Tage-Betrieb notwendig sei, um den angeschlossenen Haushalten eine durchgehende Versorgung zu ermöglichen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Fernwärmenetz in Schongau, das von der Papierfabrik rund um die Uhr gespeist wird.

Vergleichsweise einfach ist in Städten und Gemeinden umzusetzen, dass für Neubaugebiete Vorschriften zum Effizienzstandard der Häuser gemacht werden. Dabei verwies er auf die Gemeinde Habach, wo bei neuen Häusern der KfW 55-Standard verlangt werde.

Dass bei all den Varianten auch die Folgekosten für den Häuslebauer im Blick behalten werden, war Gemeinderat Norbert Merk (CSU) wichtig zu diesem Thema, das „pragmatisch“ bewertet werden müsse. Andreas Barnsteiner von der Bürgervereinigung meinte zum Stichwort Energieeffizienz, dass so manches Dämmmaterial an und in den Häusern bzw. Wohnanlagen später mal teuer zu entsorgen sei. Da handle es sich um Abfall, der den Eigentümern und der Gemeinde noch mal um die Ohren fliege.

Scharli entgegnete freilich, in vielen Bereichen würden bereits ökologische Dämmstoffe eingesetzt. Außerdem sei auch zu hinterfragen, welche Materialien im privaten Bereich in die Häuser geholt werden – zum Beispiel aus der Möbelindustrie, in den Häusern stünden.

Johannes Jais

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