Knifflige Bodenverhältnisse am Hang

Bauland im Peitinger Moosbachkessel

Moosbachkessel Füssener Straße Bergstraße Peiting
+
Die grüne Wiese am Moosbachkessel. Hinten die Häuser an der Bergstraße.
  • VonJohannes Jais
    schließen

Peiting – Vom klaren Ergebnis der Abstimmung sei er überrascht, er hätte es knapper erwartet: So äußerte sich Bürgermeister Peter Ostenrieder am Tag nach der Entscheidung, im sogenannten Moosbachkessel westlich der Füssener Straße Bauland auszuweisen. Mit 16:5 wurde die Verwaltung beauftragt, einen Aufstellungsbeschluss für eines der Grundstücke vorzubereiten.

Einer aus dem Kreis der Gemeinderäte konnte in der intensiv geführten Aussprache zur Bebauung am Hang seinen Mund nicht aufmachen – und er durfte auch nicht abstimmen: Andreas Barnsteiner von der Bürgervereinigung. Dem 60-jährigen Landwirt gehört das nördliche Grundstück im Moosbachkessel. Es ist zirka 5.000 Quadratmeter groß; dort könnten sechs Bauplätze parzelliert werden.

Die Grundsatz-Entscheidung, einen Aufstellungsbeschluss herbeizuführen, ist in Peiting seit zwei Jahren für alle Baugebiete mit einer Fifty-Fifty-Regelung verbunden: Die Gemeinde erhält im Fall eines Bebauungsplans vom Eigentümer die Hälfte der Bauplätze. Im konkreten Fall wären es also drei Parzellen, die der Markt Peiting vom Grundstücksbesitzer erwirbt.

Pro und Kontra

Zu einer Bebauung im Moosbachkessel gibt es im Rathaus unterschiedliche Sichtweisen. Marktbaumeister Fabian Kreitl hielt mit Verweis auf ein erweitertes Bodengutachten für die Flurnummer des Barnsteiner-Grundstücks Wohnbau mit technischen Lösungen (z.B. Rückhaltebecken für das Hangwasser) für machbar. Zwei aktuelle Bohrungen und das Gutachten aus dem Jahr 2016 haben ergeben, dass der Mutterboden mächtig sei, wenig Kies vorhanden und tragfähiges Material erst in vier bis fünf Metern Tiefe käme. Auch sei man auf Schichtwasser gestoßen.

Dagegen befand Geschäftsleiter Stefan Kort die ganzen Hinweise im erweiterten Bodengutachten eines Büros für Geotechnik für „nicht ohne“. Dabei meinte er z.B. den Ratschlag zum Bodenaustausch, „um die Setzungen auf ein verträgliches Maß zu beschränken…“ oder die Bewertung, dass die oberen Schichten nur gering tragfähig seien.

Die Gemeinde, fuhr Kort fort, sei verpflichtet, den „Vertrauenstatbestand“ zu erfüllen. Es gelte, die Standsicherheit des Hanges zu beachten, aber auch gegenüber Käufern klar darauf hinzuweisen, dass dort keine Versickerung möglich sei und durch ein Rückhaltebecken zusätzliche Kosten anfallen. Die Erfahrung zeige zwar, dass bei den Erstkäufern eine „Risikoneigung“ da sei. Bauchweh bekomme er aber dann, wenn ein Haus mit Grundstück später an einen neuen Eigentümer veräußert werde.

„Ich kann dem nicht zustimmen“, befand Alfred Jocher (Unabhängige). Besonders ärgerte er sich über eine Aussage des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim, das zu einem Projekt an anderer Stelle (Marienheim am Bühlach-Hang) anmerkte, es lägen keine Erkenntnisse zu Starkregenereignissen vor. Der Blick in die Peitinger Chronik und ins Einsatzbuch der Feuerwehr belehre eines Besseren, so Jocher.

Dr. Günter Franz (Grüne) stellte zur Bodenbeschaffenheit am Hanggrundstück einen Vergleich mit der Medizin an. Da könnten nach einem Eingriff Komplikationen auftreten. Man sollte daher die Finger vom Bebauungsplan lassen.

Norbert Merk (CSU) riet nach den Erfahrungen mit überfluteten Kellern an der Jägerstraße im Gebiet Tiefenlache dazu, von einer Bebauung im Moosbachkessel mit der Hanglage Abstand zu nehmen. Christian Lory (Unabhängige), Alex Zila (Unabhängige) und Tobias Eding (SPD) erkundigten sich, wie groß ein Rückhaltebecken dimensioniert werden müsse und wie es sich auf die Erschließungskosten eines Bauwerbers auswirke.

So ein Rückhaltebecken sei heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr, antwortete Marktbaumeister Kreitl. Die Kosten seien stark vom Volumen des Rückhaltebeckens abhängig; sie könnten sich grob auf 100.000 Euro summieren.

Erschließung

Josef Sellmaier (Bürgervereinigung) sprach sich dafür aus, wenigstens die sechs Plätze vorne an der Füssener Straße auszuweisen. Mit der Erschließungsstraße auf diesem Grundstück schaffe man die Option, für spätere Jahrzehnte die Bebauung weiter oben am Hang zu erweitern. Dort sind laut Kreitl auf 13.000 Quadratmetern zusätzlich bis zu 20 Plätze denkbar.

Michael Deibler (CSU) betonte, technisch sei eine Bebauung am Hang möglich. Dies sei ausschlaggebend für sein Votum, wenngleich der Aufwand groß sei. Franz Seidel (Bürgervereinigung) meinte: „Wir sollen auch problematische Flächen bebauen“. Er sehe kein Haftungsthema auf die Gemeinde zukommen. Der Käufer wisse um die Problematik.

Gunnar Prielmeier (SPD) befand, so groß könne man das Rückhaltebecken im Moosbachkessel gar nicht bauen bei der Unmenge an Wasser, das den Hang herunter komme. Andererseits sei bei Hochwasser drunten an der Peitnach „jeder Zentimeter“ mehr kritisch.

Herbert Salzmann (SPD) sah schon die Notwendigkeit, „untenliegende Bewohner“ im Bachfeld vor dem Niederschlagswasser von der Bergstraße und vom Moosbachkessel zu schützen. Erst müsse man in Peiting die „Hausaufgaben machen“ – sprich das Hochwasserkonzept für die Peitnach umsetzen. Doch Bürgermeister Ostenrieder war schon jetzt ein Votum dazu wichtig, „ob wir den Weg beschreiten“, womit er die Bebauung des nördlichen Grundstücks im Moosbachkessel meinte.

Es gibt noch einen alten Bebauungsplan aus den Siebzigern. Damals waren die Überlegungen, am Hang westlich der Füssener Straße Platz für ein Sanatorium mit kleinem Kurpark zu schaffen. Aber das ist Geschichte.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bratwurst to go auch in Schongau?
Schongau
Bratwurst to go auch in Schongau?
Bratwurst to go auch in Schongau?
Teureres Wasser in Schongau
Schongau
Teureres Wasser in Schongau
Teureres Wasser in Schongau
Die Wieskirche hat einen neuen Organisten
Schongau
Die Wieskirche hat einen neuen Organisten
Die Wieskirche hat einen neuen Organisten
Höhere Grund- und Gewerbesteuern für Sanierung der Schongauer Mittelschule
Schongau
Höhere Grund- und Gewerbesteuern für Sanierung der Schongauer Mittelschule
Höhere Grund- und Gewerbesteuern für Sanierung der Schongauer Mittelschule

Kommentare