Mit Fotostrecke: Führungen an der Echelsbacher Brücke

Sanierung eines Meisterwerks der Baukunst

Baustellenführung Echelsbacher Brücke
+
Kulturführerin Elisabeth Welz (grüner Helm) hat für die Teilnehmer der Baustellenbesichtigung viele Informationen parat.
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
    schließen

Rottenbuch – Als sie 1930 eröffnet wurde, war sie ein Meisterwerk an Ingenieurskunst und noch heute beeindruckt sie die Menschen: die Echelsbacher Brücke. Derzeit wird sie aufwendig saniert. Vom Baufortschritt können sich Interessierte bei Baustellenführungen überzeugen.

Es scheppert, kracht und klappert. Der Boden vibriert, als ein Lkw vorbeidonnert. Einigen der zwölf Teilnehmer der Besichtigung wird etwas mulmig, denn unter ihnen geht es knapp 80 Meter in die Tiefe. „Rund 10.000 Fahrzeuge fahren hier an einem durchschnittlichen Tag“, brüllt Elisabeth Welz in ihr mobiles Mikrofon und übertönt dabei die Mischung aus Fahrzeug- und Baustellenlärm.

Die Kulturführerin ist froh. Endlich darf sie nach der langen Coronapause wieder Gäste empfangen. Voll Leidenschaft ist sie bei der Sache. Gemeinsam mit den angemeldeten drei Frauen, sechs Männern und drei Buben spaziert sie über die 266 Meter lange Behelfsbrücke, die 2017 nur ein paar Meter entfernt von der Echelsbacher Brücke installiert wurde.

„Das kann man sich vorstellen wie mit Legobausteinen, die man ineinandersteckt“, verdeutlicht sie vor allem für die Jüngsten in der Runde, wie die Übergangslösung konstruiert ist. Aber eigentlich soll es in ihrem Vortrag ja um das Baudenkmal selbst gehen. Und auch über dieses erfährt die Gruppe allerhand.

Von wegen langweilig

„Ich dachte, es wird langweilig“, flüstert der neunjährige Tobias, der mit seinen Großeltern aus Steingaden gekommen ist. „Aber es ist wirklich spannend, was die Frau alles erzählt“, ist er mit dieser Meinung nicht alleine.

Vom Beginn der Handelsroute in der Römerzeit über das erhöhte Verkehrsaufkommen nach der Erfindung des Automobils bis hin zu kurzweiligen Anekdoten über den Bau in den 20er-Jahren hat Welz eine Unmenge an Wissen parat.

Bau bei minus 30 Grad

Zwischen 75 und 100 Arbeiter seien damals Tag und Nacht beschäftigt gewesen, als die Brücke in Melan-Spangenberg-Technik gebaut wurde – in nur 422 Tagen, denn bis zu den anstehenden Passionsspielen in Ober­ammergau sollte sie befahrbar sein. Auch ein unglaublich kalter Winter mit Temperaturen von minus 30 Grad habe die Männer nicht aufgehalten.

Bildergalerie zur Baustellenführung an der Echelsbacher Brücke

Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Kulturführerin Elisabeth Welz (grüner Helm) hat für die Teilnehmer der Baustellenbesichtigung viele Informationen parat. © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Kulturführerin Elisabeth Welz (grüner Helm) hat für die Teilnehmer der Baustellenbesichtigung viele Informationen parat. © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Dass es langweilig werden könnte, hatten die jüngsten Führungsteilnehmer vorab befürchtet. Doch auch die Kinder kamen auf ihre Kosten. © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Dass es langweilig werden könnte, hatten die jüngsten Führungsteilnehmer vorab befürchtet. Doch auch die Kinder kamen auf ihre Kosten. © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Dass es langweilig werden könnte, hatten die jüngsten Führungsteilnehmer vorab befürchtet. Doch auch die Kinder kamen auf ihre Kosten. © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Kulturführerin Elisabeth Welz (grüner Helm) hat für die Teilnehmer der Baustellenbesichtigung viele Informationen parat. © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Kulturführerin Elisabeth Welz (grüner Helm) hat für die Teilnehmer der Baustellenbesichtigung viele Informationen parat. © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Kulturführerin Elisabeth Welz (grüner Helm) hat für die Teilnehmer der Baustellenbesichtigung viele Informationen parat. © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Dass es langweilig werden könnte, hatten die jüngsten Führungsteilnehmer vorab befürchtet. Doch auch die Kinder kamen auf ihre Kosten. © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober.  © Gallmetzer
Echelsbacher Brücke Baustellenführung
Dass es langweilig werden könnte, hatten die jüngsten Führungsteilnehmer vorab befürchtet. Doch auch die Kinder kamen auf ihre Kosten. © Gallmetzer

Bis heute ist die Brücke ein Wahrzeichen der Region. Schnell war daher bei den Planungsbesprechungen klar, dass die ursprüngliche Form trotz Sanierung beibehalten werden soll. Wie schon vor knapp 100 Jahren eine komplizierte Herausforderung. Zum einen wegen der speziellen Bauweise, zum anderen, weil auch der Naturschutz Bedenken hatte. Denn seit den 50er-Jahren haust in der Brücke eine Fledermauskolonie mit rund 200 großen Mausohrweibchen, die dort ihre Jungen zur Welt bringen. Zunächst wurde versucht, die Tiere umzusiedeln, doch sie blieben stur im Bogen. Also musste der Umbau mit ihnen geschehen.

Parallel zum alten Bogen wurde ein neuer gefertigt. Der bisherige trägt kein Gewicht mehr. „Die Brücke hat bis zuletzt gehalten und war keinen Tag einsturzgefährdet“, lobt Welz. „Doch es ging ihr immer schlechter“, begründet sie die Entscheidung des Staatlichen Bauamtes.

Bei der Umsetzung gingen die Planer ähnlich vor wie einst Spangenberg. Der hatte Holzkisten mit Kies an die Brücke gehängt bis sie betoniert war, um die endgültige Belastung des Stahlgerüst-Bogens zu simulieren. Nach und nach wurde betoniert und der Kies abgelassen. Nun wurde ein ähnliches Prinzip mit Containern voll Wasser angewandt.

Job am Abgrund

Insgesamt sind gleichzeitig derzeit etwa 17 Mitarbeiter am Bau beschäftigt. Doch heute wie damals ist es ein gefährlicher Job, an der Brücke zu arbeiten. Denn der Abgrund ist immer in Reichweite. Bald auch wieder für Passanten.

Ein zweieinhalb Meter hohes Geländer soll daher verhindern, dass Menschen hinübersteigen und sich das traurige Kapitel der Suizide von einst wiederholt. „Die Zuständigen hier haben versucht, raufzukraxeln; keiner hat es geschafft“, hofft nicht nur Welz, dass die Installation Tode verhindern kann. Für die Angehörigen der Menschen, die vor Ort bereits ums Leben kamen, soll eine Gedenkstätte im neuen Infopavillon entstehen.

Engpässe beim Material

Geplant ist die Eröffnung der renovierten Brücke für Oktober. Derzeit gibt es jedoch ein Problem, das im Baugewerbe momentan überall existiert: Das Material ist schwierig zu beschaffen. Epoxidharz, das unter das Bitumen kommt, ist beispielsweise knapp. Unter anderem, weil es bei der Kerosinproduktion als Nebenprodukt entsteht. Da durch die Pandemie weniger geflogen wird, gibt es weniger davon. Aufgebracht werden kann es, wenn es da ist, nur bei trockenem, warmen Wetter. Wen dieser Schritt dann erledigt ist, fehlen noch zwei Schichten Asphalt.

Insgesamt ist die Brücke nun 16,7 Meter breit und bietet nicht nur Autos und Lkw sondern auch Fußgängern und Radfahrern ausreichend Platz. Rund 33 Millionen Euro wurden investiert. Somit wurde der Kostenplan, der bei 30,6 Millionen lag, nur etwas überschritten, was teils durch die allgemeine Preissteigerung im Baugewerbe zu erklären ist. Wenn alles befahrbar ist, wird die Behelfsbrücke abgebaut und der Untergrund renaturiert. Welz verspricht: „Am Ende ist hier nichts mehr zu sehen.“

Baustellenführungen

Wer an einer eine Baustellenführung teilnehmen möchte, kann sich unter Tel. 08845/7030620 oder bad-bayersoien@ammergauer-alpen.de anmelden. Die Führungen finden freitags um 14 Uhr statt. Für Gruppenführungen ab sechs Personen, die auch an anderen Tagen möglich sind, erfolgt die Anmeldung direkt bei Maria Sporer, Tel. 08868/641, E-Mail: maria.sporer@t-online.de.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Abkochgebot für Schongaus Leitungswasser
Schongau
Abkochgebot für Schongaus Leitungswasser
Abkochgebot für Schongaus Leitungswasser
Standbein im Wartestand: Tobias Kalbitzer über sein neues Betätigungsfeld
Schongau
Standbein im Wartestand: Tobias Kalbitzer über sein neues Betätigungsfeld
Standbein im Wartestand: Tobias Kalbitzer über sein neues Betätigungsfeld
Mittelalter auf dem Hohen Peißenberg
Schongau
Mittelalter auf dem Hohen Peißenberg
Mittelalter auf dem Hohen Peißenberg
Alles aus der Gitarre rausholen
Schongau
Alles aus der Gitarre rausholen
Alles aus der Gitarre rausholen

Kommentare