Bauvorhaben an der Adalbert-Keis-Straße

Ein bisschen Grün muss bleiben

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Direkt neben der bestehenden Blumenschule sollen die neuen Wohnblöcke entstehen (gelbe Markierung).

Schongau – Eine Anlage für seniorengerechtes Wohnen und ein Mehrgenerationenhaus: Das Vorhaben, das am Dienstag im Bauausschuss diskutiert wurde, klang nicht schlecht. Wäre da nicht der Ort gewesen, den sich die Bauwerber für ihr Projekt ausgesucht hatten.

Früher einmal, da verlief der Lech rund um Schongau. Wo einst das Wasser floss, zieht sich heute ein Grüngürtel um die Lechstadt. Bei der Stadt weiß man um den Wert dieser Naturfläche, deshalb war sich Stadtbaumeister Ulrich Knecht der Brisanz der Pläne der Wohnbau Südlech-GmbH wohl bewusst. 

Konkret geht es um die Fläche hinter der Blumenschule Engler an der Adalbert-Keis-Straße. Dort würde die Firma gerne zwei Blocks für seniorengerechtes Wohnen errichten. Außerdem geplant ist ein Mehrgenerationenhaus, das zum Teil auf dem Grundstück der jetzigen Gärtnerei gebaut werden soll. Der Haken: Die Fläche liegt mitten im Grüngürtel des ehemaligen Lechverlaufs. 

Während Knecht sich die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans durchaus vorstellen konnte („Wir sollten lieber innen entwickeln, bevor wir außen weiter machen“), sorgte die Lage bei den Stadträten für Kopfzerbrechen. „Ich habe da zwei Seelen in meiner Brust“, gab Paul Huber (CSU) zu. Einerseits gefalle ihm natürlich das Vorhaben („Der Bedarf ist da. Wo sonst kann man in Schongau mehrgeschossig bauen?“), andererseits gehe wieder ein Stück Grüngürtel verloren. „Mich ärgert heute noch, dass wir die Bebauung westlich der Augsburger Straße genehmigt haben.“ 

Sein Fraktionskollege Michael Eberle erinnerte daran, dass es immer geheißen habe, der Grüngürtel sei zu wertvoll für eine Bebauung. „Wenn wir das genehmigen, müssen wir uns fragen, ob wir ihn ganz aufgeben wollen.“ Ein Sündenfall ziehe den nächsten an. 

Ähnlich sah es Bettina Buresch (ALS), die allerdings darauf hinwies, dass der Grüngürtel durch V-Markt und Gnettner-Areal eh schon unterbrochen sei. Vielleicht könne man den Bauwerber dazu bringen, kleiner zu planen, um zumindest einen Teil zu erhalten, schlug sie als Kompromiss vor.

Apropos Gnettner-Areal: Siegfried Müller (ALS) nahm die Diskussion zum Anlass, um seinem Ärger über die dortige Bebauung Luft zu machen. Beim Rückbau des Industriegeländes habe die Stadt die Chance verpasst, den Grüngürtel an dieser Stelle wiederherzustellen. Dass jene, die damals für die Bebauung gestimmt haben, jetzt Bedenken äußern, verwundere ihn. 

Das wollte Eberle freilich nicht auf sich sitzen lassen. Die Wohnbebauung der ehemaligen Industriebrache sei das kleinere Übel gewesen. Den Rückkauf der Fläche für viele Millionen Euro hätte sich die Stadt gar nicht leisten können. Auf Bureschs Einwurf, man habe es verpasst, Einfluss auf die Gestaltung zu nehmen („jeder Stadtplaner, der das sieht, verdreht die Augen“), konterte der CSU-Chef: „Das war der kleinste gemeinsame Nenner. Auf die harte Tour hätte der Besitzer auf den Bestandsschutz gepocht. Dann gäbe es dort noch mehr Bebauung.“ 

Ilona Böse (SPD) führte die Diskussion schließlich zurück in die Gegenwart. Nachdem auch sie sich für den Erhalt des Grüngürtels ausgesprochen hatte, war guter Rat teuer, wie man denn nun weiterverfahren wolle. Bürgermeister Falk Sluyterman griff daraufhin Bureschs Kompromissvorschlag einer schmaleren Bebauung auf. Mit 5:4-Stimmen folgte ihm das Gremium.

Christoph Peters

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