Bayerns erste Garnelenzucht in Altenstadt

"Unser Ziel ist es, regional zu vermarkten"

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Christian Grundner, Geschäftsführer des Heizkraftwerks Altenstadt, vor dem Plan der neuen Halle, in der ab 2015 die Riesengarnelen in Altenstadt gezüchtet werden sollen.

Schongau – Eine Garnelenzucht in Bayern? Was bisher noch keiner gewagt hat, will Christian Grundner in Altenstadt schaffen. Schon 2015 sollen die ersten Tiere geerntet werden. 

Jeder kennt sie aus dem Tiefkühlregal im Supermarkt. Dort heißen sie King Prawns oder einfach nur Riesengarnelen. Produziert werden sie meist in Asien. Dort befinden sich aufgrund der klimatisch günstigen Gegebenheiten die Mehrzahl der weltweit rund 300000 Shrimpsfarmen. Das Geschäft mit den Meeresbewohnern brummt, was auch Christian Grundner nicht entgangen ist. Der Geschäftsführer des Heizkraftwerks Altenstadt plant, im nächsten Jahr die bayernweit erste Garnelenzucht zu errichten. Der KREISBOTE sprach mit dem 43-Jährigen über sein ungewöhnliches Vorhaben. 

Herr Grundner, wie kommt man auf die Idee, in Altenstadt weitab vom Meer eine Garnelenzucht betrieben zu wollen? 

Grundner: „Die Fischerei begleitet mich schon von Kindesbeinen an. Sie ist bei mir in der Verwandtschaft tief verwurzelt. Da ist sowas immer schon mal im Kopf herumgespukt. Allerdings wollten wir zuerst Süßwasser-Garnelen züchten.“ 

Stattdessen werden es jetzt Salzwasser-Garnelen. 

Grundner: „Richtig. Ins Rollen gekommen ist das ganze, als wir von einem Bauern gehört haben, der so eine Anlage bereits erfolgreich in Niedersachsen betreibt. Da sind wir hingefahren, haben uns alles angeschaut und natürlich auch verkostet. Dasselbe haben wir in Kiel gemacht, wo eine Versuchsanlage steht. Danach war klar: Die Technik ist da, man weiß, wie es funktioniert. Das wollen wir auch bei uns machen.“ 

Bisher betreiben Sie ein Biomasseheizkraftwerk. Wie passt da ein Garnelenhof ins Konzept? 

Grundner: „Eigentlich sehr gut. Die Anlage benötigt Strom, den wir günstig selber herstellen. Dazu kommt, dass das Wasser in den Becken konstant ganzjährig bei 30 Grad gehalten werden muss. Um es zu heizen, können wir jene Wärme hernehmen, die in den Kraftwerksturbinen nicht mehr verwendet werden kann und bislang einfach an die Umwelt abgegeben wird.“ 

Woher nehmen Sie das Wasser und wie wird das Abwasser entsorgt? Gerade letzteres dürfte viele Leute interessieren. 

Grundner: „Die benötigten 2500 Kubikmeter Wasser für unsere Becken entnehmen wir unseren beiden Tiefbrunnen. Was das Abwasser angeht, hatten wir erst vor, es in den Lech zu leiten. Davon haben wir aber Abstand genommen und werden es jetzt verdampfen. Als Rückstand bleibt dann Salz, das im besten Fall als Streusalz verwendet werden kann.“ 

Immer wieder hört man von schrecklichen Zuständen in Garnelenfarmen in Asien, von Tieren, die sich zu wenig Platz teilen und mit Antibiotika vollgepumpt werden. Ist die Zucht ohne Medikamenteneinsatz überhaupt durchführbar? 

Grundner: „Ich kann da nur für uns sprechen. Wir werden in unserem geschlossenen System ohne Einsatz von Medikamenten auskommen. Dafür ist natürlich auch ein großer Aufwand nötig. So gibt es etwa strenge Hygieneregeln und nur wenige Personen dürfen überhaupt die Halle betreten, die zudem zwangsbelüftet wird. Das Wasser wird außerdem dauernd gefiltert und mit UVLicht bestrahlt, um Krankheitserreger zu vernichten. Über unseren Partner polymares stehen wir dazu auch mit einem Professor in den USA in Kontakt, der sich bereits sein Leben lang mit der Aufzucht der Tiere beschäftigt. Unser Ziel ist ganz klar, ein sauberes Produkt zu haben.“ 

Wie sieht es mit dem Futter aus? Oft wird in Aquakulturen vor allem Fischmehl zur Fütterung eingesetzt.

Grundner: „Darauf wollen wir so weit wie möglich verzichten. Es macht meiner Meinung nach ökologisch keinen Sinn, Fisch zu fangen und zu Mehl zu verarbeiten, nur um damit Garnelen aufzuziehen. Wie genau das Futter am Ende zusammengesetzt sein wird, da werden wir uns langsam herantasten.“ 

Wie groß soll die Anlage werden? 

Grundner: „Wir wollen als erstes eine Produktionshalle von 50 auf 80 Meter errichten. In der werden sich zwölf Becken befinden, die der Aufzucht der Tiere dienen. Das erste Mal ernten werden wir nach einem halben Jahr können. Im Jahr wollen wir rund 18 Tonnen produzieren. Läuft alles gut, folgt eine zweite Halle.“ 

Um welche Art von Tieren handelt es sich und woher beziehen Sie sie? 

Grundner: „Die Garnelenart heißt White Tiger Shrimp und ist hierzulande meist als Riesengarnele bekannt. Die Tiere werden zwischen zwölf und 14 Zentimeter groß und wiegen 25 Gramm. Die Post-Larven werden wir aus Hawaii importieren.“ 

In letzter Zeit häuften sich die Berichte, wonach in der Nordsee gefangene Krabben zum Pulen nach Marokko verschifft werden, weil es dort günstige Arbeitskräfte gibt. Anschließend werden die Tiere haltbar gemacht und wieder nach Europa exportiert. Steht Ihren Garnelen auch so etwas bevor? 

Grundner: „Nein. Unser Ziel ist es, so viel wie möglich regional zu vermarkten. Sollte der Markt fordern, dass die Tiere gepult oder ohne Kopf geliefert werden, dann wird auch das vor Ort geschehen.“ 

Das wird man sicher am Preis merken. Wie schätzen Sie die Absatzchancen ein? 

Grundner: „Natürlich wird unser Produkt mit 35 bis 40 Euro pro Kilo teurer sein als vielleicht manch andere. Aber ich glaube, dass der Kunde heute viel mehr bereit ist für Qualität zu zahlen. Und dass im Jahr 50000 Tonnen importiert werden, zeigt die große Nachfrage nach Garnelen in Deutschland.“ 

Ihr Vorhaben hat schnell die Runde gemacht. In der ganzen Bundesrepublik wurde darüber in den Medien berichtet. Hat Sie das überrascht? 

Grundner: „Ich hätte nie gedacht, dass das solche Wellen schlägt, nachdem ich es im Altenstadter Gemeinderat vorgestellt hatte. Das Nachahmer-Interesse ist groß, aber viele unterschätzen den großen technischen Aufwand und die langwierige Bürokratie. Man braucht schon einen langen Atem.“ 

Der Gemeinderat hat den Bebauungsplan bereits auf den Weg gebracht. Ab wann wird es Garnelen aus Altenstadt geben? 

Grundner: „Wir hoffen, dass der Spatenstich im Sommer 2014 stattfinden kann. Dann könnten wir 2015 das erste Mal ernten.“

Interview: Christoph Peters

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