»Zuletzt wurde es eng«

Die Folgen der Dauer-Hitze für die Bauern im Schongauer Land

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Die Vegetation leidet – auch im Altlandkreis. Doch im Vergleich mit anderen Regionen ist das Schongauer Land noch gut weggekommen, weiß Wolfgang Scholz.

Landkreis – Die Hitze ist in diesem Sommer ein Dauerbrenner – im wahrsten Sinne des Wortes. Deutschlands Bauern beklagen Ernteeinbußen, die Politik sucht nach Lösungen oder will diese – wie im Fall des bayerischen Kabinetts – schon angestoßen haben. Doch wie stellt sich die Lage im Schongauer Land dar? Der Kreisbote hat sich mit Wolfgang Scholz unterhalten. Er ist Kreisobmann des BBV (Bayerischer Bauernverband).

Herr Scholz, das bayerische Kabinett hat vergangene Woche beschlossen, 15 bis 20 Millionen Euro dafür zu nutzen, Ernteausfälle mit maximal 50.000 Euro pro betroffenem Hof abfedern zu wollen. Eine richtige Entscheidung?

Scholz: „Ja. Ich finde das sehr gut und bin dankbar. Auch wenn Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, eigentlich mehr gefordert hatte. Es ist natürlich schwer abzuschätzen, wie groß der Bedarf ist. Aber 20 Millionen Euro sind eventuell ein bisschen knapp bemessen.“

Wie sehr ist denn der Altlandkreis Schongau von der Dauerhitze betroffen?

Scholz: „Wir sind relativ verschont geblieben. Während andere Regionen schon seit Monaten Probleme haben, merken wir erst in den letzten 14 Tagen, dass es langsam eng wird.“

Und wie sieht es speziell auf Ihrem Hof aus?

BBV_Kreisobmann Wolfgang ScholzScholz: „Wir in Sachsenried hatten vier gute Schnitte und kommen sicher ohne Hilfe durch. Es gibt aber auch Ecken im Landkreis, bei denen absehbar ist, dass der jetzige vierte Schnitt nichts mehr bringt. Das wurde mir zum Beispiel aus Antdorf berichtet. Das kommt immer wieder mal stellenweise vor, auch in einem normalen Zyklus. Insgesamt macht sich die Trockenheit in unserer Region nicht so dramatisch bemerkbar, weil wir durch die Nähe zum Alpenrand doch hin und wieder mal Regen hatten. Aber natürlich gibt es auch innerhalb der Region Unterschiede.“

BBV_Kreisobmann Wolfgang Scholz

Wodurch kommen die zustande?

Scholz: „In erster Linie ist die Beschaffenheit der Böden ausschlaggebend. Auf dem kiesigen Lechfeld hält der Boden das Wasser beispielsweise nicht gut. Das wird Richtung Norden immer krasser. Man kann an der B17 entlang fahren und anhand der sich zu Röllchen verformenden Maisblätter nachvollziehen, wie es immer trockener wird. Dazu kommt, dass Sommerregen eben recht willkürlich fällt.“

Der Klimawandel bedingt Wetter-Extreme; ausgedehnte Hitzeperioden wie die jetzige dürften zunehmen und künftig womöglich eher die Regel als die Ausnahme sein. Lassen sich Strategien ergreifen, um dem als Bauer im Schongauer Land zu begegnen?

Scholz: „Natürlich macht man sich Gedanken. Luzerne beispielsweise ist wertvolles Futtergras, wurzelt tief und könnte auf so manchem Grünlandstandort im Landkreis gut gedeihen. In diesen Überlegungen ist man durch die Verwaltung aber sehr eingeschränkt. Wer Ackerfläche hat, ist flexibler – wer Grünland bewirtschaftet, hat diese Möglichkeiten eben nicht. Das bestehende strikte Grünlandumbruchverbot ermöglicht es auf Grünlandstandorten nicht, auf die Anforderungen des Klimawandels zu reagieren. Und das halte ich für Blödsinn. Hier muss uns mehr Flexibilität zugestanden werden.“

Auch wenn Sie in Sachsenried die Dauerhitze gut überstanden haben: Wie sehr freuen Sie sich auf Abkühlung und Regen?

Scholz: „Sehr. Ich genieße generell den Regen und konnte noch nie nachvollziehen, wieso Niederschlag im Sommer in den vergangenen Jahren so zum Ärgernis stilisiert wurde. Jetzt sieht man mal, wie wichtig er ist. Meinen fränkischen Freunden, die stark von Ernteausfällen betroffen sind, habe ich gesagt: ‚Aus Solidarität zu Euch würde ich beim Motorradfahren sehr gern nass werden.‘“

Solidarität ist ein gutes Stichwort: Es gibt Überlegungen, dass die hiesigen Bauern ihre geplagteren Kollegen unterstützen?

Scholz: „Ja, wir wollen über den Bauernverband Futter spenden. Aus logistischen Gründen werden das wohl Siloballen sein. Da sind wir noch auf der Suche nach bedürftigen Partnern. Nach jetzigem Stand würde unsere Spende nach Franken oder Südtirol gehen.“ 

Interview: ras

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