Mahner beim Flächenverbrauch

BBV-Obmann und Gemeinderat Andreas Barnsteiner im Interview

Ein Bauer und Gemeinderat, der Klartext spricht: Andreas Barnsteiner aus Peiting.
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Ein Bauer und Gemeinderat, der Klartext spricht: Andreas Barnsteiner aus Peiting.

Peiting – Innerhalb der drei großen Fraktionen CSU, Bürgervereinigung und SPD ist er derjenigen Gemeinderat, der häufig und deutlich die mahnende Stimme erhebt: Die Rede ist von Andreas Barnsteiner (BV). Er ist seit letztem Jahr auch BBV-Obmann. Peiting ist mit Birkland die Gemeinde, wo es im Landkreis die meisten Bauern gibt. Johannes Jais hat mit dem vielseitig engagierten Landwirt und wortgewandten Gemeinderat, der Ende Oktober 60 Jahre wird, ein Interview geführt.

Barnsteiner: „Grüaß di Gott, Reporter Jais, komm rein, hock di her an den Tisch, nau kannscht mir deine Fragen stellen. Was willscht denn alles wissa?“
Jais: „Allerhand. Dös wirst gleich merken.“
Barnsteiner: „Also, leg los!“

Sag mal, wie viele Bauern gibt’s denn noch in Peiting?
Barnsteiner: „Milchbauern?“
Ja, aktive Milchbauern.
Barnsteiner: „Wir sind no zirka 50 Milchviehbetriebe in Peiting mitsamt der Riedschaften wie Ramsau, Hausen oder Kurzenried. Birkland ist im BBV a eigener Ortsverband mit 20 Bauern.“
Trotzdem dass in den letzten Jahren viele Bauern aufgehört haben, immer noch die Gemeinde im Landkreis mit den meisten Milchviehbetrieben?
Barnsteiner: „Eindeutig ja. Aber dös hat damit zu tun, dass wir so viele Weiler in der Gemeinde haben. Wir sind ja die flächengrößte Gemeinde im Landkreis.“

Mit vier Landwirten im Gemeinderat seid ihr im Gremium aber ordentlich vertreten!
Barnsteiner: „Prozentual sind wir mit den bäuerlichen Vertretern gut aufgestellt für Peiting und Birkland. Keine Selbstverständlichkeit. Jedenfalls hab i es gut gefunden, dass sich so viele Berufskollegen von der bäuerlichen Seite bereiterklärt haben, heuer auf den verschiedenen Listen zu kandidieren.“
Findet die Landwirtschaft auf der politischen Ebene genug Gehör?
Barnsteiner: „Die bäuerliche Seite hat in Peiting ihren Stellenwert. Und da meine ich nicht nur den wirtschaftlichen Aspekt, sondern auch die Heimatgeschichte und die bäuerliche Kultur. Die ist bei uns immer noch greifbar und spürbar. Bei Ortschaften mit 11.000 Einwohnern ist das heutzutage eher die Ausnahme.“
Woran liegt’s, dass sich Leute aus der Landwirtschaft allgemein weniger einbringen – sei’s in der Kommunalpolitik, in der Kirche oder in Vereinen?
Barnsteiner: „Ganz klar an der hohen Arbeitsbelastung, die wiederum mit den niedrigen Einkommen einhergehen. Aber i möcht‘s schon betonen: Man kann schon was bewegen – sei’s auf politischer Ebene oder in landwirtschaftlichen Verbänden. Mich reizt es, dazu no amol ein Buch zu schreiben.“
Das da heißen soll?
Barnsteiner: „Die Verabschiedung der bäuerlichen Bevölkerung aus der übrigen Gesellschaft.“
Klingt ja nach Kritik am eigenen Berufsstand!
Barnsteiner: „Es soll keine harte Kritik sein. Aber in meinen Ämtern komm i viel rum und stell doch eine gewisse Interessenslosigkeit unter den Berufskollegen fest.“

Übern Gemeinderat, dem Du seit 2008 angehörst, lässt sich bestimmt auch ein Buch schreiben?
Barnsteiner: „Da hab i aber no koan Titel im Kopf.“
Wie wär’s mit dem Stichwort Flächenfraß?
Barnsteiner: „Das trifft jetzt voll meinen Nerv. An alten Baum kann i wegschneiden, dann kann i zwei neue pflanzen; so hat die nächste Generation o wieder a Freude und an Ertrag. Mit dem Boden ist das anders. Bei der bäuerlichen Kulturlandschaft, wo seit Jahrhunderten für die Lebensmittelerzeugung dient, ham wir an zu starken Verbrauch. Mir fällt dazu der Spruch ein: Wenn Bauernland nimmer in Bauernhand ist, dann fällt es den Städten und Gemeinden leicht, über solche Flächen zu verfügen.“
An welchen Projekten machst Du das aktuell fest?
Barnsteiner: „I denk da an den geplanten großen Baumarkt, wo ich der Meinung bin, dass es überhaupt keinen für Peiting bräuchte. Doch ich meine auch das neue Gewerbegebiet an der Bergwerkstraße und das neue Marienheim am Bühlach.“
Aber gibt’s eine gesunde Entwicklung, ohne neue Flächen einzubringen?
Barnsteiner: „Eine ausgewogene Entwicklung mit Maß und Ziel wäre angezeigt. Was bei uns zurzeit in der Politik läuft, hat in meinen Augen mit einer gesunden Ortsentwicklung nichts zu tun.“
Das ist klar ein anderer Standpunkt, als ihn der Bürgermeister Ostenrieder vertritt!
Barnsteiner: „Ja, da sind wir ganz unterschiedlicher Meinung.“

Wie kommst du mit dem neuen Bürgermeister klar?
Barnsteiner: „Mir ham unterschiedliche Standpunkte. Aber das liegt in der Natur der Sache. Wir – und da mein ich auch die anderen Gemeinderäte – sollen uns auf Augenhöhe begegnen und nach kontroversen Debatten in der Sitzung mitanand no a Absacker-Bierle trinken können.“

Die Bürgervereinigung ist mit sechs Mandaten so stark wie noch nie. Aber man hat den Eindruck, sie ist derzeit mit angezogener Handbremse unterwegs?
Barnsteiner: „Es gibt keinen Fraktionszwang bei der BV. Die Meinungen bei der Fülle an Themen sind unterschiedlich wie die Gemeinderäte an sich. Das macht den Reiz aus. Und das kann durchaus Ansporn sein, bei uns konstruktiv mitzuarbeiten.“

Ärztehaus – deine Meinung dazu?
Barnsteiner: „Der Baukörper an dieser Stelle neben der Poststraße ist zu groß und passt dort nicht hin. A kleineres Gebäude wäre stimmig gewesen. Es hätte gefälligere Lösungen für Gewerbe und Wohnen gegeben; wir haben solche Architektenvorschläge ja auf dem Tisch gehabt. Wenn der Grund und Boden zum elterlichen Hof gehört hätte, wäre es gewiss nicht zu dieser überdimensionierten Bebauung gekommen.“

Ein Satz zu den Debatten im Gemeinderat; Gemeinderätin Claudia Steindorf (SPD) hat im September beim Kreisboten-Interview davon gesprochen, dass es mitunter großes Kino wäre, wo ihr nur noch Popcorn fehle.
Barnsteiner: „Als langjähriger Theaterer möcht i an anderen Vergleich ziehen. Der Gemeinderat isch wie a politische Bühne. Einige von uns ham ihre Sprechrollen super drauf; die Verteilung von Haupt- und Nebenrollen ist in der neuen Periode aber no ned ganz ausgereift. Der neue Regisseur macht zwar klare Ansagen; aber das Spiel läuft noch nicht ganz rund. Mit unserer 25-köpfigen Spielerschar brauchen wir da no a paar Proben.“

Zur Person Andreas Barnsteiner

Wer all die Aktivitäten und Ehren­ämter aufschreibt, die Andreas Barnsteiner ausfüllt, der hat im Notizblock schnell zwei Seiten voll. Dem Peitinger Marktgemeinderat gehört er seit 2008 an – und zwar in der Fraktion der Bürgervereinigung. Er redet auch im Gremium, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Er würde allemal für einen Vorstandsposten im Verein für deutliche Aussprache taugen, witzeln manche Kollegen.

Peitinger Ortsobmann im Bayerischen Bauernverband (BBV) ist Barnsteiner seit 2019. Außerdem ist er Aufsichtsratsvorsitzender bei der Futtertrocknungsgenossenschaft Altenstadt, die 680 Mitglieder zählt.

Der Landwirt bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit Grünland, Ackerbau (Mais, Getreide) und Wald. Zudem ist er im Nebengewerbe beim Schneeräumen oder in der Gartenpflege aktiv. Den Hof soll Sohn Florian weiterführen. Der Vater von Andreas Barnsteiner hatte den Hof schon 1964 von der Dorfmitte (künftiges Ärztehaus) auf die Ebene zwischen Ammergauer Straße und Untereggstraße ausgesiedelt.

Barnsteiner ist Vater von fünf erwachsenen Kindern. Es sind vier Buben und eine Tochter; sie ist mit 24 Jahren die jüngste. Seine erste Frau Ulrike verstarb im Jahr 2016. Seit vier Jahren ist der umtriebige Landwirt mit seiner zweiten Frau Elisabeth verheiratet.

Seit 30 Jahren singt er im Männerchor; auch ist er erster Fähnrich beim Trachtenverein „Alpenrose“. Die Franz-Xaver-Fahne trägt er seit 40 Jahren bei der Fronleichnamsprozession mit. 25 Jahre war Barnsteiner in der Kirchenverwaltung dabei, zwölf Jahre in der Theatergruppe des Trachtenvereins aktiv.

Bleibt bei all dem noch Zeit für Hobbys? Barnsteiner nickt. Skifahren, Schwimmen und Tanzen. Und einmal im Jahr Urlaub machen.

Johannes Jais

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