Bebauungsplan für Schönlinder Straße vor erneuter Auslegung

Wirklich so viel Bedarf in Schongau?

Ein Dreispänner und vier Doppelhäuser sind auf dem Grundstück an der Schönlinder Straße geplant.
+
Ein Dreispänner und vier Doppelhäuser sind auf dem Grundstück an der Schönlinder Straße geplant.

Schongau – Erneut musste sich der Bauausschuss am vergangenen Dienstag mit einem Bauvorhaben an der Schönlinder Straße und damit mit dem Bebauungsplan „Östlich der Schönlinder Straße II“ befassen. Vor allem die nördlichen Anwohner des Grundstücks äußern hier immer wieder Bedenken (wir berichteten).

Mit diesen Einwendungen hatte sich das Gremium in seiner jüngsten Sitzung auseinanderzusetzen. Ein Vorwurf der Bürger: Die Stadt verstoße mit ihrer Bauleitplanung gegen die Vorgaben des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK). Die Stadt sehe bekanntlich in der Nachverdichtung den Königsweg, um den Bedarf an Wohnraum zu decken, heißt es in der Stellungnahme eines Anwohners. „Entsprechend werden derzeit sämtliche Grundstücke im städtischen Innenbereich maximal nachverdichtet.“

Dem ISEK sei zu entnehmen, dass der Bedarf von 280 neuen Wohneinheiten kontinuierlich zwischen den Jahren 2020 und 2035 entstehe. Den jährlichen Bedarf setze das ISEK dementsprechend mit 19 Wohneinheiten pro Jahr an. Allein auf dem Grundstück an der Schönlinder Straße seien elf Wohneinheiten vorgesehen. Auf dem benachbarten Grundstück der ehemaligen Neuapostolischen Kirche sind dies 27 Wohneinheiten. In dem Bürgereinwand werden noch weitere Wohnbauvorhaben genannt und beurteilt: „Statt diese Vorgaben (des ISEK, d. Red.) zu beachten, legt die Stadt in ihrem Bemühen um die Schaffung von Wohnraum aber ein geradezu irrwitziges Tempo vor.“

Kein Widerspruch

Eine „durchaus ausgewogene Planung“ erkennt hier allerdings Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. Das ISEK beinhalte keinen absoluten Wert, was den Bedarf an Wohnraum betrifft, sondern lediglich einen Mittelwert. „Es liegt kein Widerspruch zum ISEK vor“, verdeutlichte Dietrich. Ziel sei es außerdem, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, so Bürgermeister Falk Sluyterman. Die Höhe der Mieten sei nun einmal auch ein unmittelbares Resultat von Angebot und Nachfrage.

Ilona Böse (SPD) erkannte in diesem Fall eine „absolut maßvolle Nachverdichtung“. Ihrer Ansicht nach dürfe auch die Entwicklung durch Corona hier nicht vernachlässigt werden. „Wir brauchen vielfältigen Wohnraum, den wir anbieten können“, pflichtete Kornelia Funke (CSU) bei.

Bettina Buresch (Grüne) findet das Verhältnis von Grün­flächen und Bebauung auf den angrenzenden Grundstücken sogar schlechter als bei dem hier geplanten Bauvorhaben. Doch auch sie äußerte ihre Zweifel daran, dass der Bevölkerungszuwachs in Schongau tatsächlich so groß ist. Ein weiterer Dorn im Auge ist Buresch, dass sie als Umweltreferentin nicht über das Ergebnis der Baum-Begutachtung informiert worden ist. Laut Stadtförster Klaus Thien befinden sich nur drei Bäume auf dem Grundstück, die er als erhaltenswert erachtet. Doch die Obstbäume auf der nordöstlichen Seite würden hier gar nicht aufgeführt, bemängelt Buresch. Eine Begehung von ihr und ­Thien soll nun in den nächsten Tagen nachgeholt werden.

Der Bauausschuss stimmte dem Entwurf der Planfassung einmütig zu. Der Bebauungsplan wird nun erneut öffentlich ausgelegt. Die Öffentlichkeit, Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange, deren Aufgabenbereich von dem Vorhaben berührt werden, werden ebenfalls nochmals gehört.

Astrid Neumann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weitere sechs Reihenhäuser in Peiting
Weitere sechs Reihenhäuser in Peiting
Marienheim: Kopfschütteln bei Diskussion um Einzäunung
Marienheim: Kopfschütteln bei Diskussion um Einzäunung
Haarraum-Home Schongau: Mobiles Haareschneiden made by Carina Schwarz
Haarraum-Home Schongau: Mobiles Haareschneiden made by Carina Schwarz
85 CO2-Ampeln für Schongaus Schulen und Kindergärten
85 CO2-Ampeln für Schongaus Schulen und Kindergärten

Kommentare