Behelfsbrücke vor dem Abschluss:

Ankunft eines Stahlkolosses

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Stück für Stück schiebt sich die Behelfsbrücke für die Teilerneuerung der Echselsbacher Brücke über das Ammertal. Mitte Dezember soll sie die Rottenbucher Seite erreicht haben.

Rottenbuch – 10.000 Fahrzeuge rollen täglich über die Echelsbacher Brücke, die Bad Bayersoien und Rottenbuch verbindet. Das 88 Jahre alte Bauwerk über der Ammerschlucht muss dringend erneuert werden. Da es nicht möglich war, den Verkehr während der Bauzeit umzuleiten, musste eine Ersatzkonstruktion her. Diese soll noch Mitte Dezember in ihrer Endlage angekommen sein, ab Frühjahr können Autos und Lastwagen dann über den Stahlkoloss rollen.

„Behelfsbrücke SS80“ heißt die gigantische Konstruktion, bei der es sich um eine Standardbrücke in Baukastensystem handelt, wie der Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim Uwe Fritsch erläutert. „SS80“ steht dabei für „Schweres Straßengerät 80 m“. Überspannen wird sie am Ende aber 266 Meter und ist damit die größte Behelfsbrücke, die je in Deutschland errichtet wurde. Sie ist eine Leihgabe des Bundes und die Stahlteile füllen normalerweise zwei Lagerhöfe. Ursprünglich als Ersatz für zerstörte Brücken im Kriegsfall geplant, wird die SS80 nun dafür sorgen, dass der Verkehr auf der B23 weiter rollen kann, während die Echelsbacher Brücke auf Vordermann gebracht wird.

70 Lkw-Ladungen waren nötig, um die Stahlteile der Behelfsbrücke an Ort und Stelle zu bringen. Aufgebaut wird die Konstruktion von der Ostseite, also von Bad Bayersoien, her. Von dort aus wird sie in mehreren Montage- und Verschubphasen über die Schlucht geschoben. Dazu mussten drei Hilfspfeiler errichtet werden, wie Christoph Prause vom Staatlichen Bauamt erklärt. Die Montage der Baukastenteile erfolgt mit zwei Hochbaukränen mit je 80 Metern Ausleger. Der Verschub selbst wird über sogenannte Rollenbatterien mit hydraulischen Litzenhebern mit einer Verschubgeschwindigkeit von rund fünf bis acht Metern pro Stunde durchgeführt. Der erste Verschub erfolgte im August, mittlerweile sind zwei Drittel geschafft.

Fritsch und Prause rechnen damit, dass die Behelfsbrücke zum 15. Dezember in ihre Endlage eingeschoben und auf den Lagern abgesetzt werden kann. Nach der Weihnachtspause folgen Restarbeiten wie beispielsweise der Einbau der Fahrbahnplatten sowie die Herstellung der Gehwege. Diese wird es auf beiden Seiten geben, jedoch nur ein Gehweg soll öffentlich zugänglich sein. Der wird vollständig eingehaust. Im Frühjahr soll die Anbindung der Behelfsbrücke an die Bundesstraße 23 erfolgen, so dass der Verkehr etwa Mitte Mai verlegt werden kann. Gesamtkosten für die Behelfsbrücke: Rund acht Millionen Euro.

Im Anschluss geht es an den Rückbau der fast 90 Jahre alten Echelsbacher Brücke. Die Fahrbahn wird in Einzelsegmente zerlegt, von der Mitte aus wird der Überbau symmetrisch in beide Richtung zurückgebaut. „Und zwar bis nur noch der denkmalgeschützte Bogen steht“, sagt Prause.

Ein Problem bei der Instandsetzung des Bogens: Da er hohl ist, nutzen Fledermäuse, die ebenfalls geschützt sind, ihn, um ihre Jungen aufzuziehen. Die Tiere in eine Ersatzbehausung umzuquartieren, habe nicht funktioniert. Da die Fledermäuse nur im Sommer da sind, müssen sich die Arbeiten am Bogen auch nach ihnen richten.

Bis 2021

So soll sie einmal aussehen, die neue Echelsbacher Brücke. Von der 88 Jahre alten Konstruktion wird dann nur noch der Bogen erhalten sein. Fertigstellung ist für Dezember 2020 geplant. Bis dahin muss eine Behelfsbrücke den Verkehr aufnehmen.

Wieder symmetrisch erfolgt dann die Errichtung des neuen Bogens auf dem alten. „Erst wenn aber der Überbau drauf ist, kann der neue vom alten getrennt werden“, sagt Prause. Zuvor wäre die Konstruktion statisch noch nicht sicher. Baubeginn könnte hier bereits im Juli 2018 sein, die Verkehrsfreigabe hat Prause im Dezember 2020 geplant. Danach muss der Rückbau der Behelfsbrücke, der Behelfsrampen, der Fundamente im Ammertal und die Renaturierung erfolgen, was bis Mitte 2021 abgeschlossen sein könnte. Die neue Echelsbacher Brücke wird dann neben einer Fahrbahnbreite von 3,50 Metern auch Geh- und Radwege auf beiden Seiten haben. Ein etwa 2,50 Meter hohes Geländer soll für entsprechende Sicherheit sorgen – vor allem weil die Brücke wegen vieler Suizide quasi eine „traurige Berühmtheit“ erlangt hat, so Prause. Für die Teilerneuerung der Brücke haben das Staatliche Bauamt und das Büro Dr. Schütz Ingenieure aus Kempten bereits einen Preis erhalten: In der Kategorie Baukultur wurden sie von der Bundesvereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure (BSVI) mit dem Deutschen Ingenieurpreis Straße und Verkehr 2017 ausgezeichnet.

Astrid Neumann

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