Investieren oder abrüsten im Schongauer Plantsch?

Lebensader Röhrenrutsche

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Plantsch-Chef Andreas Kosian muss sich nach eine Nachfolgerin für die Reifenröhrenrutsche umsehen. Sie ist in die Jahre gekommen und verfällt künftig wohl immer schneller.

Schongau – Kann sich die Stadt eine neue Rutsche für das Plantsch leisten? Und wenn ja, wann? Wenngleich die jetzige Röhre sichtbar unter dem Zahn der Zeit zu leiden beginnt, ist der Handlungsbedarf noch nicht allzu akut. Doch weil eine zweite, für die Statik im Keller unumgängliche, Maßnahme kaum mehr Aufschub duldet, könnte das Thema die Stadtoberen schon in Kürze beschäftigen. Der Kreisbote traf sich zum Ortstermin mit Plantsch-Chef Andreas Kosian.

„Es wäre sehr schade, wenn das Plantsch auf dem Höhepunkt seines Erfolges anfangen müsste, seine Attraktionen zurückzubauen“, findet der Bad-Leiter. Wird die derzeitige Reifenrutsche nach Ablauf ihrer Lebensdauer ersetzt und wenn ja, wodurch? In dieser Frage dürften die politischen Entscheidungsträger Schongaus bald ihre Daumen heben oder senken müssen. Denn zwei Komplexe führen dazu, dass sich wohl schon in den nächsten Jahren Handlungsbedarf ergibt.

Da wäre einerseits die Rutsche selbst. Seit das runderneuerte Plantsch Ende 2001 seine Pforten öffnete, ist sie fester Bestandteil des Bades. „Für ihr Alter steht sie noch verhältnismäßig gut da“, weiß Kosian. Der TÜV hat die Attraktion jüngst wieder abgenommen und werde das wohl auch die nächsten drei bis acht Jahre noch tun. Beachtlich, betrage die Lebensdauer ähnlicher Rutschen normalerweise doch nur zehn bis 15 Jahre.

Doch UV-Strahlung sowie Witterung nagen unerbittlich, die äußere Haut weist sichtbare Macken auf. Ab jetzt verfalle die Rutsche exponentiell schnell, so der Plantsch-Chef. Die Schadstellen zu überstreichen sei nur unter großem finanziellem Aufwand möglich, zu wenig Licht fiele dann ins Röhreninnere. Auch eine neue Wärmedämmung sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Immerhin: Das Tragwerk ist noch in tadellosem Zustand.

Im Keller herrscht Handlungsbedarf

Eine Etage tiefer sieht das anders aus. Der Rutschen-Auslauf ist undicht, chlorhaltiges Wasser tropft in den Keller. Die Folge: Das aggressive Nass zerstört teure technische Anlagen und schädigt Betonboden sowie eine tragende Säule. Während die Anschaffung einer neuen Rutsche also noch einen kleineren Aufschub dulden würde, herrscht bei der Statik Handlungsdruck. Eine Sanierung steht an, der beauftragte Fachmann habe das Jahr 2018 ins Auge gefasst, so Kosian.

Reizvolles Timing

Er wirbt dafür, beide Maßnahmen gleichzeitig über die Bühne zu bringen. „Der Zeitpunkt für die politische Willensbildung ist da.“ Dabei werden die Stadt­oberen – Schongau ist Eigentümerin des Bades, Betreiber ein Kommunalunternehmen – mit großen Zahlen jonglieren. Zirka 20 000 bis 50 000 Euro würden die Arbeiten im Keller und am Auslauf wohl kosten. Eine neue Rutsche ist ungleich teurer.

Ein „Jump“ (roter Pfeil), also ein unerwartet steiler Rutschenverlauf, sowie eine optische Täuschung (blau) mit Spezialeffekten – das ist der „Infinity Jump“ des Rutschenbauers Klarer und eines der Highlights, mit dem eine neue Rutsche im Plantsch aufwarten könnte.

Rund 400 000 Euro setzt Kosian für deren Anschaffung als untere Grenze an. Dazu kämen Extras. „Nach oben ist die Grenze, je nach Ausbaustufe, offen.“ LED- und Licht-Spielereien, sogenannte Fake-Elemente, Wasserfälle oder transparente Röhrenabschnitte – interessante Trends gibt es viele. Für 480 000 Euro, schätzt der Plantsch-Chef, ließe sich eine passende Variante erstehen.

Sein Argument für eine zeitnahe Anschaffung: Weil die Bausubstanz des Plantschs zwischen den Jahren 2040 und 2045 wohl die finalen Zügen ihres derzeitigen Lebensabschnitts erreiche, wäre es sinnvoll, wenn auch die neue Röhre zu diesem Zeitpunkt schlapp mache. Andernfalls reiße man ein altes Gebäude um eine noch relativ brauchbare Rutsche herum ab. „Es hätte Charme, deren Lebensdauer ideal auszuschöpfen.“ Deshalb habe Kosian beim Verwaltungsrat die Empfehlung hinterlegt, die Rutsche bis 2020 zu erneuern; bei nicht länger aufschiebbarer Sanierung der Kellerstatik früher.

Doch gibt der Stadtsäckel überhaupt eine Neuanschaffung her? „Ich müsste Verständnis haben, wenn dem nicht so wäre“, räumt der Plantsch-Chef ein. „Ein Verzicht wäre aber ein schwerer Rückschlag.“ Zähle die Rutsche doch neben dem Warmwasserbecken zu den wichtigsten Attraktionen. 500 Rutschvorgänge pro Tag, sonntags bis zu 4 000, zählt die Statistik.

Schmerzlicher Einschnitt

„Diejenigen mit mehr als 20 oder 30 Minuten Anreise kommen nicht nur zum Schwimmen her“, weiß Kosian. Blieben diese Auswärtigen und Touristen weg – derzeit besuchen jährlich 200 000 Menschen das Plantsch – risse das eine klaffende Lücke, die seriös nicht zu beziffern sei.

Doch es besteht Hoffnung: „Bisher hatten wir immer die volle Rückendeckung der Stadt“, lobt der Verantwortliche. „Der Anfang vom Ende eines jeden Bades ist der Investitionsstau. Soweit ist es bisher noch nie gekommen.“ Zumindest die SPD-Fraktion im Stadtrat sendet bereits positive Signale.

„Für mich gehört die Rutsche zum Konzept dazu. Wir sollten auf kein Element verzichten“, findet Friedrich Zeller, unter dessen Ägide als Bürgermeister das neue Plantsch eingeweiht worden war. „Unser Bad hat sich bewährt, genau so wie es ist.“

Daneben hofft Kosian auf den ein oder anderen Geldtopf: Die sogenannte RÖFE-Tourismusförderung könnte bis zu 50 Prozent der Gesamtmaßnahme einbringen, auch energetisch führe eine neue Rutsche zu Einsparungen, die sie für eine Bezuschussung interessant machten. Zusätzlich hofft Kosian auf die Mithilfe großer ansässiger Unternehmen, denen am infrastrukturellen Lebensumfeld ihrer Mitarbeiter gelegen sei.

„Das Plantsch ist eines der am besten funktionierenden Freizeitbäder im weiten Umkreis.“ Nur mit einer neuen Rutsche könne das auch so bleiben.

ras

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