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Belange der Behinderten in Schongau

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Von: Astrid Neumann

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Rampe Rollstuhl Barrierefreiheit
Es sei ganz klar, dass man als Betroffener viele Probleme anders einschätzen und bewerten könne, so Behindertenreferentin Marianne Porsche-Rohrer. © Symbolfoto: Panthermedia/apeyron

Schongau – Seit 2014 gibt es die Stelle eines Behindertenbeauftragten im Schongauer Stadtrat. Nach wie vor übernehme sie dieses Amt freiwillig und gerne, so Marianne Porsche-Rohrer (CSU), die dem Gremium nun einen Überblick über ihre Tätigkeiten gab.

Es sei ganz klar, dass man als Betroffener viele Probleme der behinderten Menschen anders einschätzen und bewerten könne, so Porsche-Rohrer, deren Sohn 2008 im Alter von 30 Jahren an einem Gehirntumor erkrankte und seitdem auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Leider sei die erwünschte Barrierefreiheit bei alten Häusern oftmals nicht so leicht realisierbar. Aber man könne, wie beispielsweise im Rathaus, auch Notlösungen schaffen. „Bei der Poststelle in der Münzstraße scheint das Problem aber unlösbar“, so Porsche-Rohrer in ihren Ausführungen. Bei Neubauten, z.B. bei der Grundschule oder beim Münzgebäude, wurde die Behindertenbeauftragte in der Planungsphase immer wieder zu Gesprächen mit den Architekten eingeladen, um optimale Lösungen zu erarbeiten. Auch bei der Gestaltung der Kneipp-Anlage habe sie zusammen mit Martin Blockhaus vom Bauamt ein Konzept entwickeln können, das es auch behinderten Menschen ermöglicht, sich dort zu erfrischen und zu erholen.

„Anfragen bekomme ich immer wieder von Bürgern, die zum Beispiel einen Behindertenparkplatz an bestimmten Stellen möchten, die einen Parkausweis benötigen oder ihre Wohnung, insbesondere den Sanitärbereich, barrierefrei umbauen möchten“, erläuterte sie. Bemühungen und Gespräche habe es außerdem auch beim Stadtbus und bei der Neugestaltung des Bahnhofs gegeben. Ihre Ansprechpartnerin sei meistens auch die Behindertenbeauftragte des Landkreises Katharina Drohms, wenn sie selbst nicht weiter wisse.

Aber nicht nur Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, benötigen besondere Hilfe. Auch Blinde und Gehörlose gehören zu diesem Kreis, so Porsche-Rohrer. An den neu geschaffenen Ampelanlagen konnten entsprechende Tonsignale und Bodenmarkierungen angebracht werden. „Es gab auch vor einiger Zeit eine Anfrage, die Stadtratssitzungen durch einen Gebärdendolmetscher für gehörlose Menschen zugänglich zu machen. Dieses Vorhaben scheiterte an den Kosten“, so die Behindertenreferentin.

Weiterhin sei es auch ein Anliegen der Behindertenarbeit, für Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten Formulare in einfacher Sprache verfügbar zu haben. „Das kann nach einem Schlaganfall notwendig sein, aber auch Analphabeten und Menschen mit schlechten Sprachkenntnissen profitieren davon, aktuell auch Flüchtlinge und Asylsuchende“, erklärte Porsche-Rohrer.

Als Hauptanliegen möchte sie jedoch nicht einzelne Gebäude oder Treppenstufen in den Vordergrund stellen, so die Behindertenbeauftragte abschließend. „Viel wichtiger ist es, dass jeder Mensch sich darüber im Klaren sein sollte, dass er jederzeit selbst zum Behinderten werden kann.“ Unter diesem Aspekt gelinge es vielleicht, im Alltag mit offenen Augen unterwegs zu sein, beispielsweise einem Menschen mit Rollator oder Rollstuhl die Türe aufzuhalten, beim Parken abgesenkte Gehsteigbereiche an Kreuzungen frei zu halten oder auch mal einen rücksichtslosen Autofahrer darauf hinzuweisen, dass es ganz und gar nicht cool ist, auf Behindertenparkplätzen zu parken, appellierte sie.

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