Misstrauensvotum für Hinterbrandner

Bernbeurens UWG zieht mit Josef Köpf in Bürgermeisterwahlkampf

+
Die Gemeinderatskandidaten der UWG in Bernbeuren. Bei der Wahl zum Bürgermeisterkandidaten setzte sich Josef Köpf (7. v. links) deutlich gegen Amtsinhaber Martin Hiterbrandner (2. v. links) durch.

Bernbeuren – Das kommt einem Misstrauensvotum gleich: Mit nur 48 von 201 möglichen Stimmen ist Amtsinhaber Martin Hinterbrandner bei der Nominierung für Bern­beurens Bürgermeisterwahlen im kommenden Jahr unterlegen. Herausforderer Josef Köpf vereinigte drei Viertel der Stimmen der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) Bernbeuren auf sich.

Schon auf dem Parkplatz vor der Auerberghalle deutete sich an, dass es ein langer Abend werden sollte. Dort hatte sich eine Schlange gebildet, am Eingang hatten Martin Neuber und seine Mitarbeiter gut zu tun, um alle Wahlberechtigten der UWG zu erfassen. So konnte Hinterbrandner erst gegen 21 Uhr die gut 300 Gäste begrüßen. Neben den 201 Wahlberechtigten beobachteten auch Vertreter der zweiten Bernbeurer Liste die Nominierungsversammlung.

Hatte Hinterbrandner noch gemeint, dass „das überwältigend große Interesse an der Gemeindepolitik“ ein gutes Zeichen sei, stellte sich bei der Vorstellung Köpfs heraus, dass das Interesse wohl mehr einer Alternative zum amtierenden Bürgermeister galt. Vor einem guten halben Jahr, so der Herausforderer, seien Mitbürger auf ihn zugekommen, er möge sich zur Verfügung stellen. Trotz der „Rente in Sichtweite“, sei diese Bitte eine „Hausnummer, die es zu überlegen gilt“, gestand der 60-jährige Familienvater, der für die Raiffeisenbank in Steingaden als Versicherungsdienstleiter arbeitet. Während also die Bernbeurer dem dort gebürtigen und „in der Schongauer Stroaß“ lebenden Köpf einen enormen Vertrauensvorschuss zukommen ließen, sprachen sie dem Amts­inhaber ihr Misstrauen aus.

Schon bei den Namensvorschlägen kam „Josef Köpf“ wie aus der Pistole, während einige Sekunden verstrichen, ehe Florian Hipp den Namen Hinterbrandners ins Spiel brachte. Auch bei der Nominierung als Gemeinderat verdeutlichten die Wähler, dass Hinterbrandner dort nicht so sehr gewünscht sei wie ein Gremiumsmitglied Köpf. Dieser erhielt 127 Stimmen (falls er als Bürgermeister nicht gewählt werden sollte), Hinterbrandner kam mit 53 Stimmen auf den vorletzten Listenplatz.

Zuvor hatte der Bürgermeister seine Bilanz der vergangenen fünf Jahre präsentiert. Wirklich Pluspunkte sammelte er dabei nicht. Zwar stieg der Überschuss im Haushalt von gut 200.000 Euro auf derzeit eine Dreiviertelmillion Euro, sank die Pro-Kopf-Verschuldung auf, „für oberbayerische Verhältnisse gute 1.500 Euro“. Auch konnte Hinterbrandner zwei Baugebiete, die bei seiner Amtsübernahme schon in der Planung waren, vollenden. Aber weder beim Thema Seniorenwohnen wies er konkretes vor, noch bei der Nahversorgung. Das Thema Schnitzerstadel erweise sich als das befürchtet „dicke Brett“, so Hinterbrandner. Doch auch ansonsten sei man nicht untätig gewesen: Grund für Ausgleichsflächen sei erworben worden und nur dort nicht gekauft, wo das mit Risiko behaftet gewesen wäre. Auch die Abwasserkanäle ging die Gemeinde an, der Hochwasserschutz sei abgeschlossen. Neben Investitionen in die Feuerwehr werde jeder Haushalt in Bernbeuren ab Ostern 2020 mit mindestens 30 MBit pro Sekunde versorgt.

Während der Hochwasserschutz bereits „bezahlt“ ist, lastet die Ortsdurchfahrt schwer: zum einen auf den Anwohnern, weil die Arbeiten nach gut anderthalb Jahren noch nicht beendet sind; zum anderen mit gut fünf Millionen Euro auf dem Haushalt der Kommune, wobei ein Teil noch zu finanzieren ist, wie Hinterbrandner feststellte. Etwas resignierend stellte er fest, dass man von der „großen Politik“ nichts erwarten dürfe. Er habe, gestand er, vom Erbe Heimo Schmids profitiert, der ein Netzwerk zu den Nachbargemeinden hinterlassen habe und gute Kontakte zu Behörden. Für die kommenden Jahre aber verspreche er nichts, so Hinterbrandner, der nur die schon erwähnten Schwerpunktaufgaben definieren wollte.

Demgegenüber ging es Köpf vor allem um solide Gemeindefinanzen. Er wolle bei den entsprechenden Stellen vorstellig werden und sich die Sorgen der Mitbürger anhören.

Auf Nachfrage des Kreisboten ließ Hinterbrandner, der bei den Wahlen 2014 nur mit 36 Stimmen Vorsprung gegenüber Karl Schleich von der Wählergemeinschaft lebendiges Bernbeuren ins Rathaus eingezogen war, offen, wie es weitergeht. „Es sind alle Optionen offen“, so der Bürgermeister, der zuvor angedeutet hatte, eventuell mit einer eigenen Liste antreten zu wollen. In den kommenden Tagen hält auch die Liste Wählergemeinschaft lebendiges Bernbeuren ihre Nominierungsversammlung ab. 

Gemeinderatskandidaten der UWG Bernbeuren

Oliver Sprenzel, Erich Knut, Michael Hurm, Josef Köpf, Jakob Bißle, Richard Weiher, Kathrin Zillenbiehler, Markus Socher, Stefan Waibel, Markus Seelos, Sandra Strum, Markus Wölfle, Hermann Suiter, Martin Hinterbrandner und Harald Pötz.

gau

Auch interessant

Meistgelesen

Zukunft der Fuchstalbahn: Beschlüsse in Kreis- und Landtag
Zukunft der Fuchstalbahn: Beschlüsse in Kreis- und Landtag
Bratwurst to go am Marienbrunnen?
Bratwurst to go am Marienbrunnen?
Es riecht was faul im Schongauer Westen
Es riecht was faul im Schongauer Westen
Beschluss zum Marienheim-Neubau ruht
Beschluss zum Marienheim-Neubau ruht

Kommentare