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Bernbeurens Haushalt: Sorgenkind Dorfladen und hohe Personalkosten

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Von: Oliver Sommer

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Marie Burg Bernbeuren
Kämmerin Marie Burg stellt die Zahlen vor. © Schorer

Bernbeuren – Die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen haben auch Bernbeuren schwer getroffen. Zwar erholen sich die Finanzen langsam, doch noch reichen vor allem die Einnahmen nicht an das Vorkrisen-Niveau heran, während allenthalben die Ausgaben, vor allem bei den Personalkosten, steigen. Zum ersten Mal präsentierte Marie Burg den Haushalt Bernbeurens als Kämmerin der Gemeinde. 

Schon 2021 hatte Marie Burg den Haushaltsentwurf präsentiert, Corona-bedingt erst Ende August. Heuer nun konnte die am 1. März zur Kämmerin bestellte Verwaltungsmitarbeiterin einen Monat früher das Zahlenwerk vorlegen, das diesmal ohne Kredit- und Darlehensaufnahme auskommt. Das Volumen des Verwaltungshaushaltes beträgt 5,616 Millionen Euro, das des Vermögenshaushalts 1,5 Millionen Euro. Trotz der schwierigen Lage werde man aber weiterhin investieren, betonte Marie Burg, und vor allem bei Themen, die, wie das Feuerwehr-Wesen, die Grundschule oder die Wasserversorgung, auch entsprechend gefördert, also teilweise kofinanziert werden. Waren die Schulden 2021 über die Vier-Millionen-Euro-Marke geschnellt, betonte Burg, dass es heuer nur eine Tilgung geben werde und die Pro-Kopf-Verschuldung auf 1.555 Euro sinken wird; diese lag zu Beginn des Jahres noch bei weit über 1.600 Euro.

Erstmals ist 2022 das Volumen des Verwaltungshaushaltes über die Fünf-Millionen-Euro-Marke gerutscht, was auch den Schlüsselzuweisungen von gut einer Million Euro zu verdanken ist. Knapp über 1,5 Millionen Euro darf sich die Auerberggemeinde aus der Einkommenssteuer (1,42 Mio. Euro) und dem Einkommenssteuer-Ersatz erhoffen, wobei beide Werte zwar besser als 2020 aber dennoch schlechter als 2019 ausfallen. Auch der Anteil an der Umsatzsteuer fällt heuer so niedrig aus, wie seit fünf Jahren nicht mehr. Dafür allerdings sind eben die Schlüsselzuweisungen, mit zwei Jahren „Verspätung“, so üppig wie noch nie; die Schlüsselzuweisungen beziehen sich immer auf das Vor-Vorjahr, also bei 2022 eben auf 2020, als die Pandemie Bernbeuren richtig im Griff hatte. Burg fügt bei den Einnahmen hinzu, dass man mit einem eher moderaten Ansatz rechne und natürlich, vor allem bei der Gewerbesteuer, auf mehr hoffe. „Wir sind da schon recht pessimistisch“, erklärte Burg. Netto, also nach Abzug der Umlage, werden Bernbeuren von den Gewerbesteuereinnahmen voraussichtlich nur etwa 526.000 Euro bleiben.

Kostenrechnende Einrichtungen

Neben vielen weiteren Einrichtungen einer Kommune müssen drei Posten immer kostenrechnend sein, dürfen also weder große Überschüsse abwerfen noch längere Zeit ein Defizit generieren. Dazu gehören die Wasserversorgung, die Abwasserbeseitigung und das Bestattungswesen. Bei ersterer sind die Kosten über den Wasserpreis steuerbar, ebenso wie beim Abwasser. Beide Einrichtungen haben in den vergangenen Jahren ein Defizit angehäuft, insbesondere die gestiegenen Energiekosten wie auch die Personalkosten schlagen da zu Buche. Beim Abwasser wurden die Gebühren zum 1. Januar 2021 erhöht, weshalb ein Plus in der Rechnung zu sehen ist. Allerdings werde der Überschuss wohl schon nächstes Jahr wieder aus den Bilanzen verschwinden. Auch die Anpassung der Gebühren an das Kalenderjahr war ein einmaliger Effekt, der für Mehreinnahmen gesorgt hat, erklärte Burg.

Weiterhin Sorgenkind bleibt der Dorfladen, für den Burg heuer ein kräftiges Minus erwartet. Allerdings mache man sowohl beim Lebensmittel- wie auch Haushaltswareneinkauf ein „gutes Geschäft“, beide Posten werfen etwa 60.000 Euro Gewinn ab. Demgegenüber stehen aber erneut gestiegene Personalkosten sowie sonstige betriebliche Sachkosten. So haben sich die Personalkosten zwischen 2018 und heuer mehr als verdoppelt, steigen von 46.000 Euro 2018 auf rund 60.000 Euro im Jahr 2020 und reißen heuer mit 110.000 Euro die 100.000 Euro-Grenze. Allerdings ist in der Summe ein Puffer enthalten, sagte Burg.

Auf der Ausgabenseite sind neben der Kreisumlage auch die Kosten der Verwaltungsgemeinschaft enthalten, die Personalkosten eben und die Zuführung zum Vermögenshaushalt. Nachdem der Landkreis Weilheim-Schongau mit die höchste Kreisumlage in ganz Oberbayern hat, ist die Abführung der Gelder nach Weilheim erneut gestiegen, liegt aber noch unter dem Niveau der beiden Corona-Jahre 2020 und 2021. Beim Personal haben die Kosten dieses Jahr erstmals die halbe Million Euro überstiegen; neben einer Tarif­erhöhung sind in den 120.000 Euro Mehrkosten auch Überstunden und Urlaub enthalten. Trotz allem ergibt sich im Verwaltungshaushalt ein Überschuss von einer knappen halben Million Euro, der zum Vermögenshaushalt zugeführt wird. Damit werden die Investitionen bezahlt, weshalb Bernbeuren dieses Jahr ohne Neuverschuldung auskommt. Geld fließt zudem aus dem Verkauf von Grundstücken und Zuweisungen bzw. Fördergeldern wie etwa bei der Feuerwehr und der Grundschule. So fließen für das neue Löschfahrzeug heuer 100.000 Euro, die Grundschule bekommt Zuwendungen für die Digitalisierung und den Glasfaseranschluss.

Auch für die Sanierung der Kneippanlagen gibt es Gelder, rund 18.000 Euro Zuweisungen stehen aber 25.000 Euro Kosten gegenüber. Pari geht es beim Thema Hochwasserschutz aus, während die Kommune 40.000 für das integrale Rückhaltekonzept ausgegeben hat, flossen für dieses Konzept 40.000 Euro zurück ins Gemeindesäckel. Auch bei der Abwasserbeseitigung kann sich Bernbeuren über Beiträge und Einnahmen freuen, gleichzeitig aber fließen die Gelder in die Herstellung der Kanäle und an den Abwasserzweckverband ab; der wird heuer im Übrigen um einen Teilnehmer erweitert, die Gemeinde Steingaden schließt sich dem AZV-Lechbruck-Bernbeuren an und zahlt dafür. Ähnlich sieht es auch bei der Wasserversorgung aus, allein für die hydraulische Ausrüstung und die Modernisierung der Brunnen und Pumpen muss die Kommune heuer 100.000 Euro auf den Tisch legen, in den nächsten Jahren bis 2025 werden dann weitere rund drei Millionen Euro fällig.

Zahlen, die die Gemeinderäte so schon aus dem Vorbericht kannten, so dass sich Marie Burg auf das Wesentliche in ihrem Vortrag konzentrieren konnte. Der Haushaltsentwurf passierte den Gemeinderat ohne Diskussionen und ohne eine Gegenstimme.

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