Neue Bürgermeister

Zwei Mittzwanziger in die Rathäuser Steingadens und Prems

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Das Unesco-Weltkulturerbe Wieskirche im Rücken: Mit Max Bertl (links) und Andreas Echtler zieht die junge Generation ins Steingadener und Premer Rathaus ein.

Steingaden/Prem – Wenn Anfang Mai sowohl in Steingaden als auch in Prem zur konstituierenden Sitzung geladen wird, der neu gewählte Gemeinderat samt Bürgermeister ihre Arbeit aufnehmen, werden Xaver Wörle und Herbert Sieber nicht mehr an der Spitze ihrer Gemeinden stehen. Beide hatten im Vorfeld schon bekannt gegeben, zur jüngsten Kommunalwahl nicht mehr antreten zu wollen. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die beeindruckende Amtszeit der beiden politischen Urgesteine, bemerkenswert ist auch der Blick auf ihre beider Nachfolger: Mit Max Bertl und Andreas Echtler wird nämlich eine besonders junge Generation Bürgermeister ins Rathaus einziehen, denn beide sind noch keine 30 Jahre alt.

Stolze 24 Jahre stand Xaver Wörle dem Steingadener Rathaus vor; als der heute 64-Jährige sein Bürgermeisteramt antrat, war sein Nachfolger Max Bertl gerade einmal zwei Jahre alt. Nicht wenige Gemeindevertreter des Landkreises prägten mit ihrer langjährigen Präsenz eine ganze Generation. Im Falle Max Bertls, der zu großen Teilen in Peiting aufwuchs, hieß der Bürgermeister beispielsweise immer Michael Asam. „Es gab eben einfach nur einen amtierenden Bürgermeister in meiner Jugendzeit“, fasst Bertl zusammen. Beeindruckt habe ihn das schon, auch die Präsenz, die so einer wie Michael Asam ausstrahlt. Beide kennen sich gut. Als Vorsitzender des Freundeskreises zwischen Peiting und der Partnergemeinde Calvi konnte Max Bertl viel Unterstützung durch ihn erfahren.

Mit Schnaps besiegelt

Richtig „heiß“ gemacht auf das Amt des Bürgermeisters habe ihn jedoch ein Anderer, nicht weniger ein Urgestein wie der noch amtierende Peitinger Rathaus­chef, verrät Max Bertl. Altbürgermeister Klement Sesar war es, der den 26-Jährigen ermutigte, zu kandidieren. Seit Jahren unterstützt Sesar den politischen Werdegang Bertls – und so sollte auch der Altbürgermeister sein erster Anlaufpunkt sein, als die Frage einer Kandidatur aufkam. „Er hat mir quasi den Schubser über die Türschwelle gegeben“, lacht Bertl. Er als 26-Jähriger hätte die nötige Energie, hatte Sesar den jungen CSUler beschworen. „Die Idee haben wir dann mit einem Schnaps besiegelt – und geklappt hat es auch!“

Knapp 30 Jahre kommunalpolitische Erfahrung, davon drei Legislaturperioden als Premer Rathauschef, kann Herbert Sieber für sich verbuchen. Der heute 65-Jährige ist damit fast zweieinhalb Mal so alt wie sein Nachfolger Andreas Echtler. Angst vor dessen großen Fußstapfen hat Echtler nicht, aber sehr viel Respekt. Schon in Rahmen seines Wahlkampfes habe er sich großen Zuspruchs erfreut, sagt Andreas Echtler. „Und das nicht nur von meiner Altersgruppe!“ Auch einige „alte Hasen“ hätten ihn ermuntert, zu kandidieren. „Als echter Premer motiviert mich das natürlich noch mehr, die positive Entwicklung unseres Dorfes voranzubringen“, sagt der 25-Jährige selbstbewusst.

Durch Gespräche

Die Frage ihres Alters sei ihnen eigentlich zu keiner Zeit im Weg gestanden, bestätigen beide. Überzeugen konnten Max Bertl und Andreas Echtler tatsächlich mit einem engagiert geführten Wahlkampf; nicht weniger als drei Herausforderer hatte beispielsweise Max Bertl „im Nacken“. „Vereinzelt hat es wohl schon Vorbehalte bezüglich meines Alters gegeben“, sagt er. Das habe sich jedoch immer dann gelegt, wenn persönliche Gespräche, ein Kennenlernen an unzähligen Steingadener Haustüren stattgefunden haben. „Teilweise wurde ich dann sogar älter als 26 Jahre geschätzt“, lacht Bertl.

Seinen tiefen Premer Wurzeln, seiner Authentizität habe er es zu verdanken, dass sein Alter nie wirklich eine Rolle im Wahlkampf gespielt habe, kann Andreas Echtler bestätigen. Eher im Gegenteil. „Mein Alter, aber auch meine Ansichten und Ideen hatten wohl einigen Premern die Hoffnung auf positive Veränderungen gegeben“, zeigt er sich überzeugt. Dass er sich so klar gegen seinen Herausforderer Michael Christa durchsetzen konnte, führt Echtler auch auf sein Engagement im Ehrenamt, seiner Ausbildung und diversen Fortbildungen zurück. Der Wirtschaftsfachwirt (IHK) und Betriebswirt (IHK) gilt als zielstrebig und ambitioniert, vergisst dabei aber nie seine Wurzeln.

Dennoch wurden beide von ihrem Wahlerfolg auch ein wenig überrollt. Max Bertl etwa brauchte eine Weile, um zu verinnerlichen, dass sich sein Leben in Bälde völlig verändern wird. Mit zwei Freunden habe er den Wahlausgang im Rathaus verfolgt, erzählt der Sparkassenfachwirt. „Zunächst konnte ich das Ergebnis gar nicht realisieren, weil ich dachte, ein Wahlbezirk fehlt ja noch“, erinnert er sich. Auf dem Weg zur Taverne, wo Familie und Freunde auf ihn warteten, traf ihn die Erkenntnis schließlich – mit voller Wucht. Es hat geklappt. „Wahnsinn!“, sagt Bertl.

Bürgernähe

Auf die Frage, mit was sie letztlich ihre Wähler überzeugen konnten, werden beide kurz still, wirken fast schon in sich gekehrt. Dass ein Wahlkampf auch schlaucht, ist beiden anzusehen. „Ich glaube durch meine Bürgernähe“, sinniert Max Bertl – und klingt da fast schon wie ein langjähriger Berufspolitiker. Doch tatsächlich hat man dem 26-Jährigen seine Ideen für Steingaden abgenommen. Einen Blick auf die individuellen Probleme ihres Ortes und der Bürger haben beide wohl glaubhaft geworfen; beide haben viele intensive Gespräche geführt, haben zugehört und gelernt. Diesen persönlichen Kontakt möchten beide gerne weiter aufrechterhalten. „Das ist in den Zeiten der Digitalisierung wichtiger denn je“, zeigt sich Max Bertl überzeugt.

Bis es Anfang Mai soweit sein wird, beide ihren Platz im Bürgermeisterzimmer einnehmen werden, müssen Max Bertl und Andreas Echtler noch einiges an Einarbeitung bewältigen. Beide noch amtierenden Bürgermeister, Xaver Wörle und Herbert Sieber, stehen mit Rat und Tat, aber auch mit einer in Jahrzehnten aufgebauten Erfahrung, zur Seite. Auch den Mitarbeiterstab in beiden Rathäusern haben Bertl und Echtler schon kennengelernt – oder bereits schon gekannt. „In Prem kennt man sich einfach“, lacht Andreas Echtler, eine offizielle Vorstellungsrunde sei da nicht nötig.

"Youngster" am Drücker

Die kommenden sechs Jahre werden nun zwei „Youngster“ die Geschicke der Gemeinden Steingaden und Prem leiten. Der Zuspruch von außen, nicht nur im Zuge des Wahlkampfes, gibt beiden Mut. Blickt Max Bertl aus dem Fenster seines zukünftigen Arbeitsplatzes in Steingaden, kann er das Welfenmünster sehen. Er liebt diesen Blick, er ist ihm vertraut. Andreas Echtler pflichtet ihm bei. Blicke er aus dem Fenster seines Amtssitzes, sehe er „ein schönes, gesundes und funktionierendes Prem, auf das wir sehr stolz sein können!“

pae

Im Rückblick: Die Aufstellung Bertls und Echtlers.

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