Schulprofil Inklusion

Überzeugendes Schul-Triplett

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Verstärken ihren Austausch: Die drei Schulleiter Dr. Burkhard Küster (Berufsschule Weilheim, links), Thomas Schütz (Berufliches Schulzentrum Schongau, Mitte) und Peter Glück (Albrecht-Schnitter-Berufsschule Herzogsägmühle, rechts) beim Festakt.

Herzogsägmühle – Einiges vorgenommen haben sich die Albert-Schnitter-Berufsschule Herzogsägmühle, das Berufliche Schulzentrum Schongau und die Berufsschule Weilheim. Um ihre Inklusionsbemühungen zu intensivieren, bauen sie die Vernetzung untereinander aus. Lohn dafür ist die Verleihung des Schulprofils Inklusion. Beim Festakt im Rainer Endisch Saal in Herzog­sägmühle am Montag sparten die geladenen Festgäste nicht mit Lob, hielten aber gleichzeitig fest, dass das Thema im ganzen Landkreis Weilheim-Schongau weiterhin weit oben auf der Agenda stehen müsse, um dringende Verbesserungen zu realisieren.

Das Berufliche Schulzentrum Schongau hat eine Vision: Jeder einzelne Schüler solle „passgenau“ gefördert werden, um ihm größtmögliche Chancen auf Teilhabe einzuräumen, heißt es in einer Mappe, die bei der Feierstunde am Montag ausgegeben wurde. Dafür seien die Lehrkräfte zu „sensibilisieren“ und zu „professionalisieren“. Dieses Bestreben eint das Schulzentrum mit der Berufsschule Weilheim und der Albrecht-Schnitter-Berufsschule in Herzogsägmühle.

"Beeindruckt" und "begeistert"

Für den Schritt, die Zusammenarbeit in Hinblick auf das Erreichen dieser Vision zu intensivieren, gab es seitens der Politik großes Lob. Einen „wichtigen Schritt für die Bildungsregion“ wollte Landtagsabgeordneter Harald Kühn (CSU) erkannt haben. „Beeindruckt von dieser Vernetzung“ zeigte sich auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU). Die „Stärkung des Miteinanders“ sei der genau richtige Weg, um mittels individueller Lernbedingungen Hürden auf dem „Weg zum Traumberuf“ abzubauen. Regelrecht „begeistert“ sei er gewesen, als er davon erfahren habe, dass das Berufsschul-Trio mit dem Schulprofil Inklusion bedacht werde, sagte Michael Asam (SPD), der in seiner Funktion als Peitinger Bürgermeister und Vizepräsident des Bezirkstags zum Rednerpult geschritten war. „Inklusion in Herzogsägmühle – so weit, so altbekannt“, sei sein erster Gedanke gewesen, ehe er realisiert habe, dass auch die Einrichtungen in Schongau und Weilheim mit im Boot seien. „Mit ihrer Zusammenarbeit nehmen diese drei Berufsschulen eine echte Vorreiterrolle ein“, war er sich sicher. Dass Berufsschulen sich für das Schulprofil Inklusion mittels einer Bewerbung in Stellung brächten, sei tatsächlich eine Rarität, bekräftigte Regierungsschuldirektorin Barbara Schall-Pätzholz. Dabei sei es vor allem dort wichtig, den Inklusionsgedanken hochzuhalten. Finde doch genau hier die „Vorbereitung aufs Berufsleben und die Lebenswelt“ statt. „Die Berufsschulen helfen den Menschen, sich weiterzuentwickeln und Teil der Gesellschaft zu werden.“ Stärken individuell zu fördern, sei der Schlüssel, um die „Chancen auf das Lebensglück“ zu wahren, erkannte auch Landtagsabgeordneter Florian Streibl (Freie Wähler).Bei diesem Bestreben setzen die drei Schulleiter Thomas Schütz (Schongau), Dr. Burkhard Küster (Weilheim) und Peter Glück (Herzogsägmühle) große Hoffnungen in die gemeinsame Zusammenarbeit.

Vielgestaltige Bedürfnisse

„Gemeinsam decken wir eine große Breite an Ausbildungsberufen ab“, sagte Schütz, der ebenso wie seine Kollegen große Schnittmengen hinsichtlich Schülern mit Förderbedarf nannte. „Wir begegnen verstärkt sozial-emotionalen Defiziten und psychischen Beeinträchtigungen“, so der Leiter des Beruflichen Schulzentrums in Schongau. Bedingt durch die angebotenen Fachbereiche sei – anders als in Weilheim – auch die Zahl körperlich behinderter Schüler steigend.

Um diesen breit gefächerten Bedürfnissen ihrer Schülerschaft besser Rechnung tragen zu können, haben die drei Schulen einen 15 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog erstellt, dessen Umsetzung dank der Verleihung des Schulprofils forciert werden soll: Angefangen bei einer Lerneingangsanalyse über die Erstellung eines individuellen Förderplans soll eine bedarfsgerechte Betreuung etabliert werden, unter anderem gemeinsame pädagogische Konzepte erstellt, pädagogische Klassenkonferenzen abgehalten sowie die Lern- und Unterrichtsmethodik verbessert werden.

Ressourcen fehlen

„Aktuell ist mangels Ressourcen und der großen Herausforderung für die Lehrer manchmal schon beim ersten Schritt Schluss“, bedauert Küster, der aber auf eine Verbesserung auf „lange Sicht“ hofft. Weitere konkrete Maßnahmen, die durch die Zusammenarbeit als „Triplett“ ermöglicht werden sollen, sieht das Schulleiter-Trio beispielsweise darin, Schüler bei Bedarf temporär zwischen ihren Einrichtungen hin- und herwechseln zu lassen – also beispielsweise von Weilheim nach Herzogsägmühle – und die Lehrmaterialien gemeinsam durch die Lehrerschaften auf Verständlichkeit hin zu überprüfen. „Ein Buch aufschlagen zu lassen und so den Unterricht zu bestreiten, funktioniert heutzutage nicht mehr“, so Schütz.

„Inklusion bedeutet, den Menschen ihre Würde zu geben, dafür ist der richtige Platz in der Arbeitswelt unabdingbar“, brachte Streibl seine Überzeugung auf den Punkt. In einer „immer erbarmungsloseren Gesellschaft“ werde die Würde des Menschen entgegen des Grundgesetzes nach wie vor „tagtäglich angetastet“. 

ras

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