Bikepark an der Schärfls Halde

Prinzipiell leise genug

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Im Computer existiert der Bikepark an der Schärfls Halde bereits. Ob er jemals realisiert wird, ist auch nach der jüngsten Bauausschussitzung weiter offen.

Schongau – Kommt der Bikepark auf der Schärfls Halde oder nicht? Die Frage ist auch nach der ersten Bauausschusssitzung unter der Leitung des neuen Bürgermeisters Falk Sluyterman nicht beantwortet.

Im Mittelpunkt der teils hitzigen Diskussion über das Projekt stand der zu erwartende Lärm. Scheitern könnte das Vorhaben allerdings noch aus einem ganz anderen Grund. 

Fahrradfahren ist eigentlich eine leise Art der Fortbewegung, weshalb auch bislang noch niemand auf die Idee gekommen ist, an Radwegen einen Lärmschutzwall zu fordern. Doch wie sieht es aus, wenn Mountainbiker mit ihrem Sportgerät ein welliges Terrain wie die Schärfls Halde hinabrasen und dabei womöglich angefeuert werden? Mit dieser Frage hat sich Thomas Hils beschäftigt. Den Auftrag hatte dem Schallschutzgutachter der Schongauer Bauausschuss im Januar erteilt, nachdem im Gremium Bedenken aufgekommen waren, der Lärm des geplanten Bikeparks könnte zu Problemen mit den Anwohnern führen. 

Am Dienstag stellte Hils die Ergebnisse seiner Untersuchung vor. Man habe die Situation vor Ort sehr detailliert überprüft und dabei auch die Streckenführung optimiert, erklärte er. In der Simulation sei man von 130 Sportlern ausgegangen, die sich auf dem Gelände bewegen, was laut dem Planer die Maximalauslastung der Anlage sei. „Mit dem Ansatz sind wir auf der sicheren Seite.“ Außerdem ermittelte Hils Büro den Geräuschpegel, der durch Mountainbikes auf Schotterwegen entsteht, wohl wissend, dass für die geplanten Strecken Humus als Grundlage dienen soll. „Wir haben hier den worst case betrachtet“, erklärte der Fachmann. 

Trotz der großzügigen Annahmen sei der gesetzliche Grenzwert während der Öffnungszeit von morgens bis abends 22 Uhr um sechs Dezibel unterschritten worden, berichtete Hils. Eine Einschränkung musste er allerdings machen. Während der Ruhezeit an Sonn- und Feiertagen zwischen 13 und 15 Uhr werde die Vorgabe nur knapp eingehalten. Hier seien Störungen nicht auszuschließen, etwa durch laute Musik oder lautes Rufen. Für Stadtbaumeister Ulrich Knecht war dies ein kleiner Wermutstropfen, dem man allerdings Rechnung tragen müsse. „Rechtssicher wäre es, wenn wir den Betrieb in dieser Zeit untersagen. Dann wäre alles in Ordnung.“ 

Doch damit gingen nicht alle d'accord. Vor allem Michael Eberle (CSU) und Stephan Hild (UWV), die schon in der Januar-Sitzung die Lärmbelästigung der Anwohner befürchtet und deshalb auf das Gutachten gedrängt hatten, wollten sich damit nicht zufrieden geben. Sie kritisierten, dass Hils in seiner Rechnung die Papierfabrik vergessen habe. Mit der Antwort des Experten, dass es sich bei den Emissionen von UPM um gewerblichen Lärm handle, der in diesem Fall, in dem es um Freizeitlärm gehe, nicht beachtet werden müsse, wollte sich Hild nicht abspeisen lassen. „Ich bin schockiert, dass hier der Lärm nicht addiert wird, denn er addiert sich für die Anwohner.“ 

Außerdem vermisste er die Einberechnung jener Personen, die nicht als Sportler auf der Anlage seien. „Die verursachen bestimmt mehr Geräusche als die Radler.“ Diesen Einwand konnte Hils schnell entkräften. „Wir sind von 70 Sportlern und 60 Zuschauern ausgegangen, die reden und auch mal laut rufen.“ 

Die Bedenken der Awohner, von denen einige der Sitzung als Zuschauer beiwohnten, wollte auch Siegfried Müller (ALS) nicht gänzlich vom Tisch wischen. Auch seine Fraktion habe einen Brief der Betroffenen erhalten, in dem sich diese vehement gegen den Bikepark aussprachen. Es sei normal, dass mehr Lärm auf Widerstand stoße, sagte er. „Wobei wir hier schon einen Unterschied machen müssen zwischen Verkehrslärm und dem von Kindern und Jugendlichen.“ Einen Standort, an dem keiner beeinträchtigt werde, das habe die Vergangenheit gezeigt, werde man aber nicht finden, betonte er. „Da müssen wir als Stadt abwägen.“ 

Es war der Einstieg in eine Grundsatzdiskussion. Während die CSU keinen Hehl daraus machte, dass sie die Investition von 150000 Euro in einen Bikepark angesichts vieler offener Baustellen für falsch halte und dass der Standort in ihren Augen nicht nur wegen des Lärms, sondern auch wegen des zu erwartenden Verkehrs am Dornauer Weg und wegen des abschüssigen Terrains ungeeignet sei, beharrten SPD und ALS auf einer Umsetzung. 

Gerade die Hanglage biete optimale Voraussetzungen, betonte Ilona Böse. „Wir müssen hier nichts künstlich schaffen.“ Der Zugang erfolge zudem über die Lechuferstraße, was auch Bauamtsmitarbeiter Martin Blockhaus bestätigte. Und überhaupt käme der Großteil ja mit dem Fahrrad und nicht mit dem Auto. „Wir müssen jetzt endlich Position beziehen: Wollen wir etwas für die Jugend schaffen oder nicht?“, forderte die SPD-Fraktionschefin. „Jeder redet von den Fachkräften von morgen, also müssen wir etwas tun, damit die Jugendlichen bleiben.“ 

Das sah Eberle anders. „Wir jammern hier auf hohem Niveau. Wir bieten mit dem Eisstadion, dem Plantsch, dem Jugendzentrum und den vielen Spielplätzen bereits sehr viel. Da müssen wir nicht jedes Randsegment bedienen.“ Und Fraktionskollege Paul Huber legte nach. „Wenn man es nicht einmal schafft, den Aufzug im Heilig-Geist-Spital zu reparieren, dann kann man sich auch kein neues Spielzeug kaufen“, wetterte er und kritisierte die Fokussierung auf die Jugend. 

Als Bettina Buresch (ALS) daran erinnerte, dass man beim Verkauf des Bolzplatz-Geländes an der Marktoberdorfer Straße ja versprochen habe, für adäquaten Ersatz zu sorgen, blieb Eberle dabei, dass man das Geld für dringendere Projekte wie etwa der Sanierung des Eisstadions ausgeben sollte.

Abseits aller Streitpunkte könnte dem Bikepark noch aus einer ganz anderen Richtung das Aus drohen. Bevor man mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes beginnen könne, müsse erst einmal die Pflanzen- und Tierwelt an der Schärfls Halde untersucht werden, wies Knecht hin. Im Klartext: Werden schützenswerte Arten gefunden, ist der Standort eh gestorben. Gegen eine Stimme stimmte der Bauausschuss dafür, ein derartiges Gutachten in Auftrag zu geben. Auch der Forderung von Hild, diese Zeit zu nutzen, um auf die Anwohner zuzugehen und sie zu informieren, stimmte das Gremium gegen eine Stimme zu.

Christoph Peters

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