Weiter auf Kurs

Raiffeisenbank Pfaffenwinkel zieht trotz Erschwernissen positive Bilanz

+
Die beiden Vorstände Stephan Rupprecht (links) und Mario Lindauer (rechts) sind zufrieden.

Peiting – Die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel hält in schwierigen Gewässern Kurs. Diesen Eindruck haben die beiden Vorstände Stephan Rupprecht und Mario Lindauer bei der Vertreterversammlung Mitte Mai und beim Pressebilanzgespräch vergangenen Dienstag vermittelt.

„Wir präsentieren unsere Zahlen mit Stolz“, fasst Rupprecht zusammen. Auf eine Bilanzsumme von 742,3 Millionen Euro kam die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel im Jahr 2017, zuvor waren es 713,8 Millionen gewesen. Für Lindauer Beleg eines stetigen Wachstums, das sich durch Nachhaltigkeit auszeichne, weil es nicht überproportional und damit risikobehaftet sei.

Von im Vorjahr 493,2 Millionen Euro auf 516,5 Millionen Euro sind die bilanziellen Kundeneinlagen gestiegen. Das Kundenkreditgeschäft ist von 354,4 Millionen auf 394,5 Millionen angewachsen – ohne jene Vorgänge, die beispielsweise aufgrund ihrer langen Laufzeit an Partner im Verbund vermittelt wurden. „Eine zufriedenstellende Entwicklung“, findet Rupprecht, die aber der politischen Einflussnahme unterliege und damit anfällig, zum Beispiel für Entwicklungen in Italien, sei.

"Ganz beachtlich"

Das betreute Kundenvolumen rangiert schon seit 2015 im Milliardenbereich – und ist erneut angewachsen. Nämlich von insgesamt – also inklusive dem Verbund-Anteil – 1.098 Millionen auf 1.194 Millionen Euro. „Für eine kleine regionale Bank ganz beachtlich“, findet Rupprecht, der darin einen Vertrauensbeweis sieht.

Ende 2017 blieb der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel ein Bilanzgewinn von 1,21 Millionen Euro gegenüber 1,29 Millionen im Vorjahr. 857.701 Euro davon wandern in den Posten „andere Rücklagen“, erklären die Vorstände, 351.460 Euro werden als Dividende an die Mitglieder ausbezahlt. „Weil es uns gut geht und wir dieses Ergebnis weitergeben wollen“, fasst Rupprecht zusammen. Relativiert steht in der Gewinn- und Verlustrechnung mit 1,26 Prozent der Bilanzsumme eine erfreuliche Zahl. Sie lag 2016 noch bei 1,23 Prozent und übertrifft seit Jahren den Gesamt-Verbund-Durchschnitt, der 2017 0,92 Prozent betrug (2016: 0,95) und damit auch noch deutlich über der als lebensnotwendig zu erzielenden Benchmark von 0,65 landet. Letztere sei das Mindest­ergebnis um die Kosten überhaupt noch tragen zu können, erklärt Rupprecht.

Doch auch wenn sich die eigenen Zahlen für die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel gut lesen: Perspektivisch stehen auch ihre Ergebnisse unter Druck. Schuld daran sei die wohl weiter einknickende Zinsspanne. Sie ist die eigentliche Ertragsquelle jeder Bank, erklärt Lindauer. Weil die Betriebskosten sowieso schon so gut wie weitestmöglich reduziert worden sind – unter anderem sei die schlanke Organisation mitursächlich für das noch erfreuliche Ergebnis – ließe sich mittlerweile nur noch schwerlich Einsparpotenzial finden. „Die Niedringzinsphase nagt“, so Lindauer. „Und irgendwann ist beim Reduzieren der Kosten ein Ende erreicht.“ Kurz: Solange die Niedrigzinsphase anhalte, falle es zunehmend schwer, die Kosten noch mit dem Ertrag aus dem Zinsgeschäft zu decken.

Daneben erschwerten aufsichtsrechtliche Vorgaben das Tagesgeschäft. „Das wird immer mehr“, ächzt Lindauer angesichts auflaufender Arbeitsanweisungen, die teils an die 180 Seiten fassten. „Sowas beschäftigt uns dann wochenlang.“

Fusion derzeit kein Thema

Darüber, derlei Unbillen und die angespannte Lage auf dem Finanzmarkt mittels einer Fusion zu meistern, werde derzeit nicht ernsthaft nachgedacht. „Wir haben eine ordentliche Größe“, findet Lindauer. „Und für jeden Fachbereich unsere Spezialisten“, sieht Rupprecht die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel personell gut aufgestellt.

Diese Experten nicht nur von außerhalb für den derzeit 116 Mitarbeiter zählenden Stamm zu gewinnen, sondern auch selbst auszubilden, sei das erklärte Ziel. Vier bis fünf Azubis sucht die Bank pro Jahr in der Absicht, diese hernach auch zu übernehmen. Aktuell sind es insgesamt 14 Auszubildende. Wobei Quantität und Qualität der Bewerber schwinden – und die fertigen Absolventen sich öfter anderweitig umorientieren, als Lindauer und Rupprecht lieb ist.

Fluktuation gab es jüngst auch weiter oben in der Hierarchie zu verzeichnen: Georg Echtler aus Ingenried und Georg Lieb aus Burggen zogen sich aus Altersgründen aus dem Aufsichtsrat zurück. Einen der beiden vakanten Posten übernahm Ursula Birk aus Bernbeuren; sie wurde bei der Vertreterversammlung gewählt und stieß zum seitdem fünfköpfigen Aufsichtsrat.

Verändertes Kundenverhalten

Veränderungen seien auch im Kundenverhalten sichtbar: Erstmals knackte im Jahr 2017 die Zahl der online-geführten Girokonten die Zehntausender-Marke: 10.323 gegenüber 9.565 im Vorjahr markieren ein sattes Plus. Die Digitalisierung schreite vo­ran, woran auch das Smart­phone einen immer größeren Anteil habe, berichtet Rupprecht. „Die Kunden kommen nur noch punktuell in die Filiale.“„Das wird auch weiter der Trend sein“, schätzt Lindauer.

Die Geschäftsstelle in der Schongauer Altstadt wurde 2017 in eine SB-Filiale umgewandelt, die persönliche Beratung nach Schongau-West verlagert. Zwölf Geschäftsstellen, zwei Selbstbedienungsstellen und 18 Automaten unterhält die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel, die 2017 38.700 Euro an Spenden ausschüttete und mit 1,26 Millionen Euro einer der größten Gewerbesteuerzahler der Re­gion ist, derzeit insgesamt.

Ungeachtet aller moderner Entwicklungen ist die klassische Mitgliedschaft in der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel ungebrochen gefragt: 12.372 Mitglieder waren es Ende 2017, die – das ist neu – je zwei statt einem Anteil zeichnen dürfen. „Bei knapp 42.000 Einwohnern im Geschäftsgebiet ist das fast jeder Dritte“, freuen sich die beiden Vorstände.

Rasso Schorer

Auch interessant

Meistgelesen

Peitinger werden zu Headbangern
Peitinger werden zu Headbangern
Hohenpeißenberger Umgehung wird für Restarbeiten gesperrt
Hohenpeißenberger Umgehung wird für Restarbeiten gesperrt
Stadtbus rollt jetzt auch samstags
Stadtbus rollt jetzt auch samstags
Klares Nein zur Öffnung der Fußgängerzone
Klares Nein zur Öffnung der Fußgängerzone

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.