Pilotprojekt für Schongau

Biohof Jocher und Hirschvogel planen Kooperationsprojekt Agri-Photovoltaik

Agriphotovoltaik Photovoltaik
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Zwischen den Photovoltaikmodulen, die etwa acht bis zehn Meter auseinander sind, kann Landwirtschaft betrieben werden.
  • Astrid Neumann
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Schongau – Es könnte die klassische Win-Win-Situation werden: Landwirtschaft und Industrie setzen sich gemeinsam für die Erzeugung von grünem Strom und damit für den Klimaschutz ein. Doch wie kann das funktionieren? Die Antwort vom Biohof Jocher und Hirschvogel in Schongau lautet: Agri-Photovoltaik.

Dieses Vorhaben stellten Florian Jocher vom gleichnamigen Biohof in Schongau sowie Sebastian Gschwill, bei der Hirschvogel Umformtechnik GmbH Fachmann fürs Energiemanagement, in der jüngsten Stadtratssitzung am Dienstag vor. Der Bedarf in der Industrie nach grünem Strom sei sehr hoch, erklärt Gschwill. Derzeit müsse sich das Unternehmen deutschlandweit versorgen. „Deshalb waren wir auf der Suche nach einem regionalen Partner,“

Gefunden hat Hirschvogel diesen in Florian Jocher vom Biohof Jocher, der sich ja noch dazu in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hirschvogel befindet. Den Nachteil – normalerweise – an PV-Anlagen sieht Jocher im großen Flächenverbrauch. „Das kommt der Landwirtschaft natürlich in die Quere“, erläutert er im Gremium. Doch die sogenannte Agri-PV habe den Vorteil, dass die Fläche gleichzeitig landwirtschaftlich genutzt und Strom erzeugt werden kann.

Gelingen soll dies, indem die Module senkrecht in Nord-Süd-Richtung aufgestellt werden. So werde vor allem die Morgen- und Abendsonne genutzt. Da es sehr viele nach Süden ausgerichtete PV-Anlagen gebe, gehe die Börse mittags zurück, weiß Gschwill. Man wolle daher eine „Vergleichmäßigung“ über den Tag verteilt erreichen.

Für Jocher steht vor allem der Vorteil im Natur- und Landschaftsschutz im Vordergrund. Die T-Träger für die Module könnten einfach in den Boden gerammt werden und brauchen keine Fundamente, so dass sie auch leicht wieder entfernt werden können. Zudem ermögliche die so durchgeführte Aufstellung einen quasi unveränderten Wasserhaushalt, es berühre kaum die Bodenwertigkeit, zählt der Bio-Landwirt die Vorteile auf. Weitere sind seiner Ansicht nach: kein großer Einfluss auf die Vogelwelt, die Fläche könne weiter landwirtschaftlich bewirtschaftet werden, auch als Weideland für Tiere.

Jocher hebt außerdem die geografische Besonderheit des vorgesehenen Grundstücks zwischen seinem Biohof und der B17 hin Richtung Hirschvogel hervor. Dabei handele es sich um ein Becken, in welchem die etwa drei Meter hohen PV-Module quasi untergehen würden. „Sie wären dort kaum einsehbar“, so der Landwirt. Zudem besteht die Möglichkeit – dies sei jedoch noch nicht ganz nachgewiesen – dass dadurch der Verkehrslärm verringert werde, so Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. Die Fläche sei zudem dafür geeignet, da hier weder Wohnbau noch Gewerbe möglich sei.

„Das könnte außerdem ein Pilotprojekt für ganz Bayern werden“, hob Gschwill hervor. Zwar gebe es eine solche Anlage in bei Donaueschingen (Baden-Württemberg), jedoch werde von dieser lediglich ins Netz eingespeist. Im vorliegenden Schongauer Modell würde der Strom regional erzeugt und verbraucht werden.

Bei den Stadträten kam die Idee gut an. Persönlich empfinde sie das als landschaftsmäßig zwar nicht ideal, so Bettina Buresch (Grüne), aber an der Stelle störe es nicht so sehr. „Als Pilotprojekt finde ich das toll“, so ihr Fazit. „Regelrecht begeistert“ zeigte sich Friedrich Zeller (SPD) von der Idee. Die vertikale Aufstellung möge zwar gewöhnungsbedürftig sein, jedoch spreche nichts vehementes dagegen, so Zeller weiter. Die CSU-Fraktion stehe voll dahinter, so deren Vorsitzende Kornelia Funke: „Landwirtschaft, Industrie und Klimaschutz“ zusammen sei eine tolle Sache.

Die Verwaltung wurde vom Stadtrat einstimmig beauftragt, die notwendigen Schritte für eine Realisierung der geplanten Agri-Photovoltaikanlage vorzubereiten.

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