Von Trauer, Tränen und vom Trost

Bischof Meier predigt in der Wieskirche in Steingaden

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Bischof Bertram blickt in der Predigt zum Deckenfresko der Wieskirche. Hinten Monsignore Gottfried Fellner.

Steingaden – Er wolle nicht die Sterne deuten, die die Wieskirche 1983 zum UNESCO-­Weltkulturerbe gemacht hatten, eröffnete Bischof Dr. Bertram Meier seine Predigt beim Pontifikalamt zum Tränenfest in der Wies. Vielmehr zeigte er unter Bezug auf den Geißelheiland am Hochaltar, auf Bilder an Altären und am Deckenfresko in der prächtigen Wallfahrtskirche „drei Sterne“ auf, wo Trauer, Tränen und Trost besonders veranschaulicht werden.

Monsignore Gottfried Fellner, seit Herbst 2012 Wieskurat, empfand große Freude, dass Bischof Bertram Meier nur eine Woche nach der Weihe im Augsburger Dom als Zelebrant zum Tränenfest in die Wies kam. Der neue Oberhirte, von den Wieser Böllerschützen lautstark willkommen geheißen, sei ein erfahrener Seelsorger, der die Hand am Puls der Zeit und das Ohr am Herzen der Menschen habe, sagte Fellner.

Der Wiespfarrer brachte am Ende des Gottesdienstes den Gedanken auf, dass am Ende der Corona-Pandemie die Diözese Augsburg zu einer Dankwallfahrt aufrufe. Die Wies könne dafür ein gutes Ziel sein. Der Bischof griff den Vorschlag auf. Er würdigte Fellners Wirken in der Wallfahrtskirche – und das in einem Alter, in dem Bischöfe ihren Rücktritt einreichen. Fellner ist 75 Jahre. Dazu machte der Bischof eine klare Ansage: „Er (Gottfried Fellner) bleibt der Wiespfarrer.“

Das 282. Tränenfest

Heuer wurde das 282. Tränenfest gefeiert. Es erinnert daran, dass im Juni 1738 die Bauersfamilie Lory im Gesicht des Geißelheilandes – die Statue wurde erst einen Monat zuvor auf den Hof gebracht – Tränen sah. Seitdem kommen Pilger in die Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies, die von 1745 bis 1754 von den Prämonstratensern des Klosters Steingaden erbaut wurde.

Pfarrer Fellner bekundete, dass er im Bemühen „durchhalten“ wolle, die Wies als Gotteshaus und als Gnadenort für ungezählte Wallfahrer zu bewahren. Es gelte zu verhindern, „dass die Wies zu einem Museum und zu einem der schönsten Konzertsäle der Welt verkommt“.

Gern erinnere er sich, so Bischof Bertram in der Predigt, an die Zeit, als er extra schulfrei bekam, um als Kind mit der Kauferinger Wallfahrtsgruppe in die Wies zu pilgern. Es sei immer ein schöner Tag des Gebets, der Gemeinschaft und auch der Einkehr gewesen, resümierte der Zelebrant.

Die drei Szenen

„Hand aufs Herz – können wir noch weinen?“ richtete der Bischof eine Frage vor allem auch an die Herren der Schöpfung. Wer nicht weinen könne, der sei unfähig zu Tränen, Trauer und könne auch keinen Trost erfahren. „Die Krankheit unserer Zeit besteht darin, ohne Leid leben zu wollen“, betonte Bischof Bertram. Er wies auf „drei Sterne“ hin, die in Fresken und Altarblättern der Wieskirche die Botschaft des Tränenfestes aufschlüsseln. Damit meinte er die Szenen, wie Jesus von einer Sünderin getragen wird, wie er von seinem Freund verleugnet wird (gemeint ist Petrus) und wie Jesus von Menschen gegeißelt und zum Tod am Kreuz verurteilt wird.

Der neue Bischof bezeichnete es als tröstlich, „dass Jesus auch für uns geweint hat“. Also auch für Kinder, Schüler, für Mädchen, die mit der Mutter Streit haben, für Eheleute, die sich auseinanderleben, für den Arbeitslosen, für den Kranken und für den Einsamen, „der keinen hat, um sich auszuweinen“. Doch hinter allen Tränen stünde das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt.

Zum Tränenfest waren wegen Corona knapp 90 geladene Gäste in die Wieskirche gekommen. Unter ihnen waren auch die Weilheim-Schongauer Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Steingadens neuer Bürgermeister Max Bertl, Altbürgermeister Xaver Wörle sowie Max Bertl aus Wildsteig, der Vorsitzende des Bayerischen Trachtenverbandes. Gestaltet wurde der Festgottesdienst mit Volksgesang und Orgel (Kristina Kuzminskaite), mit Weisen der Steingadener Bläser sowie mit Liedern des Monika-Dreigesangs (Seeg und Bertoldshofen).

jj

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