52. Bezirksmusikfest in Schongau 

Freunde fürs Leben gewonnen

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Der Festzug durch die Schongauer Altstadt bot ein farbenprächtiges Bild.

Schongau – Den Auftakt machte Ernst Hutter mit den Original Egerländer Musikanten. Sie bewiesen den vielen Gästen in der Eishalle, dass sie sich zurecht das erfolgreichste Blasorchester der Welt nennen.

Etwas lauter, aber bunter gemischt ging es beim Konzert des Vorarlberger holstuonarmusigbigbandclub (hmbc) zu: Alteingesessene Blasmusikfreunde und -kenner saßen neben den Jungen, die erstaunlich textsicher bei vielen Liedern mitsangen, in einem Dialekt, der ähnlich unaussprechlich ist, wie der Name der Band selbst. Weiter ging es mit einem verregneten Sternmarsch, der aber der Stimmung beim Kapellenwettstreit keinen Abbruch tat. Vier Kapellen stritten sich um die Krone der Unterhaltungsmusik, bewertet von Fachjury und Publikum. Die Musikkapelle Rottenbuch hatte knapp die Nase vor den Blaskapellen Schwabsoien und Altenstadt und der Musikkapelle aus Burggen. 

BR-Moderator Georg Ried betonte, dass es keinen Verlierer gab, er überreichte allen Kapellen den Preis: Je ein Fass Bier mit unterschiedlichem Fassungsvermögen. Das werden die Musikanten nicht gleich geleert haben. Am Sonntag ging’s sehr früh raus zum Kirchenzug mit Festgottesdienst auf dem Marienplatz, umrahmt von der Stadtkapelle Schongau und der Stadtmusik aus Dübendorf. Dann lief der Countdown zum Höhepunkt des Musikfestes, die Blicke gingen bang Richtung Himmel, doch als sich rund 2000 Musiker auf dem Marienplatz aufgestellt hatten, riss die Wolken- decke, der Himmel bot sich bayerisch weiß-blau dar. 


Blasmusikfest Schongau


Es hatte etwas Erhabenes, als die Musiker der rund 70 Blaskapellen beim Gemeinschaftschor zu ihren Instrumenten griffen und unter der Leitung von Schongaus Stadtkapellmeister Marcus Graf „Musica Gloriosa“ von Alfred Bösendorfer und die Bayernhymne anstimmten. Auch die Ehrengäste lobten, was die Stadtkapelle auf die Beine gestellt hatte. Bezirksleiter Max Kriesmair war begeistert vom „wunderbaren Bild auf dem Marienplatz“, für Landrat Friedrich Zeller sah es „nicht nur gut aus, sondern hört sich auch fabelhaft an“. MdL Renate Dodell bescheinigte den Blaskapellen, dass sie die Kulturträger in Bayern seien, Schirmherr Karl-Heinz Gerbl war froh, dass es „endlich das Wetter hat, das die Stadtkapelle zu ihrem 50-jährigen Jubiläum und nach all den Mühen auch verdient“. Um 14 Uhr marschierte der Jubilar auf dem Marienplatz unter dem Applaus unzähliger Besucher in der Altstadt auf. Gefolgt von 70 Blaskapellen aus der Region, aus Dübendorf in der Schweiz und Lähn in Tirol, 15 Trommlerzügen und wunderschönen Festwagen. Einen der schönsten hatte die Stadtkapelle selbst gestaltet: Eingerahmt von zwei Tubas prangte der Steg der Stadtkapelle, gesteckt mit frischen Blumen. 

Eine dreiviertel Stunde schlängelte sich der Festzug um den Marienplatz, führte durchs Münztor Richtung Eishalle, kam an der Ehrentribüne vor der Post vorbei. Dort stellte Moderator und Ehrenmitglied Walter Wölfle jede Kapelle vor. Diese dankten mit schneidigen Märschen und freundlichem Winken. Das größte Strahlen hatten die Schongauer beim Vorbeimarschieren im Gesicht. Das i-Tüpfelchen auf das grandiose Musikfest setzte es am Abend: Eng wurde es auf der großen Bühne, als die Musiker der Stadtkapelle Schongau und die der Knappschafts- und Trachtenkapelle Peiting Platz nahmen. Moderator Stefan Fichtl (ein „Neutraler“ aus Lechbruck) übertrieb nicht, als er behauptete, dass es sich um zwei der besten Kapellen im Oberland handelt, die nicht nur allein den Saal zum Beben brachten, sondern vor allem zusammen – von wegen Schongau und Peiting harmonieren nicht, musikalisch tun sie das mal richtig gut! Aber auch menschlich: Es war ein schöner Zug von Peitings Dirigent Martin Wiblishauser, dass er die erschöpften Schongauer nach fast vier Stunden Konzert (ohne Pause!) von der Bühne „komplimentierte“: „Ihr habt genug geleistet. Setzt euch hin, gönnt euch eine Maß, wir spielen für euch.“ „Ich bin stolz auf meine Truppe, ohne die das hier nicht möglich gewesen wäre“, verbeugte sich Vorstand Michael Horn vor seinen Mitstreitern. Festleiter Michael Völk war voll des Lobes: „Wie alle zusammengehalten und -gearbeitet haben, das ist einmalig. Danke an jeden, der sich beteiligt hat, dass dieses Fest so perfekt verlaufen ist.“ Das 52. Bezirksmusikfest machte Freu(n)de für´s Leben.

Von Christine Wölfle

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