Abbau später

Bleibt das Radl-Provisorium am Mühlkanal über den August hinaus?

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Sieht so ein dauerhafter Überweg aus? Dazu gibt es unterschiedliche Ansichten.

Schongau/Peiting – Den ursprünglichen Plänen nach hätte sie schon abgebaut sein sollen, doch dieser Termin ist auf August verschoben worden. Solange bleibt die provisorische Radlbrücke am Mühlkanal stehen. Geht es nach Stadtrat Friedrich Zeller, dürfte sie das auch noch länger, als Dauerlösung. Bürgermeister Falk Sluyterman will das Gespräch mit Peiting und dem Staatlichen Bauamt Weilheim suchen. Dort ist man skeptisch.

Zuletzt trat Zeller am 21. April im Stadtrat öffentlich für sein Anliegen ein. Das Provisorium am Mühlkanal solle erhalten bleiben, befand das langjährige Mitglied der Landesvorstandschaft im ADFC Bayern (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club). So sehen es auch die Schongauer und die Peitinger SPD, hatte Zeller schon im Februar als Pressesprecher des Ortsvereins berichtet. Das perspektivische Ziel sei dann ein ganz neuer autofreier Übergang. Von der „Märchenwaldbrücke“ spricht Zeller. Für das jetzige Provisorium jedenfalls gelte es, einen gemeinsamen Ansatz mit der benachbarten Marktgemeinde zu finden.

Bei Stadträtin Bettina Buresch (Grüne) löste das wenig Begeisterung aus. Das Fahren über die Brücke an jener Stelle sei mit einem „seltsamen Umweg“ verbunden. „Das ist kein Alltagsradlweg“, zog sie ihr Fazit und begründete: „vollkommen unpraktisch“, zu schmal und zu glatt.

Im Peitinger Gemeinderat hatte man sich des Themas schon zuvor, Mitte April, angenommen (wir berichteten). „Man könnte die Brücke sicher abkaufen“, hatte der damalige Bürgermeister Michael Asam in den Raum gestellt. Dem hatte Uwe Fritsch, Chef beim Staatlichen Bauamt in Weilheim, zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits in einem Brief an Asam und Sluyterman eine Absage erteilt.

Er werde sich mit seinem neuen Peitinger Kollegen Peter Ostenrieder kurzschließen, gab sich Sluyterman bei der Stadtratssitzung am 21. April nochmals selbst mit auf den Weg. Die Bereitschaft zu einem gemeinsamen Termin sei vorhanden, signalisiert auch das Staatliche Bauamt Weilheim.

Vereinbart war dieser Stand Ende letzter Woche noch nicht, erklärt der dortige Abteilungsleiter Brücken- und Ingenieurbau Christoph Prause. Er wolle das Angebot hierzu aber erneuern. Möglichst kurz nach den Ferien soll es klappen. Denn die regulären Tage des Provisoriums seien schließlich gezählt. Dass der für Mai anvisierte Abbau verschoben wurde, habe mit der laufenden Diskussion indes nichts zu tun. Zur Zeit seien die benötigten Kräne schlicht schwer zu bekommen.

Unnötig doppelt

Er selbst, sehe keinen Grund, das Provisorium über den August hinaus stehen zu lassen, stellt Prause dar. Es gebe bereits eine Möglichkeit, mit dem Rad vom Schongauer ans Peitinger Ufer und retour zu kommen: die neue Mühlkanalbrücke. Diese decke alle Bedürfnisse ab, bietet beidseitig zweieinhalb Meter Platz für Radler. „Sie kann diese Funktion aufnehmen und wurde so genehmigt“, macht Prause klar. „Wir sind hier unserer Verpflichtung nachgekommen.“ Ein zweites Bauwerk sei nicht im Interesse des Staatlichen Bauamts – doppelte Infrastrukturvorhaltung, so nennt es Prause, vergebene Liebesmüh also.

Das Provisorium entspreche nicht den Standards. Vor allem, weil die vorgeschriebenen zweieinhalb Meter Breite fehlen – abzusteigen ist Pflicht. Der Belag eigne sich im Winter schlecht. Er sehe ein Problem mit der Verkehrssicherheit. „Wir können das nicht empfehlen“, so Prause. Wenn schon, dann laufe es auf einen Neubau eines Radlüberwegs nach den Regeln der Technik hinaus.

Diese Baulast falle dann aber ebenso wenig ans Staatliche Bauamt, wie der Erhalt des Provisoriums. Wie die Landsberger Baufirma Assner, deren Eigentum die provisorische Brücke ist, die Angelegenheit betrachtet, wisse er nicht.

Nichts auf Dauer

„Wenn jemand auf uns zutritt und der Preis stimmt, könnten wir uns das vorstellen“, erklärt ein Vertreter des Unternehmens auf Nachfrage des Kreisboten. Bei Assner ist aber nicht die Rede von einer provisorischen Radl­brücke, sondern einem Gehweg-Steg. Dementsprechend ähneln seine Ausführungen auch sehr denen Prauses. „So wie er dasteht, macht es in meinen Augen keinen Sinn“, urteilt der Assner-Vertreter über den Steg. Denn für einen dauerhaften Betrieb sei dieser nun mal nicht vorgesehen.

Vorbehaltlich eines statischen Nachweises ließe sich an der Breite zwar etwas machen, dazu kämen der Kolkschutz um ein Unterspülen zu vermeiden und eine andere Gründung. Doch auch dann bliebe manches, wie der Weg zur Brücke hin und davon weg, ein Provisorium. „Auf der Peitinger Seite könnte man eventuell die Kurve entschärfen“, überlegt der Assner-Vertreter. Entsprechend fällt aber sein Fazit aus: „Wenn, dann sollte man neu bauen.“ Das werde dann aber so teuer, dass es wohl in keinem Verhältnis zum Nutzen stehe.

„Sinnvoll wäre es vielleicht, das Provisorium noch für die Bauphase der Straße und UPM-Einfahrt aufrecht zu erhalten, falls diese in sehr naher Zukunft gebaut werden würde.“

ras

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