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Böbing und die Barrierefreiheit

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Von: Astrid Neumann

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Böbing Barrierefreiheit
In das Gemeindeamt in Böbing zu kommen ist dank Rampe relativ unproblematisch. An anderen Stellen im Ort erkannte der VdK ein paar Schwierigkeiten. © Neumann

Böbing – Wie barrierefrei ist Böbing und was kann man verbessern? Um das herauszufinden fand am vergangenen Freitag eine Ortsbegehung durch den VdK in der Gemeinde statt. Besichtigt wurde das Gemeindehaus, die Toilette in der Turnhalle, Bücherei, Schule, Kindergarten, Kirche, Bushaltestelle sowie das Scheiberhaus. 

„Weg mit den Barrieren“ sei vor einigen Jahren einmal Leitmotiv gewesen, so die Kreisvorsitzende Sozialverband VdK Oberland Susann Enders zu Beginn der Begehung. Jedoch sei man von diesem Leitmotiv nie ganz weg gekommen. „Jede Barriere ist eine Barriere zu viel“, so Enders.

Barrierefreiheit in Böbing: Erste Ortsbegehung dieser Art

Es ist die erste Ortsbegehung dieser Art, die in Böbing stattfand, so Daniela Holderried, Vertreterin für Menschen mit Behinderung im Ortsverein. Sie war es auch, die mit dem Anliegen auf Bürgermeister Peter Erhard zukam. Nicht alles Wünschenswerte sei aus finanzieller Sicht machbar, so das Gemeindeoberhaupt. Jedoch könne man oftmals mit einfachen Mitteln schon viel bewegen, zeigte er sich zuversichtlich.

Mit bei der Ortsbegehung dabei waren Reinhard Nöth und Peter Maier, die genau wie Holderried eine entsprechende Schulung absolviert haben. Außerdem Tine Kuisel als Betroffene sowie Ortsvorsitzende in Böbing Monika Holzheimer-Stanner. Nina Rauš unterstützte mit der Fotodokumentation. Jede Barriere wurde so fotografiert und dokumentiert. Danach werde ein Protokoll erstellt und in einer Präsentation dem Bürgermeister und dem Gemeinderat vorgetragen, erklärte Holderried.

Die Gruppe startete ihren Rundgang durch das Dorf an der Grundschule beziehungsweise in der dort befindlichen Bücherei. In das Schulhaus zu gelangen war auch für Kuisel, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, kein Problem. Dann war jedoch Schluss. Die Bücherei liegt im ersten Stock, einen Aufzug gibt es nicht. Zudem bemängelten die VdK-Experten eine fehlende Beschilderung sowie die Ausgestaltung der Treppenstufen. „Hier gibt es keinen Kontrast“, so Holderried. Für Menschen mit einer Sehbehinderung sei dies gefährlich, jedoch auch mit einfachen Mitteln zu beheben.

Auch an der Eingangstüre zur Bücherei, die über große Glasflächen verfügt, wurden fehlende Kontraste bemängelt. Auch hier könne beispielsweise mit Plakaten oder Aufklebern relativ leicht Abhilfe geschaffen werden. Der Durchgang zwischen den Regalen sei ebenfalls zu eng, um dort mit Rollstuhl oder Rollator durchzukommen. „Die kann man ja verschieben“, versprach Bürgermeister Erhard hier zu handeln.

Auf dem Weg zur neben der Schule liegenden Turnhalle verwies die Gruppe auf einen fehlenden Behindertenparkplatz in der Dorfmitte. „Kein Problem, den kann man ja einfach ausweisen“, so der Rathauschef.

Nicht ganz optimal

Erhard verwies auf die neue Behindertentoilette im Vorraum der Turnhalle. Hier müsse lediglich noch die Eingangstüre umgebaut werden, so dass auch wirklich Zugang besteht. „Das ist ja ein Wohnzimmer“, lobte Kuisel die Geräumigkeit der WC-Anlage. Jedoch seien einige Dinge auch nicht ganz optimal gelöst. Beispielsweise der Haltegriff sollte nicht nur herunterklappbar, sondern auch arretierbar sein. „Der fällt sonst irgendwann jemandem auf den Kopf“, so Kuisel. Insgesamt finde sie es schade, dass nicht vorher Betroffene in die Umbauarbeiten eingebunden worden seien.

Weiter ging die Tour im Gemeindeamt. Dieses ist ebenfalls durch eine Rampe einfach erreichbar. Allerdings sei die Tür etwas zu schwer, wie Maier und Nöth durch eine Messung feststellten. Der Sitzungssaal sei im Erdgeschoss untergebracht und damit für jeden zugänglich, so Erhard. Allerdings seien Schriftgröße und -art an den Schildern zu den einzelnen Räumen nur schwer lesbar, so ein Einwand der Experten. Im Erdgeschoss befinden sich momentan noch zwei Toiletten. Diese sollen – ähnlich wie in der Turnhalle – jedoch zu einer großen WC-Anlage umgebaut werden, erklärte das Gemeindeoberhaupt.

Über die Bushaltestelle – hier wurden vor allem die Rillen im Boden, die sowohl für Rolli-Fahrer als auch für den Blindenstock schwierig seien sowie die zu kleine Schrift an den Schildern bemängelt – ging es weiter zur Kirche. Eine lange Treppe führt hier zu dem Gotteshaus hinauf. Für Kuisel war hier Schluss, aber auch für ältere Leute sei der Weg kaum machbar. Hierfür eine Lösung zu finden sei vor allem kostspielig. „Wir haben auch schon Leute hochgetragen, aber das kann ja keine Lösung sein“, so Erhard. Im gegenüberliegenden Scheiberhaus gibt es ebenfalls eine behindertengerechte Toilette, an der die Experten nur wenig auszusetzen hatten.

Schlusspunkt der Begehung bildete der Kindergarten St. Hedwig. Dieser ist ebenfalls durch eine Rampe zugänglich. In den Türen der Gruppenräume sind verschieden hohe Fenster angebracht, was es nicht nur Erwachsenen, sondern auch den Kindern ermöglicht, hindurchzusehen. Auch eine Anrichte in „Kindergröße“ ist vorhanden, die gerne genutzt werde, so der Bürgermeister. Bisher habe man weitere Maßnahmen noch nicht benötigt, da noch keine Kinder oder Elternteile mit Einschränkungen die Einrichtung besuchten. „Wir können aber bei Bedarf jederzeit Lösungen suchen“, versprach Erhard. „Wir sind insgesamt gut aufgestellt.“

Die Ergebnisse der Ortsbegehung werden nun demnächst dem Gemeinderat vorgestellt. Einige Maßnahmen dürften schnell und unkompliziert umsetzbar sein, heißt es von Bürgermeister-Seite.

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