BR-Sendung live aus Peiting

"Jetzt red i": Viele Themen, wenig Antworten

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Moderator Tilmann Schöberl führte souverän durch die Sendung.

Peiting – Kamera ab hieß es am Mittwochabend in Peiting. Der BR hatte die Schloßberghalle für seine Livesendung „Jetzt red i“ in ein großes Fernsehstudio verwandelt. An Themen mangelte es nicht. Doch egal, ob Milchpreisverfall oder Krankenhaus-Krise: Befriedigende Antworten auf die vorgetragenen Anliegen gab es kaum.

 Es ist kurz vor 20 Uhr, als Tilman Schöberl das Wort ergreift. Schlagartig verstummen die Gespräche an den Tischen in der ganz in blau dekorierten Schloßberghalle. Der Moderator stimmt die Besucher auf die in Kürze beginnende Live-Sendung ein.

Jetzt sei die letzte Gelegenheit sich umzusetzen, sollte man nicht mit dem richtigen Partner da sein, witzelt er und bringt den Saal damit zum Lachen. Schöberl weiß, wie er die Stimmung lockert und das Lampenfieber dämpft. Seit zehn Jahren gibt er den Bürgern in „Jetzt red i“ die Gelegenheit, ihre Anliegen vorzutragen.

Dann ist es soweit: Das rote Licht an einer der vielen Kameras geht an und die Live-Übertragung zur besten Sendezeit beginnt. Schöberl kommentiert ein paar Bilder der Marktgemeinde, um den Zuschauern einen Eindruck vom Sendeort zu verschaffen, und ist dann schon beim ersten Thema – dem Milchpreisverfall.

Milchpreis im Keller

Nach einem kurzen einführenden Beitrag, den ein TV-Team im Vorfeld auf dem Hof von Silvia Schlögel gedreht hat, darf die Kreisbäuerin ans Mikro. Sie fordert, das Produkt Milch besser zu vermarkten, um die Nachfrage zu steigern, „weg von den Dirndln hin zu mehr Coolness“. Gerade im Internet, wo die Jugendlichen unterwegs seien, werde zu wenig getan.

Schöberl nickt verständnisvoll und schlägt auch ein Glas Milch nicht aus. Schlögel ist in Fahrt und lässt sich selbst durch den Moderator, der auf die knappe Sendezeit hinweist, nicht bremsen. Für eine Wette mit Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hat sie zwei T-Shirts mit markigen Sprüchen (Milchtrinker sind die besseren Liebhaber) dabei, die sie Amtschef Hubert Bittlmayer, der den Minister vertritt, überreicht.

 Anschließend kommt auch noch der BDM-Kreisvorsitzende Bernhard Heger zu Wort, der neben mehr Vermarktung fordert, die Milchmenge zeitlich befristet zu reduzieren, um den Preisverfall zu stoppen.

Bittlmayer zeigt Verständnis, eine Imagekampagne sei bereits geplant. Um den Preisverfall zu beenden, benötige man jedoch eine europäische Regelung. „Wir bleiben dran“, verspricht Schöberl und geht zum nächsten Thema über.

Krankenhaus in Not

Auch hier hat die Redaktion einen kleinen Film gedreht, es geht um das Schongauer Krankenhaus und dessen Zukunft beim kommenden Krankenhausstrukturgesetz. Geschäftsführer Thomas Lippmann warnt vor negativen Folgen, sollten Fachabteilungen wegen zu geringer Fallzahlen schließen müssen. Diese könne das Ende für die Notfallversorgung sein, warnt er. Schlimmstenfalls drohe kleinen Häusern das komplette Aus.

Peter Steiert vom Gesundheitsministerium versucht zu beruhigen, verweist auf erst kürzlich erfolgte Änderungen im Gesetzentwurf. Schöberl hakt nach, will wissen, ob es das Schongauer Krankenhaus auch in zehn Jahren noch geben werde. Der Ministerialdirigent aber will nichts versprechen, sagt nur: „Wir werden alles daran setzen, dass die Krankenhausstruktur in Bayern erhalten bleibt.“

Und noch ein Landwirtschaftsthema schafft es anschließend in die 45-minütige TV-Live-Sendung. Josef Lindauer, der wie Moderator Schöberl augenzwinkernd verrät, gefühlt zum 30. Mal bei „Jetzt red i“ das Wort ergreift, fordert Maßnahmen im Kampf gegen das für Tiere giftige Kreuzkraut.

Sorge um Fische

Nachdem Vertreter der Rheumaliga den Mangel an Fachärzten und die damit verbundenen langen Wartezeiten auf einen Termin kritisiert haben, ergreift ein Peitinger Urgestein das Wort. Klement Sesar treibt die Sorge um die Fische im Lech um. Er kritisiert, dass es zu wenige Fischtreppen an den 23 Staustufen gibt, was die Wanderung der Tiere verhindere. Ein weiteres Ärgernis sei der Schwellbetrieb, der stark zugenommen habe und nicht nur den Fischbestand gefährde, sondern auch den Lech als Naherholungsgebiet beeinträchtige.

Was die Fischaufstiege angehe, sei man dran, erwidert Johann Sachmann (EON). Schwerer tut sich der Fachmann mit Zusagen beim Schwellbetrieb. Da die Wasserkraft mittlerweile als Lückenfüller diene, um den Energiebedarf zu decken, wenn wenig Strom aus Sonnen- und Windenergie zur Verfügung stehe, sei man hier in einer Zwickmühle.

Der Problem-Biber

Dann ist die TV-Live-Übertragung vorbei. Ärger über zu gering bezahlte Tagespflege oder die Düngeveordnung: Was jetzt noch diskutiert wird, ist nur noch als Stream im Internet zu sehen. Zum Abschluss geht es um jenen Peitinger Bewohner, der die Marktgemeinde seit Jahren in Atem hält. Zur Sprache bringt den Problem-Biber Leopold Baudrexl, dem der große Schaden am Gumpen ein Dorn im Auge ist.

Und auch Bürgermeister Michael Asam ergreift zum ersten Mal das Wort, berichtet von den erfolglosen Versuchen, dem Tier Herr zu werden.

Dass die Peitinger den Biber lieber heute als morgen loswerden wollen, kann Bittlmayer verstehen. Um ihn jagen zu dürfen, müsste allerdings EU-Recht geändert werden. „Auch wir sehen hier Handlungsbedarf.“

Dann ist endgültig Schluss, Schöberl verabschiedet sich. Auch wenn es wenig konkrete Antworten gab, der Moderator ist zufrieden mit dem Sendungsverlauf. Die Schloßberghalle leert sich, doch an manchen Tischen wird noch munter weiter diskutiert – ganz nach dem Motto „Jetzt reden wir“.

Christoph Peters

Jetzt red i in Peiting - die Bilder

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