Brauhaus AG ist pleite

Am heutigen Samstag enden offiziell die Betriebsferien des Schongauer Brauhauses. Trotz Insolvenz soll der Betrieb vorerst weitergehen. Foto: Peters

Unter dem Titel „Ausflugziele fürs Wochenende“ empfiehlt die Süddeutsche Zeitung jede Woche Restaurants in Bayern, deren Besuch sich nach Meinung des Blatts lohnt. Erst vor kurzem legte die Redaktion ihren Lesern das Schongauer Brauhaus nahe, was ohne Zweifel für die Gaststätte spricht. Wer allerdings in den Genuss des selbstgebrauten Bieres und der bayerisch-schwäbischen Küche kommen will, sollte mit einem Besuch nicht zu lange zögern. Denn am vergangenen Montag meldete Jürgen Hayda, Vorstand der Brauhaus AG, beim Amtsgericht Weilheim Insolvenz an. Die Zukunft des wieder einmal gebeutelten Betriebs ist damit vorerst ungewiss.

In den vergangenen Tagen war es still im Brauhaus, was jedoch nicht am Insolvenzantrag lag, sondern am Betriebsurlaub der Gaststätte. Am heutigen Samstag werde das Lokal wieder geöffnet sein, kündigte Hayda am Mittwoch an. Tags zuvor hatte sich die komplette Führungsriege der Aktiengesellschaft erstmals mit dem vom Gericht bestellten Insolvenz-Gutachter Dr. Franz-Joachim Sessig getroffen, der die aktuelle Situation untersuchen soll. Der Schritt in die Insolvenz sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Hayda, der im August 2010 zum Team dazugestoßen war und im März 2011 den Vorstandsposten vom Aufsichtsratchef Tyll-Patrick Albrecht, der die Aufgabe zuvor kommissarisch bekleidet hatte, übernommen hatte. Er habe 16 Monate durchgehend gekämpft, um den Betrieb auf gesunde Beine zu stellen. Letztlich sei man aber an den Altlasten gescheitert, erklärt er. Über 300000 Euro Schulden hätte die AG unter seiner Vorgängerin Christine Fremmer angehäuft, nachdem die Aktionäre das Brauhaus 2009 ersteigert hatten. „Das war nicht mehr aufzufangen.“ Dabei habe sich das operative Geschäft zuletzt positiv entwickelt, nachdem man Material- und Personalkosten drastisch gesenkt und auf ein „vernünftiges Niveau“ gebracht habe. Um die endgültige Wende zu schaffen, sammelte die AG jüngst rund 20000 Euro an frischem Kapital bei den Aktionären ein. Zudem verhandelte man mit Lieferanten, Gläubigern und Banken über einen Schuldenschnitt. „Wir hatten bereits eine gute Quote erreicht“, berichtet Hayda. Nur drei Darlehensgeber verweigerten ihre Zustimmung, darunter Christine Fremmer, der die AG 28000 Euro schuldete. Nun also liegt es an Insolvenz-Gutachter Sessig, ob dieser dem Brauhaus eine Zukunft bescheinigt oder nicht. Bis dahin könne es eine Weile dauern, weiß Hayda. Er jedenfalls ist vorsichtig optimistisch, dass der Betrieb weiter existieren kann. „Ich denke, das Brauhaus hat gute Chancen. Denn dass es funktionieren kann, haben wir in den letzten Monaten bewiesen.“ Wichtig wäre eine solche Nachricht auch für die Angestellten des Brauhauses. Vier Festangestellte und vier Auszubildende bangen derzeit um ihren Job. Das Kabarett im Brauhaus ist von den Querelen nicht betroffen. „Alle Veranstaltungen, die wir angekündigt haben, werden stattfinden“, betont Marion Albrecht vom veranstaltenden Kulturteam. Notfalls, sollte das Brauhaus schließen müssen, auch an einem anderen Ort. Unklar ist derzeit noch, was mit dem Geld der rund 250 Aktionäre geschieht, die in die Brauhaus AG investiert haben und großteils normale Schongauer Bürger sind. Sicher sind derzeit angeblich nur die zuletzt eingesammelten 20000 Euro, die auf einem Treuhandkonto liegen. Alles weitere dürfte davon abhängen, ob ein Insolvenzverfahren eingeleitet wird. „Sobald das klar ist, wird der Insolvenzverwalter eine Aktionärsversammlung einberufen“, erklärt Hayda. Dann wird sich zeigen, ob das Brauhaus auch weiterhin ein Ausflugsziel bleibt. Hayda würde es sich wünschen: „Ich bin nicht angetreten, um das Haus in die Pleite zu schicken."

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