Liebe zum Detail

Buchhaltezelle für Schwabbrucks Leseratten

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Für Marlene Kaschel machte Rainer Siegl einen großen Wunsch wahr. Beide haben mit viel Aufwand ein Schatzkästchen für Schwab­brucks Bücherwürmer geschaffen.

Schwabbruck – Die Gemeinde ist um ein Schatzkästchen reicher. Und zwar um eines für Bücherwürmer und Leseratten. Vor kurzem ist an der Dorfstraße zur Ingenrieder Straße die Buchhaltezelle in Betrieb gegangen. Ausleihen oder tauschen, jeder ist willkommen.

Das waren noch Zeiten, als man die gelben Zellen aufsuchen musste, um ein Telefonat zu führen. Wenn man Pech hatte und besetzt war, konnte die Wartezeit lang werden. Alles vorbei, das Handy hat eine neue Ära eingeläutet.

Genau so eine Zelle stand auf der Wunschliste von Marlene Kaschel aber ganz oben. Ihr Traum war es immer, eine Bücherzelle herzurichten und aufzustellen. Der Grundgedanke: Bücher, die nach dem Kauf ja meistens nur einmal gelesen werden, sollen anderen Lesern zur Verfügung stehen.

Der kam Rainer Siegl zu Ohren. Dieser konnte so ein nostalgisches Stück erwerben, unbemerkt von seiner Partnerin Marlene. Auf einem Campingplatz im hohen Norden sollte das Ding weichen. Mit seinem Bruder Gerald demontierte er im Mai das gute Stück und brachte es nach Schwabbruck. Dort diente eine Scheune als Zwischenlager, um die Zelle im September als Geburtstagsgeschenk seiner Liebsten zu überreichen.

Was folgte, waren viele Wochen gemeinsamer Arbeit. Schleifen, grundieren, lackieren, dazu auf einen geeigneten Platz im eigenen Grundstück das Fundament betonieren und den Vorplatz pflastern. Nicht zu vergessen das Verlegen von Leitungen. Die Beleuchtung entspricht der heutigen Zeit: LED-Technik, neben einer vom Außenlicht abhängigen Grundbeleuchtung schaltet sich die Innenbeleuchtung automatisch beim Betreten ein. Dazu wird der Besucher aus dem Lautsprecher mit einem Willkommensgruß bedacht.

Das alte Logo wurde natürlich umgestaltet. Aus Bushaltestelle wird Buchhaltezelle. Damit man auch zu dunkler Jahreszeit den Weg problemlos findet, wird das neue Außenlogo dezent angestrahlt. Apropos Nacht: Ab 22 Uhr verschließt ein Mechanismus die Türe. „Ich gehe davon aus, dass der Schmarrn, der immer wieder in solchen Zellen vorkommt, in der Nacht passiert“, so Rainer. Er gibt aber gleichzeitig Entwarnung für die Besucher, die beim Schmökern das Zeitgefühl verlieren. „Wenn der Mechanismus verschließt und man befindet sich innerhalb der Zelle, kann man die Türe mit einem Schalter öffnen.“ Und wenn alles versagt, am nächsten Morgen um 7 Uhr ist wieder geöffnet – Späßle!

Marlene ist es wichtig zu betonen, dass diese Buchhaltezelle in keinem Fall Konkurrenz zur Dorfbücherei sein soll. „Das Konzept sei ein anderes. Anstatt Bücher auszuleihen und nach einer gewissen Zeit zurückzubringen, kann man sie hier zur freien eigenen Nutzung entnehmen und stellt dafür wieder andere zur Verfügung.

Marlene wacht auch darüber, dass kein Schund in den Regalen landet. Deshalb sollen auch keine zerfledderten Exemplare oder Bücher aus Raucherhaushalten dort landen. Die wandern sofort in den Papiermüll. Außerdem werden in regelmäßigen Abständen eingestellte Bücher mit einem Stempel versehen, damit aus der Freigiebigkeit der Spender kein Geschäft für andere entsteht.

Und zu guter Letzt schlägt nochmals Technikfan Rainer zu: Die Zelle registriert und führt eine Statistik, wann sie betreten wird. Dies wird von Rainer ausgewertet und im Onlineauftritt zur Verfügung gestellt. So können Nutzer sich vorher erkundigen und dann entscheiden, wann sie an der Buchhaltezelle zwischen 7 Uhr und 22 Uhr aufschlagen wollen.

Hans-Helmut Herold

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