Bücherei am Münztor

Online zum gewünschten Buch

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Schon bald sollen die Schongauer neben gedruckten Büchern auch die elektronische Variante in der Bücherei am Münztor ausleihen können.

Schongau – „Bin ich schon drin?“, fragte einst Tennisstar Boris Becker unschuldig und warb damit für den Internetprovider AOL. 16 Jahre ist das mittlerweile her, längst hat das Internet unseren Alltag erobert. Dem Trend hinterher hinkte bislang die Bücherei am Münztor. Doch jetzt will die Einrichtung den Sprung in das digitale Zeitalter in Angriff nehmen. So soll der gesamte Medienbestand künftig online einsehbar sein und auch die Ausleihe von E-Books will die Bücherei ihren Kunden ermöglichen.

Immerhin: Über eine eigene Internetseite verfügt die Bücherei am Münztor schon. Wer sie aufruft und dort auf Medienangebot klickt, erfährt auch so manch interessantes Detail. Etwa, dass die Bibliothek aktuell über 20000 Medien verfügt, angefangen von Büchern über Musik-CDs bis hin zu Gesellschaftsspielen und DVDs. Doch welche Titel genau zur Ausleihe bereit stehen, das verrät die Seite nicht. Um zu erfahren, ob die Bücherei das gewünschte Buch im Angebot hat, bleibt nur persönlich vorbeizuschauen, anzurufen oder eine E-Mail zu schreiben.

Zeitgemäß ist das nicht mehr, das hat auch Kornelia Funke längst erkannt. Die ehrenamtliche Bücherei-Leiterin hat deswegen bei der Stadt beantragt, die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass künftig der gesamte Medienbestand im Internet abrufbar ist. Leser könnten so auf einfache Weise prüfen, welche Medien im Bestand sind und ob sie gerade ausgeliehen sind oder nicht. Auch das Vormerken ist auf diesem Weg möglich.

Die Technik sei bei vielen Büchereien längst Usus, berichtete Funke in der jüngsten Stadtratssitzung. Die Kosten bezifferte sie auf rund 7000 Euro. Im Gremium rannte sie mit dem Antrag offene Türen ein. Der Beschluss fiel einstimmig.

Strittiger war dagegen die Frage, ob die Schongauer Bibliothek künftig auch die Ausleihe von E-Books anbieten solle. Während Funke auf die Vorteile einer digitalen Zweigstelle im Internet hinwies, die neben dem Imagegewinn auch helfen würde, neue Zielgruppen zu gewinnen, zeigte sich Siegfried Müller skeptisch. Der ALS-Stadtrat verwies auf Studien, wonach das Lesen gedruckter Bücher mehr bringe als das der elektronischen Versionen am Bildschirm. Er forderte, den Modetrend nicht zu fördern.

Doch mit dieser Meinung stand Müller ziemlich allein. Auch die ALS informiere auf elektronischem Wege über ihre Homepage, merkte Michael Eberle süffisant an. Die E-Book-Onleihe hielt der CSU-Fraktionschef wie der Großteil des Gremiums für eine „sinnvolle Maßnahme“. Die Entscheidung pro E-Book-Ausleihe fiel mit 21:2-Stimmen.

Fraglich ist allerdings noch, ob beide Vorhaben im Rahmen des interkommunalen Entwicklungskonzepts (Ikek) gemeinsam mit Peiting und Altenstadt umgesetzt werden können, wie es Funke in ihrem Antrag angeregt hat. Am kommenden Dienstag steht das Thema auf der Tagesordnung des Peitinger Gemeinderats. Bürgermeister Falk Sluyterman kündigte an, zeitnah das Gespräch mit seinen Bürgermeisterkollegen zu suchen.

Zur Eile drängte indes Michael Eberle. „Wir haben das jetzt schon durch so viele Ikek-Sitzungen mitgeschleppt. Da fragt sich schon, wie lange wir noch auf die anderen warten wollen.“ Es müsse jetzt bald eine Entscheidung fallen, forderte er.

Christoph Peters

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