Bürgerentscheid in Bernbeuren

Klares Votum für Feneberg-Einkaufsmarkt

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Darf er abgerissen werden oder bleibt es beim Denkmalschutz? Über die Zukunft des Stadels am Schnitzer-Gelände muss jetzt das Landratsamt entscheiden.

Bernbeuren – Deutlicher hätte die Zustimmung der Bernbeurer kaum ausfallen können: Am Sonntag haben knapp 97 Prozent der Wähler beim von der Gemeinde initiierten Bürgerentscheid für die Ansiedlung eines Feneberg-Marktes beim ehemaligen Gasthaus Schnitzer votiert. Rollen können die Bagger damit aber noch nicht. Grund ist der Denkmalschutz.

Bürgermeister Martin Hinterbrandner zeigte sich am Tag nach der Abstimmung „angenehm überrascht“ vom Ergebnis. Zwar habe sich schon in den vergangenen Wochen und Monaten und zuletzt vor einer Woche bei der Informationsveranstaltung abgezeichnet, dass viele Bernbeurer dem Vorhaben positiv gegenüber stehen, sagte er am Montag im Gespräch mit dem Kreisboten. Aber mit einem so deutlichen Resultat hatte auch der Gemeindechef nicht gerechnet. „Für den Gemeinderat und die Verwaltung ist das eine schöne Bestätigung, dass wir in die richtige Richtung geplant haben.“ Außergewöhnlich für einen Bürgerentscheid ist auch die Wahlbeteiligung. Mit 64 Prozent haben knapp zwei Drittel der Bernbeurer ihre Stimme abgegeben, was dem Ergebnis, so Hinterbrandner, eine besondere Aussagekraft verleihe.

Freilich, rollen können die Bagger trotz des klaren Votums noch nicht. Denn um Platz für den Neubau mit einer Verkaufsfläche von mindestens 600 Quadratmetern zu haben, muss erst der neben dem Gasthof stehende alte Stadel weichen. Als Gemeinde, Grundstücksbesitzer und das Unternehmen Feneberg vor gut einem Jahr mit den Planungen für einen Verbrauchermarkt begannen, schien ein Abriss nur Formsache. 

Doch im Dezember, als der neue Bebauungsplan für das Areal gerade auf den Weg gebracht worden war, erklärte das Landesamt für Denkmalpflege das Bauwerk überraschend zum Einzeldenkmal – ein Rückschlag für die Planungen. Seitdem wird darum gerungen, was höher anzusiedeln ist: der Erhalt historischer Bausubstanz oder die Nahversorgung der Bürger vor Ort, wie sie auch der Landesentwicklungsplan als Ziel vorgibt. 

Für Hinterbrandner eine klare Angelegenheit, erst recht nach dem deutlichen Votum am Sonntag. Er ist sich sicher: Das Landratsamt, das nun zwischen beiden Positionen abwägen muss, könne den Bürgerwillen nicht ignorieren. „Alles andere würde die Glaubwürdigkeit der Politik in Verruf bringen.“ Zumal man das Ergebnis des Bürgerentscheids auch als Absage an ein Großprojekt am Ortsrand sehen müsse. „Wir tun hier etwas für die Innenentwicklung und gegen den Flächenfraß, wie es aktuell von allen Seiten gefordert wird.“

In der nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag soll nun erst einmal der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst werden. Sobald dieser rechtskräftig ist, können die Bauherren, zwei Bernbeurer Familien, den Antrag auf Abriss des alten Stadels stellen. Zwischenzeitlich werde man das Gespräch mit der Bauverwaltung im Landrats­amt und auf politischer Ebene suchen, kündigte Hinterbrandner an, der am Sonntag bereits kurz mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß telefoniert hatte. „Ich bin optimistisch, dass wir eine Lösung finden.“ Andernfalls bliebe der Gemeinde nur der Weg vor Gericht.

Christoph Peters

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