Bürgerversammlung in Schongau:

Alles im grünen Bereich?

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Bürgermeister Falk Sluyterman referierte bei der Bürgerversammlung zunächst über die Stadt-Projekte des vergangenen Jahres. Rückfragen oder Anregungen der Bürger hielten sich heuer in Grenzen.

Schongau – Zum Dialog hat am vergangenen Donnerstag Stadtoberhaupt Falk Sluyterman seine Bürger gebeten. Nur etwa 40 Schongauer – darunter auch mehrere Stadträte – nahmen diese Gelegenheit im Ballenhaus wahr, viele Stühle blieben unbesetzt. Ob das nun bedeute, dass in Schongau alles im Lot sei, witzelte der Bürgermeister deshalb schon vor Beginn der Bürgerversammlung. In dieser Einschätzung dürfte ihn wohl auch die anschließende Fragerunde bestätigen, die ungewöhnlich kurz ausfiel. Redebedarf gab es beispielsweise zur Plantsch-Erweiterung und zum Thema „Fernwärme“.

Dabei hatte sich der Rathaus­chef in seinen Ausführungen zu Beginn der Bürgerversammlung bewusst kurz gefasst. Es solle „ausreichend Zeit“ bleiben, auch die Bürger zur Sprache kommen zu lassen, betonte Sluyterman und hielt Wort: Neben den wichtigsten Kennzahlen zur Stadt, die für die Anwesenden auch in einem ausführlichen, 35-seitigen Manuskript präzisiert wurden, nannte der Bürgermeister die wichtigsten Projekte des vergangenen Jahres, ohne diese genauer zu beleuchten. Neben der Sicherung der Wasserversorgung durch den Heiliggeist-Brunnen, die Einrichtung der Fußgängerzone oder den Spatenstich für das „Haus für Kinder“ freute sich Sluyterman über den Bikepark, der direkt „sehr gut angenommen wurde“. Anschließend zählte er die wichtigsten Veranstaltungen sowie eine Reihe signifikanter Stadtratsbeschlüsse des vergangenen Jahres auf.

Lediglich bei einem Thema ging Sluyterman ins Detail – dem „Asyl“, das zuletzt „alle sehr beschäftigt hat“. Zu Spitzenzeiten seien etwa 400 Asylbewerber in der Lechstadt untergekommen, inzwischen sei die Zahl aber auf 188 zurückgegangen. Besonders bedauerte Sluyterman, dass der Schul- und Vereinssport aufgrund der Turnhallenbelegung ausfallen musste, blickt aber gleichzeitig voraus: „Inzwischen haben wir das Thema Asyl gut in den Griff bekommen“ – vor allem dank der vielen Ehrenamtlichen sei das möglich gewesen.

Schongau überfremdet?

Bedenken seitens der Bürger gab es in dieser Angelegenheit dennoch: Eine „zunehmende Überfremdung“ befürchtete ­Peter Haggenmiller. Seinen Recherchen zufolge würden allein in Schongau-West 2 300 deutschen Bürgern etwa 1 600 mit Migrationshintergrund gegenüberstehen – jeder Dritte „überfremde“ seiner Auffassung nach demzufolge den Stadtteil. Bürgermeister Sluyterman gab daraufhin an, sich vor allem an der Begrifflichkeit „Überfremdung“ zu stören, zudem könne die Stadt diese vermeintliche Problematik nicht selbst steuern. Schließlich dürfe man seinen Wohnsitz in Deutschland frei wählen. Eingegriffen werden könne lediglich bei der Verteilung von Asylbewerbern. „Die Pöllandtstraße habe ich für eine Asylunterkunft selbst auch nicht geeignet gehalten“, verteidigt sich Sluyterman hinsichtlich des Standortes in Schongau-West, wo 50 Flüchtlinge untergekommen sind (der Kreisbote berichtete). Der Rathauschef verwies darauf, dass die Verteilung von Asylbewerbern letztendlich Aufgabe des Landratsamtes sei.

Zuvor hatte Haggenmiller bereits „zu geringe Informationen“ zu den Sanierungen im Plantsch moniert. Im Manuskript, das vor Beginn der Bürgerversammlung ausgegeben wurde, führt die Stadt zwei Punkte zum Schwimmbad auf: Die Sauna-Erweiterung, die 1,55 Millionen Euro netto gekostet habe sowie „Maßnahmen im Bestand“, für die zusätzliche 195 000 Euro angefallen seien. Gewünscht hätte sich der Schongauer eine detailliertere Auflistung der Beträge. Zudem seien die Summen nun höher, als die Stadt sie zuletzt angegeben habe. Bürgermeister Sluyterman versicherte jedoch: „Es ist nicht so, dass wir hier irgendwas hinter verschlossenen Türen beschlossen hätten.“ Plantsch-Chef Andreas Kosian rechtfertigte die angefallenen Kosten mit den daraus resultierten Erträgen: Schon jetzt seien die „Erwartungen mehr als erfüllt“. Der Gewinn, den man allein der Sauna-Erweiterung zuschreiben könne, betrage bis dato bereits 35 000 Euro. „Die Investition bringt hier messbar Geld zurück“, so Kosian.

Netzausbau zu teuer

Ein ganz anderes Anliegen trug Günther Stöhr vor. „Warum ist das Forchet nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen?“ Darin sehe er eine „Diskriminierung für die Bewohner“. Abhilfe wird die Stadt ihm aber vorerst nicht schaffen können, wie der heuer scheidende Stadtbaumeister Ulrich Knecht erklärte: „Die Leitung den Berg hochzulegen, wäre zwar technisch möglich“, finanziell sei dieser Schritt aber nicht zu stemmen.

Ferner wurden mehr Bauplätze, eine präzisere Überwachung von Stellplatzverordnungen und Sanierungen an der Stadtmauer angeregt, ehe die Veranstaltung nach etwas mehr als einer Stunde beendet war.

Marco Tobisch

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