Bürgerversammlung in Schongau

Von Asyl bis Sonnengraben

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Brachte seinen Bericht bei der Bürgerversammlung zügig über die Bühne: Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman.

Schongau – Erstmals seit seinem Amtsantritt vor knapp einem Jahr hat Bürgermeister Falk Sluyterman in der vergangenen Woche zur Bürgerversammlung geladen. Im nicht ganz voll besetzten Ballenhaus hielt das Stadtoberhaupt seinen Bericht kurz, was viel Zeit für die Anliegen der Bürger schaffte. Die machten davon fleißig Gebrauch. Selbst Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die der Versammlung als Besucherin beiwohnte, kam zu Wort.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung hatte Sluyterman angekündigt, sich kurz fassen zu wollen. Nicht das Stadtoberhaupt, sondern der Bürger sollte im Mittelpunkt der Versammlung stehen. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen. Und Sluyterman hielt Wort. Exakt 35 Minuten dauerte sein Rechenschafts-bericht, in dem er die Zeit seit seinem Amtsantritt Revue passieren ließ. 

Als erstes erinnerte das Stadtoberhaupt an sein Wahlkampfversprechen, das Gespräch mit den Bürgern zu suchen. Daran habe er sich gehalten, betonte Sluyterman, führte zum Beweis die Einrichtung der Bürgersprechstunde sowie des Ideen- und Beschwerdemanagements an. 

Gleichzeitig bat er um Verständnis, dass er nicht jedes Anliegen wunschgemäß lösen könne. Anschließend zählte der Bürgermeister einige Meilensteine auf, die von der Kinderhort-Erweiterung, über die Er-weiterungen von Möbelcentrale und Hirschvogel im Äußeren Westen über die Stadtmauer-Untersuchung bis zum Grundschul-Neubau reichten. 

Auch den umstrittenen Bikepark sowie die Sauna-Erweiterung im Plantsch vergaß Sluyterman nicht zu erwähnen. Er stehe zu beiden Entscheidungen, betonte er, die so auch von einer breiten Mehrheit im Stadtrat getragen würden. „Sie sehen, wir haben einiges geschafft und viele Weichen gestellt“, schloss der Rathauschef und eröffnete die Fragerunde. 

Die Schongauer machten von der Möglichkeit, dem Stadtoberhaupt ihre Anliegen vorzutragen, nach anfänglichem Zögern fleißig Gebrauch. Egal ob die nicht eingehaltene Räum- und Streupflicht, offen stehende Friedhofstore oder die Straßenausbaubeitragssatzung: Der Strauß an Themen war vielfältig. 

Nicht für alle hatte Sluyterman eine Lösung parat, etwa für die Forderung eines Altstadtbewohners, die Stadt müsse das Zentrum zum attraktiven Wohnraum für junge Familien machen, um dort für eine Belebung zu sorgen.

Andere Anregungen nahm der Rathauschef hingegen gern auf wie etwa die Idee einer Informationsfahrt für Senioren, um die Stadt besser kennenzulernen. Oder der Vorschlag von Peter Haggenmiller, die Bürgerversammlung das nächste Mal per Zeitungsanzeige anzukündigen. „In die Schaukästen schaut doch keiner.“ 

Brisant wurde es beim Thema Asyl. Siegfried Spitz kritisierte die Informationspolitik hinsichtlich der geplanten Unterbringung von 50 Flüchtlingen in der Pöllandtstraße. Die Informationsveranstaltung der Stadt sei viel zu spät gekommen. Ein Vorwurf, den Sluyterman nicht auf sich sitzen lassen wollte. Er verwies darauf, dass der Mietvertrag wohl erst am 1. Mai unterschrieben werde. „Noch wohnt dort ja keiner.“ 

Doch Spitz war noch nicht fertig. Er warf dem Landkreis eine ungleiche Verteilung der Asylbewerber zu Lasten der Lechstadt vor und unterstellte: „In Penzberg wird nichts getan, weil das da viel teurer ist als hier.“ 

Die Antwort kam diesmal von Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die der Veranstaltung eigentlich nur als Zuschauerin beiwohnte. Natürlich sei man auch in Penzberg vehement dahinter, geeigneten Wohnraum zu schaffen, widersprach sie. Es helfe in der aktuellen Situation nichts, mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu fragen, „warum hat der fünf mehr als ich“, betonte JochnerWeiß. „Wir können das nur gemeinsam schaffen.“

Natürlich brannte den Anwesenden auch das Thema Fußgängerzone in der Altstadt auf den Nägeln. Wann könne man mit einer Entscheidung rechnen, wollte Marc Lodes wissen. „Wir werden uns damit zeitnah befassen, womöglich bereits in der nächsten Sitzung Mitte April“, antwortete Sluyterman. Er stehe bereits mit einigen Stadträten in Kontakt. „Das Feedback ist positiv.“ 

Weniger positiv waren in letzter Zeit die Rückmeldungen auf die Baumfäll-Aktionen der Stadt. Vor allem der Kahlschlag am Köhlergrundstück sei „entsetzlich“, machte eine Besucherin ihrem Unmut Luft. Als ein anderer konterte, dass es sich dabei Holz ja um einen nachwachsenden Rohstoff handle und es in früherer Zeit überhaupt keine Bäume um die Stadtmauer herum gegeben habe, wurde es kurz laut im Ballenhaussaal. 

Sluyterman versuchte, mit Fakten zu schlichten. Die Aktion gehe auf eine Bitte des Tourismus-Vereins zurück, die Stadtmauer sichtbarer zu machen. Stadtbaumeister Ulrich Knecht fügte hinzu, dass die Maßnahmen auch Teil des Gesamtkonzepts für das historische Bauwerk sei, das derzeit von Burgenforscher Zeune erstellt werde. „Wir sind da auf dem richtigen Weg“, betonte er. Im Mai werde man die Ergebnisse offiziell präsentieren. 

Apropos Stadtmauer: Dass der Sonnengraben wohl das ganze Jahr gesperrt ist, rief ebenfalls Kritik hervor. Die konnte Sluyterman zwar verstehen, verwies aber auf das Gutachten des Statikers, an das die Stadt gebunden sei. „Wir sind hier haftbar, wenn etwas passiert.“

Gut verstehen konnte der Gemeindechef auch die Bitte nach einer Aufwertung des Lidos mit einem Beachvolleyballplatz oder einer Badeinsel. An letzterer sei man bereits dran, „da liegt uns jetzt die Genehmigung vor“, verkündete Sluyterman. Für den Beachvolleyballplatz gab’s dagegen eine Absage. „Wir haben das geprüft, aber dafür reicht der Platz nicht, erklärte Knecht. 

In diesem Zug hakte Hans Hartung ein. Man sei dabei, ein Floß am Lido zu installieren, mit dem man ähnlich wie in Lechbruck regelmäßige Fahrten auf dem Lech anbieten wolle, kündigte der Chef des Tourismus-Vereins an. Ein Antrag an das Landratsamt laufe bereits. „Vielleicht können Sie sich für die Genehmigungen einsetzen“, bat Hartung die Landrätin und die sicherte prompt ihre Unterstützung zu. 

Nach zweieinhalb Stunden intensiver Diskussion reichte es dann auch den Besuchern. „Mach’ ma Schluss“ kam es von den Zuschauerplätzen, als der Bürgermeister nach weiteren Wortmeldungen Ausschau hielt. Ein Wunsch, den Sluyterman gern erfüllte.

Christoph Peters

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