Bürgerversammlung in Schongau

Kleine Probleme und Lob für den Chef

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Rund 70 Schongauer konnte Bürgermeister Falk Sluyterman (re.) bei der Bürgerversammlung im Ballenhaus begrüßen.

Schongau – Bunt gemischt waren die Themen, die die Schongauer am Mittwoch bei der Bürgerversammlung im Ballenhaus ansprachen. Ein richtiger Aufreger war nicht dabei, vielmehr gab es gleich mehrmals Lob für Bürgermeister Falk Sluyterman und seine Stadtverwaltung. Der kurioseste Vorschlag des Abends drehte sich um den Schongauer Bahnhof.

Rund 50 Minuten nahm sich Bürgermeister Falk Sluyterman zu Beginn Zeit für seinen Rechenschaftsbericht, in dem er auf die Projekte und Veranstaltungen im vergangenen Jahr zurückblickte. Die Liste war lang, sie reichte von der Sauna-Erweiterung, über das kostenlose Wlan in der Altstadt bis zur Vereidigung der Bundeswehr am Marienplatz. Letztere, betonte der Rathauschef, sei für ihn einer der Höhepunkte gewesen, auch wenn er sich danach „bitterböse Briefe“ habe gefallen lassen müssen.

Natürlich klammerte Sluyterman auch das Thema Asyl nicht aus. Mit dezentralen Wohnungen, zwei Gemeinschaftsunterkünften und einer belegten Turnhalle decke die Stadt aktuell alle möglichen Unterbringungsformen ab, wies er hin. Er verteidigte die Klage der Stadt gegen ein weiteres Asylbewerberheim im Industriegebiet Ost („Wir müssen zeigen, dass sich Schongau wehrt, wenn die Zahlen weiter steigen“) und wiederholte seine Forderung nach einer gleichmäßigeren Verteilung auf alle Landkreis-Kommunen („Sonst bricht das System der Helferkreise zusammen“).

Im weiteren Verlauf der Versammlung spielte die Asylsituation allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Die einzige Wortmeldung gab es von Siegfried Spitz, der vor dem Hintergrund der Sozialraum-Analyse es für nicht vertretbar hielt, dass in Schongau die Aufnahmequote doppelt so hoch liege wie der Landkreis-Schnitt.

Parkplatzsituation Verklärung Christi: Kritik übte Spitz auch an der seiner Meinung nach nicht ausreichenden Anzahl an Parkplätzen bei Verklärung Christi. „26 sind zu wenig, wir haben hier die Kirche und den Friedhof.“ Stadtbaumeister Ulrich Knecht konnte zwar verstehen, dass es in dem Bereich zu Stoßzeiten einen erhöhten Bedarf gebe. Das sei allerdings in allen Städten so, verglich er. Die vorhandenen Stellplätze entsprächen den Vorschriften.

Verkehrssituation Gartenweg: Wie gehe es dort in Zukunft weiter, wollte eine Anwohnerin wissen, die sich über wild parkende Autos und das hohe Verkehrsaufkommen beklagte. Die Situation sei alles andere als befriedigend, räumte der Bürgermeister ein. „Wir haben das auf dem Schirm.“ Er verwies auf das Verkehrsgutachten, das man gerade in Auftrag gegeben habe und dessen Ergebnis man jetzt abwarten müsse. Um den Falschparkern Herr zu werden, versprach er künftig mehr Kontrollen durch die kommunale Verkehrsüberwachung. Dem Vorschlag, im Zuge des Schulneubaus eine Tiefgarage zu bauen und so mehr Parkplätze zu schaffen, musste der Stadtbaumeister eine Absage erteilen – technisch möglich, aber zu teuer.

Waldwege: Ein Bürger beschwerte sich darüber, dass die Wege im Perlachwald oft monatelang nicht begehbar seien, während jene im Forchet nach Holzeinschlägen oft schnell wieder freigegeben würden. Das stimme nicht, entgegnete Stadtförster Klaus Thien. „Wir räumen die Wege überall gleich.“ Allerdings gelte das nur für jene, die offiziell bewirtschaftet würden, fügte er hinzu. Die kleineren Pfade gehörten da oftmals nicht dazu. Die Klage des Mannes, dass gerade diese immer mehr unter Mountainbikern und Reitern leiden würden, konnte Thien bestätigen. Quer durch den Wald reiten oder fahren sei nicht erlaubt und werde auch nicht geduldet, betonte er. „Doch auch ich bin nicht 24 Stunden vor Ort.“ Sauer stieß dem Bürger auch der Krach durch die Schießanlage an der Dießener Straße auf. Wegen des „Höllenlärms“ am Freitag und Sonntag seien die Wege in der Nähe nicht mehr begehbar, ärgerte er sich. „Das Fass zum Überlaufen hat aber gebracht, als ich erfahren habe, dass sich hier der Geldadel aus München zum Ballern trifft.“ Der Bürgermeister zeigte zwar Verständnis („im Sommer höre ich die Schüsse bis ins Forchet“), hatte aber keine Lösung parat. Zuständig sei das Landratsamt und auch die Lärmschutzverordnung greife hier nicht.

Sonnengraben: Brennend interessierte die Bürger die Frage, wann denn der wegen mangelnder Standsicherheit gesperrte Sonnengraben endlich wieder geöffnet werde. „Wir starten ab April mit der Ausschreibung“, kündigte Ulrich Knecht an. „Unser Ziel ist es, dass wir Mitte Juli öffnen können.“ Allerdings dann ohne die städtebauliche Aufwertung. Die soll erst 2017 erfolgen, was laut Knecht eine nochmalige Sperrung für zwei bis drei Monate nötig macht.

Parkende LKWs an der Lech­uferstraße: Ein weiterer Bürger sprach die zunehmende Zahl an parkenden LKWs am Volksfestplatz und der Lechuferstraße an. Ein „schwieriges Thema“, befand Sluyterman. Auslöser sei gewesen, dass die LKW-Fahrer ihre Sattelschlepper nicht mehr auf dem UPM-Gelände abstellen dürfen. Zwar habe die Firma ihre Zulieferer angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass die LKWs nicht mehr an der Lechuferstraße parken sollen – doch ganz gelöst habe dies das Problem noch nicht, so der Bürgermeister. Auch Plantsch-Chef Andreas Kosian ist die Situation ein Dorn im Auge. Mittlerweile gebe es zwar ein Zufahrtsverbot ab dem Tennisheim, doch nicht jeder halte sich daran. „Wir fotografieren dann und melden es ans Ordnungsamt.“

Lob für den Bürgermeister

Doch nicht nur Kritik, sondern auch Lob bekam der Bürgermeister an diesem Abend zu hören, etwa für das neu gestrichene Rathaus oder seine schnelle Reaktion auf Meldungen im Rahmen des von ihm eingeführten Ideen- und Beschwerdemanagements. Das wird laut dem Stadtoberhaupt von den Bürgern eifrig genutzt. Rund 2000 Hinweise seien auf diesem Weg bei ihm bislang eingegangen. „Da lässt sich gut einschätzen, wo der Schuh drückt.“

Unterirdischer Bahnhof

Begrüßt wurde von einer Bürgerin auch die Idee eines Schrägaufzugs, die kürzlich im Stadtrat vorgestellt worden war. „Das wäre unglaublich wichtig für die Altstadt.“ So gern der Bürgermeister das hörte, so musste er doch auf die klamme Situation der Stadt verweisen, die eine baldige Umsetzung unmöglich mache. Ganz und gar ausgeschlossen dürfte dagegen die Realisierung des wohl kuriosesten Vorschlags an diesem Abend sein – ein unterirdischer Bahnhof als Lösung für das Stauproblem.

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