Bürgerversammlung in Schwabsoien:

Wachstum mit Maß und Hindernissen

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Dass die Belebung alten Bestands schwierig ist, zeigt der Baurawirt mitten in Schwabsoien, direkt gegenüber der Kirche.

Schwabsoien – Eine unaufgeregte Bürgerversammlung hat Schwabsoien am Mittwoch vergangener Woche, einen Tag nach der Zusammenkunft in Sachsenried (siehe eigener Artikel), in der Gemeindehalle erlebt. Über allem steht der Wunsch nach moderatem Wachstum, das zuletzt erneut realisiert wurde. Doch um den eingeschlagenen Kurs beizubehalten, sind einige Weichen zu stellen – das ist teils mit einiger Mühe verbunden.

80 Bürgern, und damit einer ähnlich große Anzahl wie in den Vorjahren, brachte Rathauschef Siegfried Neumann den Haushaltsbericht 2017 näher. Im Verwaltungshaushalt entsprechen die Einnahmen den Ausgaben. Waren im Haushaltsansatz hierfür je 2.069.110 Euro angepeilt, wurden es im Ergebnis 2.364.538. Im Vermögenshaushalt fielen Einnahmen und Ausgaben mit je 1.793.373 statt 2.007.525 Euro geringer aus als angenommen. „Wir konnten Bauland, das wir dringend bräuchten, noch nicht kaufen und Bauplätze nicht weiterveräußern“, erklärt der Bürgermeister. Die Verschuldung betrug Ende 2017 rund eine Million Euro, annähernd genauso hoch sind die Rücklagen. Die roten 709,57 Euro pro Kopf – bei 1.419 Einwohnern einschließlich Sachsenried – sollen weiter gesenkt werden.

Im Ortsteil Schwabsoien lebten am 1. Januar 2017 1.004 Einwohner; zum Vorjahreszeitpunkt waren es 969. „Wir wollen langsam und stetig wachsen“, umreißt das Gemeindeoberhaupt. Das setzte sich 2018 fort. Zuzuschreiben ist das diesjährige Plus neben dem positiven natürlichen Saldo – 13 Geburten stehen bis Ende Oktober sieben Sterbefällen gegenüber – auch dem Umstand, dass 58 Personen zu- und nur 44 fortzogen.

Von diesen Entwicklungen berührt sind Kindergarten und Grundschule. Ersteren besuchen 47 Kinder, ab Januar 52. Vom Landrats­amt sei die Betriebserlaubnis für 57 Plätze erteilt. Um zu ermitteln, ob Überfüllung droht, verwies Neumann auf die jüngst ausgegebenen Fragebögen, bei denen er auf guten Rücklauf hofft. Die Arbeiten rund ums Thema Kindergarten-Brandschutz sind abgeschlossen. An der Schule stehen sie aus. „Hier herrscht Handlungsbedarf“, erklärte der Bürgermeister. Im kommenden Jahr gehe es an die Ertüchtigung. Wie schnell etwas passieren kann, habe sich vor einigen Tagen gezeigt, als im Eingangsbereich des Gemeindehauses gezündelt worden sei. Der Übeltäter ist noch unbekannt. „Wir werten das als Brandstiftung und gehen mit aller Strenge vor“, so Neumann, der in puncto Schule auch Erfreuliches berichtete: Die angeschafften Präsentationskameras hätten sich bewährt. Überhaupt sei die Umsetzung des Weges hin zum digitalen Klassenzimmer in vielerlei Hinsicht gelungen.

Dass Schwabsoien Zuzug erfährt, führte der Bürgermeister auch auf das steigende Angebot an Arbeits- und Ausbildungsplätzen zurück. Mit der Entwicklung des Gewerbegebiets nördlich der Schongauer Straße zeigte er sich „sehr zufrieden“; auch im südlichen Teil stünden die Zeichen auf Wachstum. Dass dies nicht nur auf Gegenliebe stoße, könne er verstehen. Allerdings gelte es, ortsansässigen Firmen eine Möglichkeit zur Expansion offen zu halten und sich Neuansiedlungen nicht zu verschließen.

Doch Gewerbe und ebenso Wohnen benötigen Platz. Und genau hier hakt es. Diesbezüglich gestand Neumann ein, den eigenen Zielen hinterherzuhinken: „Es ist schwierig, an Flächen zu kommen.“ Wer kein konkretes Projekt zum Investieren habe, veräußere seinen Grund derzeit kaum. Denn auf der Bank bringe das Geld bei keinen oder negativen Zinsen nichts. Dennoch bleibe die Gemeinde am Ball. „Mit Nachdruck.“ Das gelte auch fürs Baugebiet Ost, für das sich in der abschließenden Fragerunde ein Bürger interessierte.

Neben der Außen- gelte auch der Innenentwicklung ein großes Augenmerk. Welch Signalwirkung ein gelungenes Projekt entfalten könne, zeigte Neumann am Berkmüllerhof auf. Doch einfach sei es nicht, alten Bestand zu beleben. Beispiel dafür sei der Baurawirt. Das alte Gebäude gleich gegenüber der Kirche fiel als Erbe der Diözese München-Freising zu – „und die verkauft grundsätzlich nicht“, bedauert Neumann fehlende Handlungsmöglichkeiten. Immerhin: Die neue Eigentümerin ließe den Garten jetzt beweiden. „Damit er nimmer ganz so schlimm ausschaut.“ Auch ein Hausmeister solle sich kümmern. Ob das dem Standort mitten im Dorf gerecht werde, hält der Bürgermeister aber für fraglich.

Weiteres Thema war die Trinkwasserversorgung. Das geforderte zweite Standbein kann Schwab­soien vorweisen; überhaupt seien die Quellen zuverlässig ergiebig und ihr Wasser von „absolut reiner“ Qualität. Die diesjährige Niederschlagsarmut wirke sich dank ausgedehnter Waldflächen nicht aus; auch der Schongauer Brunnen auf Soier Flur sei unbedenklich. „Wir graben uns gegenseitig nix ab.“ Sanierungen an Brunnenhaus und Hochbehälter in Sachsen­ried seien abgeschlossen.

In Sachen Feuerwehr blickte der Bürgermeister auf die Anschaffung eines Großfahrzeugs zurück. Auch das zweite werde ersetzt, dies ist mit 90.000 Euro veranschlagt. Die Ausschreibung ist beendet, eine endgültige Entscheidung falle bei der nächsten Gemeinderatssitzung. Gehe es nach ihm, sei das Thema Mitte bis Ende 2019 erledigt.

Als abgeschlossen vermeldete er den Breitbandausbau in Schwab­soien und Sachsenried. 440.000 Euro nahm die Gemeinde in die Hand, wobei 80 Prozent vom Land bezuschusst wurden. Die Variante mit Glasfaser bis zum Verteiler und Kupfer bis ins Haus habe sich bewährt, weil keine Straßen hätten aufgerissen werden müssen. Mit der betrauten Firma aus dem Raum Landsberg habe man Glück gehabt. In Schwabbruck beispielsweise entschied man sich für Glasfaser ins Haus samt aufgerissener Straßen – und habe sich über die Arbeit des ausländischen Unternehmens ärgern müssen. Bis auf vier Aussiedlerhöfe sei nun ganz Schwabsoien theoretisch mit schnellerem Internet versorgt – teils sogar mit besseren Raten als ursprünglich angenommen. Ganz zufrieden seien aber noch nicht alle. Hier verwies Neumann auf einen Blick auf die Bitratenanalyse-Karte auf der Gemeinde-Homepage.

Für punktuelle Wegesanierung sind 2019 90.000 bis 100.000 Euro vorgesehen. In Kürze stehen Baumschnitt- und Fäll­arbeiten an der Kaufbeurer Straße und anderswo an. Ferner sucht die Gemeinde dringend einen Feldgeschworenen. Aus der Bürgerschaft kam abschließend die Frage, wieso die Schulbus-Abfahrt zuletzt am Maibaum vonstatten ging, wenn es doch weiter oberhalb eigens ein Bushäusl gebe. Der Bürgermeister versprach, der Angelegenheit nachzugehen.

Beschäftigen will er sich auch mit dem Thema Verkehrstempo. Mehrere Schwabsoier beklagten, regelmäßig zu hohe Geschwindigkeiten innerorts zu beobachten. Der Wunsch nach mehr Messstellen wurde laut. Vor allem ab der Einfahrt Altenstadter Straße werde ortsauswärts „extrem gerast“, ärgerte sich eine Bürgerin. Doch auch ortseinwärts sei rücksichtsloses Verhalten zu beobachten. Gleich in der ersten Gemeinderatssitzung im neuen Jahr komme das Thema aufs Tapet, versprach Neumann. 

Rasso Schorer

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