Energiewende:

"Bürgerwind Pfaffenwinkel" kommt

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Peter Krecu, Rudolf Gutleben, Franz und Manfred Schwaiger von der IGBK stellten den Bürgermeistern Xaver Wörle, Peter Erhard, Andreas Keller und Michael Asam ihre Pläne vor (v. li.).

Peiting – Es ist ein Vorgehen, das Schule machen könnte: Die Gemeinden Peiting, Steingaden, Rottenbuch und Böbing arbeiten beim Thema Windkraft Hand in Hand – profitieren sollen die Bürger.

Seit die Bundesregierung die Energiewende ausgerufen hat, herrscht auch in Bayern Goldgräberstimmung. Dort, wo Windräder bislang kaum eine Rolle gespielt haben, sollen in den nächsten Jahren zahlreiche Anlagen entstehen. Investoren wittern ein lukratives Geschäft, während die Gemeinden die „Zerspargelung“ der Landschaft fürchten. Die Marktgemeinde Peiting hat deshalb einen Teilflächennutzungsplan auf den Weg gebracht, der Flächen für Windkraftanlagen auf drei Gebiete beschränkt. Für zwei davon, die Bergwiesen und die Köpfingerwiesen, hat sich wie jetzt bekannt wurde  bereits Mitte Juni eine Interessengemeinschaft der Grundstückseigentümer gebildet (IGBK). Ihr Ziel: Unter dem Namen „Bürgerwind Pfaffenwinkel“ sollen Windkraftanlagen in Eigenregie errichtet und betrieben und so die Bürger vor Ort beteiligt werden. 

Am vergangenen Mittwoch stellten Vertreter der IGBK ihre Pläne in Peiting erstmals der Öffentlichkeit vor. Bereits Ende April seien die ersten Kontakte zustande gekommen, blickte Franz Schwaiger zurück. Als Grund nannte der Sprecher der Interessengemeinschaft die Vielzahl an ortsfremden Investoren, die bei den Grundstückseigentümern angeklopft hätten. Man fürchtete ein „Riesendurcheinander“, sollten unterschiedliche Geldgeber ihre WIndkraftpläne verwirklichen. Im Mai folgte ein erstes Treffen mit den Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden, nur einen Monat später fand die Gründungsversammlung statt. 75 Mitglieder zählt die IGBK derzeit, sie deckt damit über 90 Prozent der Grundstückseigentümer der 250 Hektar großen Berg- und Köpfingerwiesen ab – eine durchaus beeindruckende Zahl. 

Wie ernst es der Interessensgemeinschaft mit ihrem Vorhaben ist, zeigt die detaillierte Planung, die Peter Krecu präsentierte. Bis zum Ende des Jahres wolle man eine Planungsgesellschaft gründen, erklärte das Mitglied der IGBK-Führung. Das dafür nötige Risikokapital komme aus dem Kreis der Grundstückseigentümer. 2013 soll ein avifaunistisches Gutachten Vogel- und Naturschutzbelange klären. Auch diese Kosten von rund 70000 Euro trage man selbst, betonte er. Ende 2013 könnte dann im besten Fall die Ausschreibung der drei für den Anfang geplanten, jeweils rund 100000 Euro teuren Windkraftanlagen folgen und diese schließlich Ende 2014 in Betrieb gehen. Davon sollen neben den Grundstückseigentümern dann auch die Bürger der umliegenden Gemeinden Steingaden, Rottenbuch und Peiting profitieren, indem sie sich an den Anlagen beteiligen können. „Unser Ziel ist es, dass das Geld in der Region bleibt“, unterstrich Krecu. 

Als „richtigen Schritt“ lobte Steingadens Bürgermeister Xaver Wörle das Vorhaben. „Wir bekommen so eine ganz andere Akzeptanz, als wenn von auswärts Investoren kommen.“  Dem pflichteten seine Amtskollegen Michael Asam (Peiting), Andreas Keller (Rottenbuch) und Peter Erhard (Böbing) bei.  „Der Standort bietet die Chance für eine interkommunale Zusammenarbeit“, freute sich Asam.

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