Wenn die Franzosen kommen

Burggen sieht Rekord-Besuche aus Nesmy entgegen

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Ausblick auf die Tage der Begegnung mit den französischen Gästen: Michael Eiband und Johanna Eiler.

Burggen/Tannenberg – Gleich 80 Gäste aus der französischen Partnergemeinde Nesmy werden im Mai in Burggen erwartet. Die Begegnung zwischen den seit bald 30 Jahren verschwisterten Gemeinden wird damit gepflegt. Nesmy hat 2.800 Einwohner, in Burggen sind es 1.700. Die Gäste bleiben von Donnerstag, 21. Mai, bis Sonntag, 24. Mai. Bei einer Zusammenkunft im Schützenhaus in Tannenberg haben Michael Eiband und Johanna Eiler einen Ausblick gegeben. Der Kreisbote hat bei den beiden vom Verschwisterungskomitee nachgefasst.

80 Gäste kommen nach Burggen – klingt rekordverdächtig. Waren es in den letzten 30 Jahren jemals so viele?

Michael Eiband: „Seit dem Wochenende (Stand 79) sind nochmal zwei dazu gekommen. Aktuell sind es 81. Die größte Anzahl an Gästen aus Nesmy bis jetzt.“

Was ist der Hintergrund für die hohe Besucherzahl?

Johanna Eiler: „Der letzte Besuch in Burggen scheint den Franzosen gut gefallen zu haben. Außerdem ist die Vorsitzende des Verschwisterungskomitees in Nesmy sehr engagiert. Letztlich hat das Programm mit Neuschwanstein, Werdenfelser Land, Brauereibesichtigung und Bierprobe, so glaube ich, auch viele Franzosen angesprochen.“

Michael Eiband: „Wir haben uns viele Gedanken zum Programm gemacht und es so abwechslungsreich wie möglich gestaltet. Des Weiteren könnte es auch eine Rolle spielen, da ein neuer Bürgermeister aus Nesmy mitfährt, der auch Anhänger für die Verschwisterung mobilisiert haben könnte.“

Wie kriegt ihr das im Partnerschaftskomitee hin – gibt es für alle Besucher aus Nesmy eine Gelegenheit, bei Familien in der Gemeinde untergebracht zu werden?

Michael Eiband: „Nach aktuellem Stand haben wir für alle Freunde aus Frankreich eine Übernachtungsmöglichkeit. Vielen Dank an alle Burggerinnen und Burggener, die sich bereit erklärt haben, jemanden aufzunehmen und uns zu unterstützen. Auch keine Selbstverständlichkeit. Den Abgleich und die Zuordnung zu den Familien macht Therese Nägelein für uns.“

Schongaus französische Partnerstadt Colmar ist gleich über dem Rhein – dorthin sind es knapp 500 Kilometer. Nach Nesmy nahe der Atlantikküste sind es – übrigens ähnlich weit wie in die Peißenberger Partnerstadt Saint Brevin – gut 1.300 Kilometer. Welche Hürde stellt die große Entfernung dar?

Johanna Eiler: „Die Busfahrt (ungefähr 20 Stunden) sehe ich schon als ‚Hürde‘, aber die Fahrt war bisher jedes Mal sehr lustig und die Zeit ist wie im Flug vergangen.“

Michael Eiband: „Die Fahrt dauert sehr lange. Gerade für ältere Interessierte kann sie auch beschwerlich sein. Trotzdem gibt es immer viele Anmeldungen.“

Wenn ihr die Gemeinden Burggen und Nesmy vergleicht: Wo gibt es Unterschiede, wo sind Gemeinsamkeiten festzustellen?

Michael Eiband: „Unterschiede gibt es in der Lebensart, der Küche, der Mentalität. Landwirtschaft und Handwerk werden noch geschätzt. Die Infrastruktur ist in Nesmy gut ausgebaut. Es gibt zum Beispiel: zwei Sporthallen, eine Tennishalle, zwei Schulen, eine Tankstelle für Elektrofahrzeuge und ein großes Gebäude für Senioren (ähnlich betreutem Wohnen). Beide Gemeinden können voneinander lernen und gute Ideen übernehmen.“

Ungewohnt war, dass das Burggener Verschwisterungskomitee neulich einen Vortragsabend im Schützenhaus in Tannenberg abgehalten hat. Ein Signal, dass ihr die Ortschaft noch mehr in die Aktivitäten einbinden wollt?

Johanna Eiler: „Ja, absolut. Uns ist ganz wichtig, dass die Verschwisterung auch in Tannenberg noch mehr verankert wird. Es sollen Menschen aus dem gesamten Dorf mit Frankreich ‚verschwistert‘ sein und nicht nur eine kleine Gruppe.“

Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer aus Schongau hat bei dem Abend in Tannenberg die französisch-bayerische Geschichte beleuchtet und die Bedeutung der Verschwisterung unterstrichen, die viel mehr in die Tiefe geht als ein touristischer Besuch. Wie seht ihr das?

Johanna Eiler: „Da stimme ich auf alle Fälle von ganzem Herzen zu. Man lernt das Leben in Frankreich auf einer ganz anderen Ebene kennen, die man so im touristischen Bereich nie erfahren kann.“

Michael Eiband: „Bei einem Besuch in Nesmy wird man direkt bei den Menschen vor Ort untergebracht. Es ist sozusagen ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick in das tägliche Leben. Viele Erfahrungen und Eindrücke, die man sonst nicht bekommen kann.“

Wie klappt das eigentlich beim Besuch mit der Verständigung: Wird da Deutsch, Französisch oder Englisch gesprochen? Oder mehr mit Händen und Füßen?

Johanna Eiler und Michael Eiband: „Die Verständigung klappt jedes Mal ganz gut. Das meiste läuft eigentlich in Französisch ab, aber es wird auch viel Englisch gesprochen. Offizielle Ansprachen und Führungen werden von uns übersetzt. Beim offiziellen Teil der Verschwisterung und bei den Programmpunkten haben wir Dolmetscher. Es gibt aber mittlerweile einige Französischsprecher und Schüler, die gerade Französisch lernen. Die Menschen bemühen sich aber immer sehr – auf beiden Seiten. So schaffen auch ältere Franzosen und Deutsche, die weder Französisch noch Englisch sprechen, sich gut zu unterhalten und sogar langjährige Freundschaften zu pflegen. Manchmal bedarf es aber auch keiner Worte. Die Sprache ist keine große Hürde, wie man oft vermuten würde.“

Interview: Johannes Jais

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