Ausstellung im Schongauer Stadtmuseum

Rebell, Kämpfer, Provokateur

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Hubert Pfeffer versteckt sich nicht. Er beobachtet Leben und Sterben aus seinem ganz eigenen Blickwinkel und steht dazu. Ungeschminkt, ehrlich, manchmal knallhart.

Schongau – „C‘est la vie“, frei ins Deutsche übersetzt „so ist nun mal das Leben“, nennt der Künstler Hubert Pfeffer seine Ausstellung, die vom 1. bis zum 30. Juli im Stadtmuseum Schongau zu sehen ist. Pfeffer hat über das Sein und auch das Sterben viel nachgedacht und seine Gedanken auf Papier festgehalten. 70 Karikaturen und Collagen sind daraus entstanden. Knallhart, aber auch wunderschön – wie das Leben.

Er ist wieder da. Obwohl, weg war er doch eigentlich gar nicht. Hat nur etwas pausiert. Alltags­szenen erfasst, Gedanken geordnet. Hubert Pfeffer hat diese in den vergangenen Monaten aufgearbeitet und bildlich in Karikaturen und Collagen ausgedrückt. So wie man es von ihm, der auch für den Kreisboten zeichnet, gewohnt ist. Er zwingt förmlich, um die Ecken zu denken. Und die haben es manchmal in sich.

Pfeffer ist keinesfalls ein Rambo, der wild um sich schlägt und vernichten will. Er ist ein Kämpfer mit dem Florett und setzt Stiche die reizen, Stiche die provozieren. Schleimer gibt es zuhauf, Pfeffer mag die Ehrlichkeit. Auch wenn man als Betrachter manchmal tief Luft holen muss.

Drei große Ausstellungen hat er seit dem Jahr 2000 im Stadtmuseum organisiert. „Die andere Seite“ war eine ganz eigene Interpretation der Bibel. „Niemandsland“ widmete sich Bildern gegen das Vergessen, in denen sich Pfeffer mit der DDR auseinandergesetzt hat. 2012 erinnerte er an die Kindheit mit „Ich wünsche mir mein Schaukelpferd zurück“. Das Stadtmuseum hat es ihm angetan: „Ich liebe die Atmosphäre, vor allem den ersten Stock.“

Pfeffers Werke sind eine Mischung zwischen Karikatur und Malerei. Auf alle Fälle mit gespitztem Bleistift gezeichnet, dann mit Pastellkreiden oder Buntstiften ergänzt. Quasi von der Hausmannskost zur Delikatesse verfeinert. Politisch, vor allem aber gesellschaftskritisch.

„Wer etwas Großes leisten will, muss tief eindringen, scharf unterscheiden, vielseitig verbinden und standhaft beharren“, erkannte schon Friedrich Schiller. Ob er damals an Pfeffer gedacht hat? Dieser trennt das Nebensächliche ab, lässt das Wichtige wirken.

Wie bei seiner Version von „Dahoam ist dahoam“, wo er sich mit dem „König Ludwig Event“ oder einem „Weißwurst Brunch“ auseinandersetzt. Von der „Wallfahrt für Kids“ ganz zu schweigen.

Denkanstoß und Schmunzeln

In der Nähe ein weiterer Denkanstoß als Collage. Da hängt der „Friedensengel“ als Ölgemälde im Museum. Streng bewacht durch bewaffnete Soldaten. Pfeffer macht auch nicht halt vor dem Friedhof von Lampedusa. Dort empfangen die Totengräber die neu ankommenden Flüchtlinge. „Lieber in Europa sterben ... oder doch zurück?“

Knallhart, aber der Realität so nah. Doch auch das Schmunzeln kommt nicht zu kurz, wie eine Szene in einem Beerdigungsinstitut beweist, in der ein Trauernder zur Seebestattung mit Schwimmflossen erscheint.

Und wenn sich dann noch bleistiftgezeichnete Steuer- unter Kriegsflüchtlinge mischen, versteht man, warum Pfeffer die Ausstellung „C´est la vie“ genannt hat. 

Stadtmuseum Schongau. Vernissage Samstag 1. Juli, 19.30 Uhr.

Dauer der Ausstellung: 1. Juli bis 30. Juli, jeweils Mittwoch, Samstag und Sonntag zu den Öffnungszeiten 14 bis 17 Uhr.

Hans-Helmut Herold

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