Differenzen in der Partei:

Warum Lory die SPD-Fraktion verlässt

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War nur eineinhalb Jahre Fraktionssprecher der SPD: Christian Lory. Jetzt ist er sogar aus der Fraktion ausgetreten.

Peiting – Zwischen der Peitinger SPD und dem bisherigen Fraktionssprecher Christian Lory knirscht’s gewaltig. Jetzt tritt der 31-jährige Gemeinderat, der seit Ende 2016 sogar deren Sprecher war, aus der SPD-Fraktion aus. Auch wird er demnächst das Parteibuch zurückgeben. Die Sozialdemokraten wollen ihn nicht als Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2020. Lory kündigt an, dass er als parteiunabhängiger Bürgermeisterkandidat antreten möchte. Weil das nicht nur „sein Bier“ ist, sondern politisch viele interessiert, hat der Kreisbote bei Lory nachgehakt.

Warum treten Sie aus der Fraktion aus – Sie waren ja zuletzt Fraktionssprecher?
Christian Lory: „Weil ich unabhängig von einer Partei eine Bürgermeisterkandidatur anstrebe.“

Wie stellen Sie sich denn das vor?
Christian Lory: „Diese Möglichkeit gibt es. Voraussetzung ist, dass ich nächstes Jahr mit mindestens zehn Unterschriften eine Aufstellungskonferenz einberufe. Voraussetzung für eine Kandidatur ist, dass auf einer Unterstützerliste, die im Rathaus ausgelegt wird, 180 Unterschriften von Peitinger Bürgerinnen und Bürgern zusammenkommen.“

Wann haben Sie den Entschluss getroffen?
Christian Lory: „Das ist ein fließender Prozess. Die Entscheidung, als parteiunabhängiger Bürgermeisterkandidat anzutreten, steht seit einigen Wochen fest. Das hab‘ ich der SPD so mitgeteilt.“

Wie werden Sie in der Zeit bis zur Kommunalwahl im März 2020 als Gemeinderat fungieren – parteilos oder innerhalb einer anderen Fraktion?
Christian Lory: „Ich werde als parteiunabhängiger Gemeinderat dem Gremium angehören.“

So wie Alfred Jocher, der auch in dieser Legislaturperiode aus der SPD-Fraktion ausgetreten ist?
Christian Lory: „Ja. Ob ich allerdings so wie Jocher, der in die Beratungen bei den Grünen eingebunden ist, auch Kontakt zu einer anderen Fraktion suche, ist völlig offen.“

Wie unterschiedlich sind denn die Auffassungen zwischen der SPD und Ihnen?
Christian Lory: „Die SPD hat mir halt gesagt, dass sie sich in Sachen Bürgermeisterkandidatur anderweitig auf die Suche machen wird.“

Haben Sie das dem Ortsverband und den Fraktionskollegen übel genommen?
Christian Lory: „Ich akzeptiere das und ziehe daraus meine Konsequenz. Ich gebe gerne zu, dass ich innerhalb der SPD schon gesagt habe, mir eine Kandidatur zum Bürgermeister vorstellen zu können – sollte denn eine Anfrage kommen. Da bin ich einer, der nicht sonderlich taktiert, sondern es so sagt, wie er es meint.“

Wie ist Ihr Verhältnis zu den bisherigen Kollegen in der SPD-Fraktion – ist das Tischtuch zerschnitten?
Christian Lory: „Wir haben ein Gespräch geführt, sind aber nicht zusammengekommen.“

Woran ist das gescheitert?
Christian Lory: „Der einzige Grund, den ich mir vorstellen kann, ist derjenige, dass man es bei der SPD nicht gern sieht, wenn ich mit den Leuten in Wirtschaften oder z.B. beim Bürgerfest gern bei einem oder mehreren Bieren über Peiting und über politische Themen spreche. Da empfinde ich aber in keiner Weise das Bedürfnis, mich umzustellen. Damit komme ich sehr gut klar – sowohl familiär mit der Frau und den zwei Kindern wie beruflich als Bezirkskaminkehrermeister.“

Warum denn die Kandidatur für das Bürgermeisteramt ohne eine Partei im Rücken?
Christian Lory: „Weil ich der Überzeugung bin, dass ich als Bürgermeister für die Marktgemeinde Peiting Gutes tun kann. Wichtig ist mir aber trotz der aktuellen Entwicklung, den Wahlkampf nicht in das Gemeinderatsgremium zu tragen. Da sind noch viele Themen bis 2020 zu bearbeiten – denken wir nur an das Baugebiet auf der Basiliwiese.“

Interview: Johannes Jais

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